«Nai, nai, nai han y gsait – y hol d Polizei, han y gsait»

Das einmalig stattfindende Menü Süürpryys im Tabourettli glänzt mit umgeschriebenem «079»-Hit.

Fasnachtshasser im Lo&Leduc-Modus.«Göhnd wider hai, han y gsait.»

Fasnachtshasser im Lo&Leduc-Modus.«Göhnd wider hai, han y gsait.»

(Bild: Benno Hunziker)

Dominik Heitz

Es geht zu und her wie in einem Restaurant: Gut gelaunt empfängt der Chef de Service (Mathias Brenneis) die erwartungsfrohe Kundschaft, und eine Brigade von Kellnerinnen und Kellnern steht bereit, um die einzelnen Gäste zu ihren Tischen zu führen.

Menü Süürpryys steht im Etablissement Tabourettli auf dem Programm. Und serviert wird es von der jungen, im Jahr 2010 gegründeten Clique onYva. Es ist alles in allem eine äusserst unterhaltsame Mischung aus fasnachtsmusikalischen Überraschungen, schön arrangiertem A-capella-Gesang und kabarettistischen Nummern.

Der Anfang startet noch klassisch-traditionell mit dem «Menu Surprise», einem sauber vorgetragenen Pfeifersolo. Dann aber beginnt sich schnell das Subversiv-Absurde Bahn zu brechen: Die Produktionsfirma FAG – Fasnacht aifach gmacht – wirbt mit leicht über Knopfdruck bedienbaren Apparaten als Fasnächtlerersatz. In einem Duett wird der Vorteil von Standardmelodien für unsichere Pfeifer schmackhaft gemacht. Und ein Ostschweizer gibt uns mit einem «Flatulenzometer» Einblick in seine wissenschaftliche Arbeit über die Vielfalt von «Wind» produzierenden Tambouren.

Hochstehendes Niveau

Dass der Abend auf einem hochstehenden Niveau seinen Lauf nimmt, ist nicht zuletzt der Regie von Florian Volkmann zu verdanken, der seine Erfahrungen aus der Vorfasnachtsveranstaltung Rämpläm einbringen konnte.

Natürlich – wie kann es auch anders sein – gibt es nicht nur Neues am Vorfasnachtshimmel. Weshalb soll man nicht das eine oder andere bereits erfolgreich Dagewesene kopieren? So bauen etwa die Texte zum «Bingo-Sketch» auf Namen von Fasnachtsmärschen, Strassen und Restaurants auf – eine Idee, die unter anderem schon am Zofingerconzärtli effektvoll umgesetzt worden ist. Auch Stepptanz in Anlehnung an wirbelnde Trommelstreiche ist schon mehr als nur einmal auf Vorfasnachtsbühnen zu sehen und zu hören gewesen. Hier sind es nun zwei Paar Waggis-Holzschuhe, die sich im Tanz finden. Und was das Katzenklavier an schrillen Tönen zu produzieren vermag, wird im Menü Süürpryys aus Plastikpouletköpfen gepresst.

Einer der Hochgenüsse ist zweifellos der umgeschriebene Lo&Leduc-Hit «079», der einem um den Schlaf gebrachten Fasnachtshasser in den Mund geschoben wird: «Nai, nai, nai han y gsait – y hol d Polizei, han y gsait!» Ebenfalls witzig angerichtet ist eine Sequenz aus dem «Harry Potter»-Film mit neuer Synchronisierung. Und der auf Grimassen und Situationskomik setzende «Top Secret»-Sketch liess vor allem Frauen im Publikum aufkreischen.

Glanzvolle Schlussnummer

Nicht gut gegart und noch weniger gut abgeschmeckt ist hingegen die Waggis-Nummer; dieser Gang sollte in die Küche zurückgegeben werden. Dagegen ist das textlich veränderte amerikanische Weihnachtslied «Little Drummer Boy» in seiner sentimental-schönen A-capella-Version ein Gedicht – es zergeht wie Butter auf der Zunge.

Und mit dem ernsthaften Rap auf die Fasnacht gelingt der Clique onYva eine glanzvolle Schlussnummer. Nur: Dass diesem kraftvoll-magischen Schlusspunkt ein ihn entwertender schwacher Gesangswitz nachgeschoben werden muss, ist für den Zuhörer nicht nachvollziehbar.

Menü Süürpryys: Theater Tabourettli,bis Samstag, 9. Februar, jeweils 20 Uhr;Sa zusätzlich um 16 Uhr. Alle Vorstellungen sind ausverkauft; allenfalls gelangen noch ein paar wenige Tickets in den Verkauf.

Basler Zeitung

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