«Nachhaltigkeit geht zu Fuss»

Eine Diskussionsrunde widmete sich im Gare du Nord dem Nutzen und Schaden der Mobilität.

Das Herzstück der S-Bahn stand im Zentrum der Diskussionen im Gare du Nord.

Das Herzstück der S-Bahn stand im Zentrum der Diskussionen im Gare du Nord.

Der Verkehr und seine Auswirkungen im Allgemeinen sowie die Durchmesserstrecke, das Herzstück der S-Bahn, standen im Zentrum einer Diskussionsrunde, die sich hierfür im Gare du Nord eingefunden hat.

Eingeladen hierzu hatte das Konsortium Bahnknoten Basel unter dem Titel «Verkehr verstehen». Dies könnte man durchaus, wäre er nur nicht so lärmig. Doch dies ist nur eine seiner negativen Auswirkungen. Mitunter ist er auch Energie- und Landfresser. Und über die Beeinträchtigung der Umwelt durch den Verkehr und die gesundheitlichen Schäden als Folge – darüber möchte man lieber gar nicht nachdenken. Man muss aber.

Doch der Reihe nach. Mobilität sei ein Grundbedürfnis des Menschen und bedeute Lebensqualität, so SRF-Journalist und Moderator Patrick Künzle. Nach dieser Veranstaltung kann man sich da allerdings nicht mehr sicher sein.

Luft nach oben

Die Negativfolgen des motorisierten Individualverkehrs, vor allem des Autos, wirken als immer grösser werdende Last. Dieser, so ein Fazit des Abends, muss domestiziert, reglementiert und unter Einhaltung einer wahren Kostenrechnung belastet werden. Der Platz, den er beansprucht, wird dadurch freilich nicht wesentlich kleiner.

Also braucht es weitere Anstrengungen: etwa die weitere Förderung des ÖV, von Carsharing-Systemen – und dies alles möglichst dekarbonisiert.

Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels liegt da mit seiner Verkehrspolitik durchaus auf einer Linie, die näher an diese Ziele hinführt. Allerdings gehe es nicht ausschliesslich um die Schaffung eines umweltfreundlichen, also möglichst immissionsfreien Verkehrs. In urbanen Räumen müsse er auch «flächeneffizient» sein. Mit anderen Worten: Er darf nicht zu viel Platz beanspruchen. Die städtischen Platzangebote braucht die Gesellschaft für anderes.

In der Stadt soll ein möglichst angenehmer Fussverkehr möglich sein. In Basel gebe es weiterhin grosses Potenzial für den Veloverkehr. Basel sei gemäss Städte-Monitoring zwar die ­velofreundlichste Stadt der Schweiz. Doch «hier haben wir noch Luft nach oben».

Flächeneffizient sei auch das trinationale Tramnetz. Zulegen könne man bei der S-Bahn mit dem Bau des Herzstücks. Sie sei «quasi das Arbeitspferd im öffentlichen Verkehr». Hier würde Basel im Vergleich mit anderen Schweizer Städten wie Zürich oder Genf «gewaltig» hinterherhinken.

Sportliches Fahren

Günter Emberger von der Fakultät für Bauingenieurwesen an der TU Wien führte das Publikum vom Urknall über die ersten Pferdetransporte direkt in den ausufernden motorisierten Verkehr von heute. Bei der Nutzung des Autos stehe die individuelle Sicht im Vordergrund: Es gehe beim Marketing der Autoindustrie um «sportliches Fahren» oder um «Freude am Fahren». Durch das Leben in einer Kapsel entstehe ein Realitätsverlust, da der Bezug zum umgebenden Raum verloren geht. Das «Grundrecht», so der Forscher zum Thema nachhaltige Energie, laute: Immer, überall und billig – plus Gratisabstellplatz im öffentlichen Raum. Individualverkehr brauche viel zu viel Platz. Öffentlicher Raum sollte nicht dazu da sein, um als Gratisparkplatz zu dienen. In Wien koste Parkieren im öffentlichen Raum gerade mal 70 Euro jährlich. Im Rest Österreichs sei es gratis.

Fossile Energie sei zudem viel zu günstig. Diese werde in drei bis vier Generationen aufgebraucht sein. Dies nicht zu tun, sei zwingend. Es brauche andere Energiequellen. Ausserdem «müssen wir schauen, wie wir die Geschwindigkeit aus dem Verkehr herauskriegen». Dies bedeute nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Lebensqualität und weniger Energieverbrauch. Und überhaupt: «Nachhaltigkeit geht zu Fuss.»

Die Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung, Maria Lezzi, betonte, wie wichtig es sei, dass Raum- und Verkehrsplanung Hand in Hand gehen; Der Ex-Astra-Chef Rudolf Dieterle setzte sich indes für das Basler Herzstück ein. Und Nino Künzli, Vizedirektor des Schweizerischen Tropeninstituts, bemerkte, dass Lärmbelastung und Luftqualität heute besser seien als früher. Zudem gäbe es heute weniger Verkehrstote als vor 50 Jahren.

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