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Mehr Sicherheit für den Bahnhofplatz

Basel SBB ist die gefährlichste Tramhaltestelle der Schweiz. Nun planen die BVB und Behörden Gespräche.

Mit sechs Verletzten in den letzten zwei Jahren ist die Tramhaltestelle Bhf SBB die gefährlichste der Schweiz.
Mit sechs Verletzten in den letzten zwei Jahren ist die Tramhaltestelle Bhf SBB die gefährlichste der Schweiz.
Keystone

Eine Seniorin verlässt den Bahnhof SBB. Vor sich schiebt sie ihren Enkel im Kinderwagen, an der Hand zieht sie einen Rollkoffer. Ihr Ziel ist das Perron, von dem das 1er-Tram in Richtung Dreirosenbrücke fährt. Das 11er-Tram sieht sie noch kommen und bremst ab. Dann achtet sie sich auf den 10er von rechts, weicht aus – und schon ist es passiert. Die Grossmutter läuft samt Kinderwagen auf das Gleis, auf dem von links mit hohem Tempo der 2er aus Binningen heranfährt. Es ist ein Obdachloser, der laut rufend herbeieilt und im allerletzten Moment vor der Gefahr warnt.

Es ist eine einzelne Szene, die sich laut einer Mitarbeiterin von «Burger King» aber in ähnlicher Form immer wieder auf dem Bahnhofplatz abspielt. «Die Menschen springen über den Platz wie Figuren in einem Computerspiel, wenn von überall her unerwartete Gefahren auftauchen», sagt sie. Ein Passant vergleicht die Situation mit einem Minenfeld. «Sicher ist hier keiner, solange er nicht auf einem Perron steht. Die Trams kommen schnell und von überall und wer es schafft auszuweichen, landet auf der Flucht dann halt unter dem Bus.»

Die Statistik stützt diese Wahrnehmung. Wie die Sonntagszeitung berichtete, ist die Haltestelle Bahnhof SBB, an der in den letzten zwei Jahren mindestens sechs Fussgänger verletzt wurden, die gefährlichste der Schweiz. Auf Platz zwei liegt der Zürcher Stauffacher, gefolgt von weiteren Basler Haltestellen – dem Barfüsserplatz und der Heuwaage. «Jeder Unfall ist ein Unfall zu viel», sagt dazu Benjamin Schmid, Sprecher der Basler Verkehrsbetriebe (BVB). Man müsse die Unfälle dennoch in ein Verhältnis setzen zur Gesamtzahl von Personen, Trams und Bussen, die diesen Platz täglich queren. Rund 60 000 ÖV-Nutzer steigen am Centralbahnplatz täglich in fünf verschiedene Tram- sowie vier Buslinien. Eine Situation, die laut anonymen Aussagen im Artikel auch für die Tramchauffeure Stress pur bedeutet.

Der «Seniorenvernichtungsplatz»

Schuld sind aber laut Schmid in den allermeisten Fällen nicht die Fahrer, sondern unaufmerksame Fussgänger. Unter anderem starren viele von ihnen auf das Smartphone. «Aber nicht nur der dadurch fehlende Sichtkontakt, sondern auch durch Kopfhörer eingeschränktes Hörvermögen, sind sehr gefährlich», warnt Schmid.

Nicht zum ersten Mal nimmt sich nun auch die Politik der Themen Centralbahnplatz und Sicherheit an. Die SVP hat nach Bekanntwerden der aktuellen Zahlen eine Interpellation eingereicht. Darin will sie unter anderem Zahlen zu sämtlichen Unfällen in Verbindung mit einem Tram für die letzten sieben Jahre in Erfahrung bringen. Ausserdem fordert die Partei Massnahmen für alle im Artikel erwähnten Basler Unfall-Hotspots. Bereits vor Jahren nahmen sich unter anderem die CVP Frauen sowie die Grünliberalen des gleichen Themas an. 2009 schlug der damalige Grossrat Emmanuel Ullmann (GLP) vor, die stillgelegte Fussgängerunterführung wieder zu öffnen.

Dies, weil die Überquerung des Centralbahnplatzes besonders für ältere oder behinderte Menschen «richtig gefährlich» sei. Mit seiner Idee blitzte der Politiker jedoch bei der Regierung ab. Nach einem Unfall im 2011, bei dem ein älterer Mann ein Tram übersah und schwer verletzt wurde, forderten dann unter anderem die CVP-Frauen Massnahmen für mehr Sicherheit.

Seit der Eröffnung des Platzes im Jahr 2001, den eine Bürgerin in einem Brief an die Regierung bereits damals als «Seniorenvernichtungsplatz» bezeichnete, wurden unter anderem eine Plakatkampagne mit dem Slogan «Mir kömme anenand verby» sowie Markierungen auf dem Boden umgesetzt. Letztere sollen die Gleise für Passanten besser sichtbar machen. Weitere solche Massnahmen könnten bald folgen.

Die BVB seien, was die Sicherheit angeht, regelmässig in Kontakt mit den Kantonsbehörden, sagt Schmid. Aktuell wolle man sich gemeinsam mit dem Sicherheitsdepartement über weitere möglich Sensibilisierungsmassnahmen austauschen. Dieser Entscheid sei aber unabhängig von der derzeitigen Berichterstattung gefällt worden, betont BVB-Sprecher Schmid.

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