Noch ein neues Hochhaus für das Unispital

Mit einem zweiten Hochhaus will das Basler Universitätsspital den Campus Gesundheit erweitern. Für das 68-Meter-Haus wird ein neuer Bebauungsplan nötig.

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Alexander Müller@mueller_alex

Das Areal an der Schanzen- und Klingelbergstrasse, der sogenannte Perimeter B, sei die letzte bedeutende Reserve für die bauliche Entwicklung des Universitätsspitals Basel auf dem Campus Gesundheit. Dort will das USB in Zukunft weiter ausbauen und hat deshalb eine Studie für die Arealentwicklung in Auftrag gegeben. Am Mittwoch wurden deren Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

Sieben Entwürfe hat ein Gremium mit Vertretern des Kantons und des Spitals beurteilt. Am meisten überzeugt habe sie der Vorschlag des Teams Herzog & de Meuron/Rapp, teilte das USB mit. Der Entwurf sieht einen drei- bis viergeschossigen Sockel mit zwölfgeschossigem Aufbau vor. Rund 68 Meter Höhe sind für das Hochhaus vorgesehen. Die Struktur des Gebäudes basiere auf einem gleichmässigen Stütz- und Ausbauraster und sei modular gestaltet. Das sorge für hohe Flexibilität sowohl in der Planung als auch bei späteren Veränderungen.

Im neuen Hochhaus sollen künftig komplexe ambulante Behandlungen angeboten werden. Angedacht ist unter anderem ein Tumorzentrum. Ausserdem sollen Funktions- und Laborbereiche untergebracht werden. Der Entwurf zeichnet sich laut USB durch einen «starken städtebaulichen Beitrag mit einem hohen Mass an Nutzungsflexibilität, sinnvoll aufgezeigten Spitalprozessen und angemessener Wirtschaftlichkeit».

Rochadefläche für anderen Neubau

Der Hintergrund der Planung ist laut USB die Entflechtung von ambulanten und stationären Behandlungen. Das soll die Effizienz erhöhen, die Arbeit der Mitarbeitenden vereinfachen und die Wartezeiten für die Patienten verkürzen, ist das USB überzeugt. Denkbar sei auch, dass künftig die Universitäre Augenklinik in dem Areal untergebracht werde. Für diese werde schon länger ein Standortwechsel ins Auge gefasst.

Das Hochhaus wird gebraucht, um später weitere Spitalgebäude bauen zu können. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird nebenan im Spitalgarten mit dem knapp 68 Meter hohen Neubau des Klinikums 2 begonnen. Um den zweiten Teil des Ersatzneubaus für das Klinikum 2 zu realisieren, wird weiterer Platz benötigt. Das zusätzliche Hochhaus biete mit einer Nutzfläche von rund 24'000 Quadratmetern genug Rochadeflächen, um während des Neubaus des Klinikums 2 und der notwendigen Sanierung des Klinikums 1 den Betrieb möglichst uneingeschränkt weiter zu führen. Dies «ohne negative Auswirkungen durch kostenintensive und nicht nachhaltige Provisorien im heutigen Spitalgarten, der eine Erholungsfläche für Patienten, Mitarbeitende und die Bevölkerung bleibt».

Schattenwurf überschreitet Grenzwertt

Der Entscheid über die Freigabe des Vorprojekts falle voraussichtlich noch vor Ende Jahr. Geklärt werden muss noch die finanzielle Tragbarkeit. Die Kosten für den neuen Klinikteil an der Schanzen- und Klingelbergstrasse seien Teil der 2011 veranschlagten 1,2 Milliarden Schweizer Franken für die Gesamtentwicklung des Campus Gesundheit und belaufen sich nach heutigen Schätzungen auf gut ein Viertel der gesamten Investition bis und mit Inbetriebnahme. Für die nachhaltige Finanzierbarkeit brauche es eine weitere Steigerung der betrieblichen Produktivität. Das sei jedoch ohne die von den Basler Stimmberechtigten abgelehnten Fusion mit dem Kantonsspital Baselland «anspruchsvoller zu erreichen».

Um das Gebäude bauen zu dürfen, wird zudem eine Anpassung des Bebauungsplans nötig, da der Neubau höher wird, als bisher vorgesehen. Der bisherige Bebauungsplan sieht nur eine Gebäudehöhe bis 25 Meter vor. Es habe sich früh im Verfahren gezeigt, dass nur mit der Freigabe der ursprünglich vorgesehenen Höhenbegrenzung eine städtebaulich wie auch für die Nutzung sinnvolle und ansprechende Lösung möglich sein würde, schreibt das USB. Der Vorschlag von Herzog & de Meuron/Rapp würde zu einer «minimalen Überschreitung» des Schattenwurfs von zwei Stunden führen. Alternativ müsste sonst ein 25 Meter hoher, länglicher Riegel gebaut werden.

Die Hochhaus-Pläne des Unispitals sind umstritten. Kritiker bemängeln, dass die Hochhäuser zu nahe an hochrangigen Denkmälern wie der Predigerkirche und der Markgräflerhof gebaut würden und die historische Stadtsilhouette stören würden. Mit den neuen Plänen des Unispitals wird diese Diskussion erneut aufflammen.

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