Mit Kübeln und Kontrolleuren gegen den Dreck

Um Littering entgegenzuwirken, setzt Basel auf neue Aschenbecher, Beratung, Ermahnung – und Bussen. Bald nehmen die zwei neu eingestellten Abfallkontrolleure ihren Dienst auf.

Ausgeschnippt: Basel will als Stadt sauberer werden. Eine der Massnahmen besteht darin, mehr Mülleimer aufzustellen, in die auch ein Aschenbecher integriert ist.

Ausgeschnippt: Basel will als Stadt sauberer werden. Eine der Massnahmen besteht darin, mehr Mülleimer aufzustellen, in die auch ein Aschenbecher integriert ist.

(Bild: Elena Monti)

Volltreffer! In hohem Bogen schnippt der ältere Herr auf dem Tramperron die glühenden Überreste seiner Zigarette in die Dole vor ihm. Beeindruckend, ist aber nicht wirklich die feine Art. Immerhin hat der treffsichere Raucher der Stadtreinigung keinen zusätzlichen Aufwand beschert und das Stadtbild bleibt ebenfalls intakt. Abfallsünder oder nicht? Das ist hier die Frage.

Der Blick in die Baselstädtische Ordnungsbussenverordnung soll Klarheit bringen. Unter Ziffer 920.1 ist dort zu lesen, dass «verbotenes Beseitigen von Kleinabfällen, also Littering» als Übertretungstatbestand gilt. Das wird seit dem 1. Juli neu mit 80 Franken bestraft, bisher waren es 50 Franken. Der Aufschlag ist eine Folge des Massnahmenpakets gegen Littering, welches die Regierung im vergangenen Jahr als Reaktion auf die Sauberkeitsinitiative der SVP erlassen hat. «Fünf-Säulen-Konzept» nennt sich das. Die Anhebung der Bussen für Littering läuft unter der Kategorie «Repression», so wie auch die Aufnahme zweier neuer Tatbestände («Verbotenes Beseitigen von Haushaltabfällen, Sperrgut und Elektroschrott auf Allmend» und «unzeitiges Bereitstellen von Abfall auf Allmend»).

Busse bei «dummer Schnuure»

Ebenfalls unter «Repression» fällt die Einstellung zweier Abfallkontrolleure, die im Spätsommer ihren neuen Job antreten werden. Angestellt beim Amt für Umwelt und Energie (AUE) und ausgebildet unter anderem von der Polizei, sollen sie gemäss AUE-Leiter Jürg Hofer «Littering und illegale Plakatierung konsequent verfolgen und mit Ordnungsbussen ahnden». Die Verwaltungsangestellten sind im Namen der Sauberkeit unterwegs und sollen «alleine durch ihre Präsenz und durch ihr Auftreten Wirkung entfalten», wie Hofer sagt. Sprich: Bereits der Anblick der Abfallkontrolleure – in Berufskleidung gut erkennbar – soll allfällige Grüseleien auf öffentlichem Grund verhindern. «Im Vordergrund stehen bei den Abfallkontrolleuren die Beratung und Ermahnung der Bevölkerung», sagt Hofer. Zuerst reden und erst dann büssen – eine Taktik, auf die man im Zusammenhang mit Littering auch bei der Polizei setzt, wie Mediensprecher Klaus Mannhart sagt. «In einem ersten Schritt fordern wir die Menschen auf, ihren Abfall korrekt zu entsorgen.» Erst wenn sich jemand weigere oder wenn die betreffende Person eine «dumme Schnuure» habe, gebe es eine Busse.

So weit, so gut. Offen ist aber die Frage, ob der Raucher vom Bahnhof nun ein Abfallsünder nach dem Buchstaben des Gesetzes ist oder einfach nur ein zielsicherer Wurfkünstler. Tatsächlich, sagt Mannhart, sei in der Verordnung nicht genau definiert, wo Littering beginnt. «In der Praxis ist das etwa eine weggeworfene Pizzaschachtel oder eine Bierbüchse, die man einfach liegen lässt.» Eine weggeworfene Zigarette oder ein ausgespuckter Kaugummi gelte hingegen noch nicht als Littering, «allzu kleinlich darf man da nicht sein, obwohl auch das gruusig ist».

Gruusig vielleicht, aber in Ermangelung anderer Entsorgungsmöglichkeiten bisweilen unvermeidlich, könnte man dagegenhalten. Bloss, die Argumentation zieht längst nicht mehr überall. Es gibt nämlich sehr wohl Aschenbecher auf öffentlichem Grund – 80 montierte die Stadtreinigung alleine in den vergangenen drei Wochen, hauptsächlich an Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs. Wobei es sich eigentlich um Abfallkübel handelt: Chromstahlbehälter zu 35 beziehungsweise 110 Liter mit einem eingestanzten Baslerstab und einem integrierten Aschenbecher auf der Oberseite, das Ganze zum gleichen Preis wie die bisherigen Modelle und damit kostenneutral.

Weniger Zigaretten auf dem Boden

Es handelt sich dabei, man ahnt es schon, um eine weitere Massnahme des regierungsrätlichen Konzeptes gegen Littering. Je nach Bedarf können die Zwei-in-eins-Abfalleimer später auch als Robidog-Säckli-Dispenser genutzt werden. Derzeit laufe bis Ende Sommer noch eine Testphase, sagt Stadtreinigungsleiter Alexander Isenburg. «Wir warten erst einmal ab, ob sich die neuen Abfalleimer bewähren, bevor wir weitere Standorte mit diesen Modellen ausrüsten.» Noch sei es zu früh für ein Fazit, aber erste Beobachtungen hätten ergeben, dass rund um die neuen Abfallbehälter deutlich weniger Zigarettenstummel auf dem Boden liegen als früher. Wie zum Beweis dafür erscheint in diesem Augenblick ein dunkelhaariger Mann auf dem Tramperron, Handy am Ohr, einen glühenden Cigarillostummel in der Hand. Ein suchender Blick – und der Mann mit den schwarzen Locken steuert den nächsten Abfallkübel an, wo er die Reste des Cigarillos im integrierten Aschenbecher ausdrückt.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt