Mehr Papi-Zeit für Staatspersonal

Das Parlament spricht sich für einen Ausbau des Vaterschaftsurlaubs aus. Profitieren werden nur Kantonsangestellte. Sie sollen neu vier statt wie bisher zwei Wochen erhalten.

Basler Väter, die beim Kanton arbeiten, können vielleicht schon bald mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Foto: Tamedia

Basler Väter, die beim Kanton arbeiten, können vielleicht schon bald mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Foto: Tamedia

Alessandra Paone

Gut ein halbes Jahr ist es, dass Lea Steinle auf Wunsch des damaligen Grossratspräsidenten Remo Gallacchi mit ihrem neugeborenen Sohn den Parlamentssaal verlassen musste. Es folgte eine Riesendebatte über Gleichstellung, die dazu führte, dass die junge Grossrätin der Grünen von ihrer Partei auf die Nationalratsliste gesetzt wurde.

Am Mittwoch konnte Steinle einen weiteren Erfolg feiern. Das Parlament überwies ihre Motion für einen Ausbau des Vaterschaftsurlaubs deutlich mit 55 Ja- zu 37 Nein-Stimmen. Der Vorstoss verlangt, dass Kantonsangestellten in Basel-Statt bei der Geburt ihres Kindes neu vier statt wie bisher zwei Wochen zustehen. Zwar wird der Vorstoss nach der Stellungnahme der Regierung nochmals beraten. Die Chancen, dass der Grosse Rat einen verbindlichen Auftrag erteilt, stehen jedoch gut.

Mitte-Parteien klar dafür

Die Grünen waren noch vor drei Jahren mit demselben Anliegen gescheitert. Damals hatte die heutige Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann den Versuch gewagt, es aber nicht geschafft, die Bürgerlichen und Mitteparteien zu überzeugen.

Hat seither ein Umdenken stattgefunden? «Es ist vor allem die junge Generation, die Druck macht», sagt Steinle nach der Debatte im Gespräch mit der Basler Zeitung. Weil die Frage, wie man Beruf und Familie am besten vereinbart, junge Mütter und Väter täglich vor grosse Herausforderungen stelle. Ein Stück weit sei der jetzige Erfolg wohl auch den Grosseltern zu verdanken. «Sie springen oft als Babysitter ein und erleben hautnah, was ihre Kinder leisten.»

Dank Mithilfe der politischen Mitte

Im Gegensatz zu vor drei Jahren sprachen sich diesmal die Mitte-Parteien CVP, EVP und Grünliberalen mit einer Ausnahme für eine Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs aus. CVP-Grossrätin Beatrice Isler erhofft sich dadurch einen «angenehmen Nebeneffekt». Dass Väter nach 20 Tagen Papi-Zeit vermehrt bereit seien, Teilzeit zu arbeiten, was den Frauen zugute käme. Isler wies zudem darauf hin, dass die vier Wochen bezahlter Urlaub nichts seien im Vergleich zu den 345 Tagen regulärer Mindestzeit beim Militär.

FDP und SVP blieben sich treu und lehnten die Motion ab. Nur die Freisinnige Martina Bernasconi war dafür. FDP-Mann Marc Eichner erzählte von seinen Erfahrungen als Vater von zwei kleinen Kindern. Vom Windeln wechseln, den schlaflosen Nächten. «Die Geburt eines Babys verändert das Leben total», sagte er. Doch jedes Paar solle selber entscheiden, wie es damit umgehe. Eichner befürchtet, dass vier Wochen Vaterschaftsurlaub «den Bogen überspannen». Denn Eltern seien wegen familiärer Verpflichtungen immer wieder auf den Goodwill ihrer Arbeitskollegen oder Kunden angewiesen.

SVP für Eigenverantwortung

Die SVP nutzte einmal mehr die Gelegenheit zu betonen, dass Familienpolitik nicht Staatsache sei. Sie plädierte für mehr Eigeninitiative und Eigenverantwortung. «Väter, die ihre Rolle ernst nehmen, warten nicht auf bezahlten Urlaub. Sie nehmen einfach frei», sagte Gianna Hablützel. «Das ist eine Selbstverständlichkeit.» Die Ständeratskandidatin kritisierte, dass die ohnehin schon privilegierten Staatsangestellten nun noch zusätzlich begünstigt werden sollen.

Fassungslos über die Aussagen der Ratskollegin von der SVP ergriff Sarah Wyss das Wort: «Kinder sind nicht nur Frauensache», sagte sie laut. Es gehe hier lediglich um zehn Tage mehr. «Das ist eine einfache, moderate Forderung und kein Paradigmenwechsel.»

Tatsächlich sind Steinles Forderungen nichts im Vergleich zu dem, was Wyss zusammen mit ihrer Fraktionskollegin Edibe Gölgeli in einer unlängst eingereichten Motion verlangt: 38 Wochen bezahlte Elternzeit für alle. Davon sollen acht dem Vater zustehen und die verbleibenden 16 Wochen frei aufgeteilt werden können.

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