Meret Oppenheim bringt Licht ins Gundeli

Es war eine hochkarätige Delegation, die auf dem Meret Oppenheim-Platz den Brunnen mit einem Werk nach den Plänen der Künstlerin einweihte.

Auch die kleine Ente hat den Brunnen auf der Gundeldinger Seite des Bahnhofs eingeweiht und das goldene Kunstwerk für gut befunden.

Auch die kleine Ente hat den Brunnen auf der Gundeldinger Seite des Bahnhofs eingeweiht und das goldene Kunstwerk für gut befunden.

(Bild: Kostas Maros)

Franziska Laur

Der erste Gast war schon seit Stunden da. Eine Ente genoss im neuen Brunnen auf dem Meret Oppenheim-Platz beim Südausgang des Bahnhofs die Lebensqualität, von der SBB-CEO Andreas Meyer nach dem Mittag sprach. Im Zentrum der Anlage mit der weitläufigen Wasser­fläche steht eine Skulptur nach den Plänen der in Basel zur Schule gegangenen Künstlerin Meret Oppenheim (1913–1985). Golden hebt sie sich vom Grau des ­Hochhauses ab und bringt eine verspielte Note in diese urbane Bahnhofsumgebung, die vom Duft der grossen weiten Welt geprägt ist.

Eine Aufwertung der Lebensqualität sei dieser Platz für die Bewohner des Gundelis, die ­Passanten und die Reisenden, sagte der SBB-CEO. «Wir müssen keine Dividenden abliefern, dafür investieren wir in Lebensqualität.» Rund eine halbe Milliarde Franken hätten die SBB in Basel in bauliche Massnahmen investiert, allein 145 Millionen in das Meret-Oppenheim-Hochhaus mit der Aufwertung des Platzes. Und dieser Ort rege zum Nachdenken und Verweilen an.

Schöpferin der Pelztassen

Verweilen und rasten, das hatte wohl ursprünglich auch die ­Entendame geplant. Jetzt jedoch fühlte sie sich von den Worten des SBB-CEO in diesen Tätigkeiten sichtlich gestört. Sie schnatterte empört und blickte auf den Trupp Leute, die jedoch in Wonne strahlten. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann freute sich darüber, dass das Gundeli einen zusätzlichen Platz erhalten hat. «Jetzt hat das ­Gundeli neben dem Tellplatz ein Zentrum mehr», sagte sie.

Dies zeige den Zeitgeist, nämlich den, gross zu denken. Und es schaffe Raum für Begegnung. Die Regierungspräsidentin freute sich jedoch auch über den Umstand, dass neben der Strasse jetzt auch noch ein Platz nach einer Frau benannt worden ist. Frauen kämen nämlich diesbezüglich in Basel zu kurz.

Meret Oppenheim, Schöpferin der legendären Pelztassen und anderer Werke, ging in Basel zur Schule. Sie blieb auch später mit der Stadt familiär verbunden. Brunnen nehmen im Werk der Surrealistin eine grosse Rolle ein: Das Spiralmotiv der Skulptur auf dem Meret Oppenheim-Platz zeuge von ihrem Hang, Raum ins Kosmische auszudehnen, steht im Beschrieb des Kunstwerks.

Der kleinen Ente war das egal. Da ihr Verweilen nicht möglich schien, breitete sie ihre Flügel aus und verliess den umtriebigen Ort. Unterdessen schilderte Nathalie Wappler, Direktorin SRF, wie froh man sei, dass man in das Meret-Oppenheim-Hochhaus habe einziehen dürfen. 300 Mitarbeiter der SRF Kultur, ausserdem elf Mitarbeiter des SRF-Regionaljournals würden in diesem Hochhaus nun schalten und walten. Nicht alle hätten sich gerne vom Radiostudio auf dem Bruderholz getrennt. Doch jetzt sei man näher bei den Menschen, könne unkomplizierter Interviewpartner ins Studio einladen und nach Recherchen zu Fuss an den Arbeitsplatz zurückgehen.

Mehr Brunnen in die Stadt

Natürlich fehlte in diesem feierlichen Moment der Einweihung des Brunnens Jacques Herzog nicht. Immerhin hat sein Architekturbüro Herzog & de Meuron Hochhaus und Platz samt Brunnen geplant.

Die Bahnhof-Umgebung mit dem Gleisfeld werde durch diese Brunnenanlage geprägt, verzaubert wiederum durch das Kunstwerk von Meret Oppenheim, sagte er. Er und sein Büropartner Pierre de Meuron seien schon in den 70er-Jahren von der Idee von Brunnen, erstellt an ­verschiedenen Orten der Stadt, überzeugt gewesen. Realisiert worden seien die Pläne nicht, sagte er an die Adresse des ebenfalls anwesenden Baudirektors Hans-Peter Wessels. Er habe die Botschaft verstanden, sagte ­Wessels auf Nachfrage der BaZ. «Ich muss Brünneli machen, vor der Hauptpost, auf dem Barfi und dem Marktplatz», sagte er augenzwinkernd.

Die Kuratorin Bice Curiger hat Meret Oppenheim per­sönlich gekannt und auch eine Biografie über sie geschrieben. Sie habe stets einen starken Bezug zur Natur gehabt, und dies repräsentiere dieser Brunnen. Für Curiger ist klar: Für Oppenheim wäre der heutige Tag ein Freudentag, und die Ente ist direkt von ihr geschickt worden.

Auch Meret Oppenheims Nichte und Verwalterin ihres Erbes, Lisa Wenger, und ihr ­Neffe Michael Wenger, beide in Basel aufgewachsen, hatten die Produktion des Kunstwerks eng ­begleitet. Sie seien mehr als ­zufrieden, sagten sie. «Der magische Effekt auf den Platz ist faszinierend.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...