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Die Minerva-Volksschule schliesst ihre Tore

Weil der Schülerbestand rückläufig ist, muss das Traditionsunternehmen an der St.-Alban-Vorstadt 32 dichtmachen.

Die Minerva-Volksschule in der St. Alban-Vorstadt kämpft schon länger mit rückläufigen Schülerzahlen.
Die Minerva-Volksschule in der St. Alban-Vorstadt kämpft schon länger mit rückläufigen Schülerzahlen.

Es sind schlechte Nachrichten für rund 70 Kinder und Jugendliche mitsamt ihren Eltern – und schlechte Neuigkeiten auch für über 20 Angestellte: Die Minerva Volksschule Basel AG an der St.-Alban-Vorstadt 32 schliesst Ende Juni ihre Tore.

Was im Laufe des Dienstags bereits aus besorgten Elternkreisen an die BaZ durchgesickert war, bestätigte die Minerva am Abend in einer Mitteilung: Der Schulbetrieb im Wildensteinerhof, einem spätbarocken Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert, wird eingestellt.

«Der seit vielen Jahren rückläufige Schülerbestand erlaubte es schon seit längerer Zeit nicht mehr, die Schule mit ihrem spezifischen Profil wirtschaftlich nachhaltig zu betreiben», schreibt Minerva.

Auch lernschwache Schüler

Ein «spezifisches Profil» hatte die Schule, die auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken kann, tatsächlich: Dort werden Schüler unterrichtet, deren Bedürfnisse in einer staatlichen Schule nicht oder nur teilweise befriedigt werden konnten. Die Schule nahm auch verhaltensauffällige oder lernschwache Schüler auf, die ihr zum Teil vom Kanton zugewiesen wurden. «Die Minerva war besonders kompetent darin, auch schwierige Schüler in einer Klasse zu integrieren», sagt Marc Tschann, Unternehmensleiter der Minerva Schulen AG.

Eltern zahlten für den Besuch der Primarstufe rund 22'000 Franken pro Jahr. Für den Besuch der Sekundarstufe I legten sie sogar rund 26'000 Franken hin.

Laut Tschann sind die in den letzten Jahren ausgebauten Integrationsmassnahmen an den staatlichen Schulen mit ein Grund für die schwindende Zahl an Minerva-Schülern: «Die Zahl der Sonderschüler, die uns in der Vergangenheit jeweils vom Kanton zugewiesen worden sind, ist seit etlichen Jahren deutlich gesunken.»

Wie geht es nun für die betroffenen Schüler und ihre Eltern weiter? «Wir fühlen uns verpflichtet, für die Betroffenen gute Anschlusslösungen zu finden», sagt Tschann.

Das gilt besonders auch für jene Schüler, die sich derzeit nach einer Lehrstelle umsehen. Es liefen intensive Gespräche mit anderen Privatschulen sowie mit dem Kanton Basel-Stadt und den angrenzenden Kantonen Basel-Landschaft, Aargau und Solothurn.

Basel-Stadt ist gesetzlich verpflichtet, Schüler der obligatorischen Schulstufe in seinen Schulen aufzunehmen.

Valérie Rhein, stellvertretende Leiterin Kommunikation des Erziehungsdepartements, das die Oberaufsicht über die Privatschulen im Kanton ausübt, bestätigt: «Sämtlichen Schülerinnen und Schülern mit Wohnsitz Basel-Stadt stehen die staatlichen Schulen offen.»

Konsultationen laufen

Derzeit laufen auch noch Konsultationen mit den Minerva-Angestellten. Das Unternehmen sei gemäss Obligationenrecht dazu verpflichtet, sagt Tschann.

Mitarbeiter können – theoretisch – Vorschläge unterbreiten, wie die Schule trotz grosser Schwierigkeiten weiterzuführen sei. Man müsse aber realistisch bleiben, sagt Tschann: «Wir haben es uns nicht einfach gemacht und die Situation sehr genau analysiert. Eine nötige Neupositionierung, ein Um- und Wiederaufbau mit verändertem Profil würde mehrere Jahre dauern und entsprechende Kosten nach sich ziehen.» Eine Neuausrichtung sei «weder aus schulischer noch betriebswirtschaftlicher Sicht angezeigt».

Von der Schliessung nicht betroffen ist die Minerva-Schule an der Engelgasse, an der ein kaufmännischer Abschluss oder eine Berufsmatur erlangt werden kann. Sie wird als eigene Firma geführt, gehört aber wie die Minerva Primar- und Sekundarschule zur Kalaidos-Bildungsgruppe Schweiz.

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