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Muss der Basler Zolli schliessen?

Wer die Diskussion um das Ozeanium verfolgt, gewinnt den Eindruck, der Zolli beherberge ausschliesslich gestresste Fische. Und was ist denn mit den anderen Tieren, die im Zolli leben?

Allein im letzten Jahr haben 34'000 Schülerinnen und Schüler die eingesperrten Tiere im Zolli besucht.
Allein im letzten Jahr haben 34'000 Schülerinnen und Schüler die eingesperrten Tiere im Zolli besucht.

Im Basler Zolli leben rund 6400 Tiere. An Land, im Wasser und in der Luft. Über 500 verschiedene Arten. Vom Aal über die Grasmäuse, die Löwen, die Heuschrecken, die Kängurus, die Störche bis zu den Zwergziegen. Allein im Vivarium schwimmen gegen 5000 Fische. 450 Arten aus sechs Kontinenten und den unterschiedlichsten Ökosystemen.

Wer jedoch die emotional geführte Diskussion um das geplante Ozeanium verfolgt, gewinnt den Eindruck, der Zolli beherberge ausschliesslich gestresste Fische. Die Rede ist dann bald einmal von einem Fischgefängnis. Die Fondation Weber, Haupttrommlerin gegen das Ozeanium, wehrt sich dagegen, dass man in Basel «eingesperrte verhaltensgestörte Meeresbewohner» zeigen will.

Ein Leserbriefschreiber in der BaZ (einer unter vielen) lehnt «die Zurschaustellung von Lebewesen» aus ethischen Gründen strikt ab. Konsequenterweise müsste deshalb nicht nur das seit über 45 Jahren bestehende Vivarium, sondern der gesamte Zoologische Garten geschlossen werden. Kein Tier, weder der Affe noch der Pelikan und auch nicht der Pinguin oder der Kugelfisch, wurde je gefragt, ob es im Basler Zolli eingekerkert sein wolle.

Die Gegner des Ozeaniums behaupten, das Projekt würde keinen Beitrag zur Umweltbildung der Kinder und Jugendlichen leisten. Die Frage ist dann allerdings, warum allein im letzten Jahr 34'000 Schülerinnen und Schüler mit 2000 Schulklassen aus BS und BL den Zolli besucht haben. Und auch der WWF, eine angesehene Umweltorganisation, offenbart eine widersprüchliche Haltung.

Der WWF ist offenbar überzeugt, dass es besser ist, wenn ein Kind mit eigenen Sinnen erfährt, was ein Tier ist, wie es sich verhält und warum es schützenswert ist.

Das «Sea Life» in Konstanz, ein gewinnorientiertes Erlebnisaquarium, geführt von der Merlin Entertainments Group in Dorset (UK), wirbt mit Bodenseefischen und vielen anderen heimischen und exotischen Süss- und Salzwasserbewohnern für den Besuch von Schulklassen. Zitat von der Website zur «Entdeckertour – Faszination Meer»: «Ihre Schüler lernen hierbei grundlegende Zusammenhänge über die Ökosysteme und Bewohner der Ozeane sowie der einheimischen Gewässer kennen. Spass am Lernen, Begeisterung für den Lebensraum Wasser und interaktive Wissensvermittlung stehen hier im Vordergrund. (…) Bei dieser Führung erfährt Ihre Klasse mehr über die verblüffenden Anpassungen verschiedener hoch spezialisierter Meerestiere unter Wasser.»

Die Projektleitung für diese pädagogischen Angebote liegt beim WWF, Sektion Bodensee/Thurgau. Dagegen ist selbstverständlich nichts einzuwenden. Niemand kann ernsthaft den Nutzen einer derartigen «Sensibilisierungskampagne» für den Naturschutz bezweifeln. Der WWF, zumindest seine Sektion in der Ostschweiz, ist offenbar überzeugt, dass es besser ist, wenn ein Kind mit eigenen Sinnen erfährt, was ein Tier ist, wie es sich verhält und warum es schützenswert ist. 3-D-Kino, Fernsehen oder Smartphone bieten dafür keinen wirklichen Ersatz.

Der Zoo Basel legt höchsten Wert auf das Wohl seiner Tiere und auf den Natur- und Artenschutz. Die Tierhaltung erfolgt nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft. Durch beste veterinär-medizinische Betreuung wird ein optimaler Gesundheitszustand garantiert.

Diese klaren Fakten sollten eigentlich dazu führen, dass der WWF und andere Umweltorganisationen nicht nur kommerzielle Unternehmen der Vergnügungs- und Entertainment-Industrie tatkräftig unterstützen und bewerben, sondern auch das hochprofessionelle Projekt eines Zoos mit fast 150-jähriger Tradition.

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