Messehalle als grosses Atelier für Cliquenkünstler

Auf 1000 Quadratmetern arbeiten über 15 Cliquen in der Messehalle 5 an Wagen, Requisiten und Laternen.

Laternenmaler und Wägeler unter einem Dach.

Laternenmaler und Wägeler unter einem Dach.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Dominik Heitz

Die wandhohen Fenster sind mit Packpapierbahnen zugeklebt. Doch die grosse Schiebetür der Messehalle 5 ist einen Spalt breit offen. Geräusche von Hammerschlägen und Bohrern dröhnen nach draussen. Auf 1000 Quadratmetern haben sich hier vis-à-vis der Rundhofhalle über 15 Cliquen ihre Atelierabteile eingerichtet: 11 Wägeler bauen ihre Gefährte zusammen und mehrere Künstler bemalen Laternen.

Die Ammedysli hatten bis letztes Jahr in der Gewerbehalle in Zwingen ihren Arbeitsplatz. Wegen Quecksilberrückständen ist das Areal letzten Sommer geschlossen worden. Die Fasnachtshalle kam ihnen da wie gerufen. Die Güete-Bonjour-Clique ist über Facebook auf das Angebot aufmerksam geworden und glücklich darüber, nicht mehr im offenen Hof ihres Traktorfahrers arbeiten zu müssen.

Wie vor 50 Jahren

Zu verdanken ist die Idee für die Fasnachtshalle Fabian Petignat. Der Laternengestalter der Seibi-Clique hat einst bei der Messe Basel gearbeitet und nun seine Kontakte zur ehemaligen Arbeitgeberin spielen lassen. In der Miete kam die Messe den Benutzern entgegen; schliesslich handelt es sich bei diesen Cliquen nicht um kommerzielle Unternehmen. Zusammen mit Patrick Stalder, den er seit seiner Zeit als Top-Secret-Drum-Corps-Tambour kennt, hat er dann einen Aufruf in der Fasnachtsszene gestartet – mit Erfolg.

Praktisch alle 50 Quadratmeter grossen Hallenabteile sind belegt. Die Vereinigten Kleinbasler haben sich mit zwei Laternenmalern ebenso eingemietet wie die Basler Mittwoch-Gesellschaft mit ihrem grossen Wagen, und die Seibi-Clique baut gegen 16 Requisiten zusammen – alle aus viel Holz, das sie vom Förster des Hardwaldes beziehen konnten.

Vor fünf Jahrzehnten hatte die ehemalige Mustermesse schon einmal begonnen, Hallenabteile zu vermieten – damals an ­mehrere Laternenmaler, die sich als Internationaler Laternenmaler-Verband (ILMV) ausgaben. Jahrelang konnten sie in immer wieder anderen Hallenabteilen ihre Lampen malen, bis eines ­Tages wegen personeller und strategischer Veränderungen bei der Messe kein Platz mehr zu mieten war.

Nun, da die Messe Basel nicht mehr weiss, wie sie alle ihre Hallen nutzen soll, hat sie wieder ein offeneres Ohr. In einer Zeit, in der es für Cliquen je länger, je schwieriger wird, einen Arbeitsraum zu finden, sind die Fasnächtler jedenfalls sehr froh um diese neue Möglichkeit.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt