Ozeanium unter Fake-News-Beschuss

Grüne und Linke nehmen es beim Ozeanium mit der Wahrheit nicht so genau. Die grössten Lügen im Fakten-Check.

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Roland Stark

Die Gegner des geplanten Ozeaniums erklären das gute Ergebnis ihrer Unterschriftensammlung beim Referendum gerne mit dem hohen Informationsstand der Bevölkerung und deren Sensibilität für die Anliegen des Tierschutzes. Tatsächlich sehe ich in dem Erfolg eher einen weiteren bedenklichen Beleg dafür, dass man mit falschen Behauptungen und plumpen Unterstellungen – neudeutsch Fake News – auch hierzulande viele Menschen in die Irre führen kann. Kein einziges der wohlklingenden «Argumente» hält einer genaueren Überprüfung stand.

Fake News 1: Rund 80 Prozent aller gefangenen Fische sterben, bevor sie überhaupt in einem Aquarium landen.

Fische können schadlos transportiert werden, wenn, wie im Zoo Basel, das notwendige Know-how vorhanden ist. Dies bestätigt auch die Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEP), die schreibt, dass bei professionellem Umgang nur wenige Prozent der Fische beim Transport Schaden nehmen würden. Auch das Bundesamt für Veterinärwesen kam in einer Studie zum Schluss, dass nur rund 1,5 Prozent der Tiere den Transport nicht überleben. Der Zolli hat dank dem Vivarium fast 50 Jahre Erfahrung im Kauf und in der Zucht von Meerestieren und kann die richtige Behandlung garantieren. Er arbeitet auch mit Aquarien im Ausland zusammen, um fehlbare Händler identifizieren und meiden zu können. Dank diesen Massnahmen verliert der Basler Zolli praktisch keine Meerestiere bei Einkauf, Transport oder Akklimatisation.

Fake News 2: Der Fang von wilden Fischen führt zu deren Ausrottung.

Ein nachhaltiger Fang von Aquariumsfischen ist gewährleistet, wenn Spezialisten darauf achten, dass auf umweltschädigende Fangmethoden verzichtet wird, und die Fische gezielt dem Meer entnommen werden. Der Zolli kann dies dank langjähriger Erfahrung und Kontrollmechanismen sicherstellen. Solange also die Umweltbedingungen stimmen, wird der Fang von wilden Fischen nicht zur Ausrottung führen. Meeresfische produzieren im Allgemeinen eine enorme Anzahl Nachkommen. Wird ihr Lebensraum nicht zerstört, sterben sie nicht aus und ein nachhaltiger Fang von Fisch ist möglich.

Fake News 3: Tiere im Aquarium werden krank und sterben früher, 98 Prozent der Fische bereits im ersten Lebensjahr.

Das Gegenteil ist richtig. Tiere leben im Zoo oder einem Grossaquarium normalerweise länger als in der freien Wildbahn. Während in der Natur unzählige Fressfeinde, Hunger, Krankheiten und sonstige Gefahren lauern, werden im Zoo die Tiere gehegt und gepflegt. Sie werden regelmässig medizinisch kontrolliert und bei Bedarf behandelt. Der Zootierarzt führt routinemässig Prophylaxen – und Quarantäneprogramme durch.

Fake News 4: Zoos und Aquarien haben keinerlei pädagogischen Effekt.

Bei den Führungen durch den Zolli wird das Bewusstsein für Tierschutz und Arterhaltung geschärft. Letztes Jahr besuchten beinahe 50 000 Schülerinnen und Schüler den Basler Zolli und lernten viel über den Schutz und den Lebensraum der Tiere. Das blosse Betrachten von 3-D-Filmen, wie von Ozeanium-Gegnern als Alternative propagiert, kann den direkten Kontakt mit den Tieren niemals ersetzen. Wohl deshalb betrachten selbst überzeugte Zolli-Kritiker Elefanten und Löwen lieber vor Ort in Afrika oder Asien als in der Glotze. Es ist aus deren Sicht offenbar besser, wenn Grossstadtmenschen mit den eigenen Sinnen erfahren, was ein Tier ist, wie es sich verhält und warum es schützenswert ist.

«Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber keiner hat das Recht auf seine eigenen Fakten.» Diese Botschaft gilt nicht nur für Trump und Fox News, sondern auch für Grüne und SP-ler und sogar für Philosophie-Professoren an der Universität Basel.

Basler Zeitung

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