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Mein Leben mit Michael Bahnerth

Es geht um eine Ledertasche, ein Paar MBT-Schuhe und Mozart: Regierungspräsident Guy Morin verdient zu wenig, um eine giftige BaZ-Kolumne unwidersprochen zu lassen.

Lucian Hunziker

Lieber Herr Bahnerth, Sie haben eine «spitze» Feder. Ich habe mir lange überlegt, ob ich Ihre Kolumne vom 30. April 2015 zu meiner Person, «Leben mit Guy Morin», unter der Rubrik «Anschisspauschale» unwidersprochen stehen lassen soll.

Unter uns Regierungskollegen in allen Kantonen ist die sogenannte Anschisspauschale ein stehender Begriff. Wir verstehen darunter die Widrigkeiten von Kritik und Kommentaren in Medien oder Zuschriften, die wir hinnehmen müssen und die mit unserem grosszügigen Lohn abgeglichen werden. Ich habe es mir anders überlegt.

Ihr Artikel hat mich verletzt. Die darin geäusserte Geringschätzung meiner Person geht über das Mass hinaus, das ich in meiner Funktion tolerieren muss. Als Regierungspräsident repräsentiere ich den Kanton Basel-Stadt. Das beinhaltet sachliche Inhalte wie äusserliche «stilistische» Aspekte. Ich bin mir dieser Verantwortung sehr bewusst, und es vergeht kein Tag, ohne dass ich mich mit den Inhalten sowie mit der äusserlichen Erscheinung auseinandersetze. Über den Geschmack und den Stil lässt sich streiten. Ich trage nur lokale Labels und Produkte. Ich bin kein Schauspieler. Ich muss mich bei meiner Amtsausübung in meiner «Haut» wohlfühlen.

Ledertasche ist ein Glücksbringer

Die Menschen, denen ich in meiner Funktion begegne, sollen auch die Person Guy Morin erleben können. Ich habe noch nie einen Rucksack im Zusammenhang mit meiner Funktion getragen. Meine Ledertasche, die mir meine Frau zur ersten Wahl geschenkt hat, ist etwas abgenutzt. Ich hänge an ihr, sie ist für mich etwas wie ein Glücksbringer.

Und nun zum Corpus delicti «MBT Schuhe»: Sie sind wüst, aber bequem und sie tun meinem Rücken und meinen Gelenken gut. Ich trage sie nur noch, wenn ich im Voraus weiss, dass ich lange stehen muss.

In einem persönlichen Gespräch mit Ihrem Chefredaktor Markus Somm habe ich mich vor nicht langer Zeit zum Verhältnis Medien–Magistrats­personen oder Medien–staatstragende Institutionen geäussert. Ich wiederhole, was ich ihm damals sagte: Als Leserinnen und Leser, als Konsumenten der Medienerzeugnisse dürfen wir eine gewisse Achtung und Wertschätzung gegenüber den staatstragenden Institutionen Parlament, Regierung, Gerichte und ihren Repräsentanten erwarten. Als Medienschaffende stehen Sie in der Verantwortung, das Vertrauen in die Institutionen zu stützen und nicht zu schwächen.

Kritik ist erlaubt. Sie darf hart und unnachgiebig sein. Dies ist die Aufgabe der Medien, der sogenannten vierten Gewalt. Die Kritik muss aber sachlich und stufengerecht sein: Die Kritik gegenüber den Gerichten muss juristisch fundiert sein und die Kritik gegenüber den politischen Behörden muss sachlich und politisch sein. Persönliche Diskreditierung unter anderem von Magistratspersonen, wie Sie in Ihrem Medium zunehmend Raum einnimmt, ist entsprechend der oben geforderten Grundhaltung fehl am Platz. Sie ist so falsch, wie wenn ich zum Schluss meines Artikels schreiben würde: «Herr Bahnerth, Ihre Artikel sind Ausdruck Ihres Kleinmutes, Ihrer Missgunst und Ihrer Frustration.» Dies würde ich mir nie erlauben, und es ist hier nur zur Exemplifizierung geschrieben.

Herr Bahnerth, ich möchte mich viel lieber und mit viel grösserer Lust mit Ihnen über meine politischen Werte und Inhalte streiten.

PS. Sorry, Amadeus Mozart, sorry, alle Opern-Liebhaber, ich habe die Oper «Così fan tutte» fälschlicherweise Verdi zugesprochen. Keine Entschuldigung, aber wahr: Bei einer kleinen Umfrage in meinem persönlichen Umfeld zur Frage – Wer hat «Così fan tutte» komponiert? – hat ein Drittel der Gefragten «Mozart», ein Drittel hat «Verdi» und ein Drittel hat «weiss nicht» geantwortet.

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