Medienschelte des Kunstmuseumsdirektors

Das Kunstmuseum hat zwei Mitarbeiterinnen entlassen, weil sie unerlaubt am Frauenstreik teilnahmen. In einem Schreiben rechtfertigt sich Direktor Josef Helfenstein und kritisiert die Medien.

Direktor Josef Helfenstein hält die Kündigungen weiterhin für berechtigt. Foto: Lucia Hunziker

Direktor Josef Helfenstein hält die Kündigungen weiterhin für berechtigt. Foto: Lucia Hunziker

Serkan Abrecht

Es ist eine Posse, die sich im ­Basler Kunstmuseum abspielt: Zwei Mitarbeiterinnen des Sicherheitsdispositivs wollen nicht ­angestellt werden – nicht erneut. Zur Erinnerung: Die beiden Frauen verliessen am Frauenstreik im Juni ihre Posten, ohne sich abzumelden. Weil sich die Damen in der Probefrist befanden und durch ihr Handeln die teuren Exponate gefährdeten, wurden sie entlassen. Die mediale Entrüstung liess nicht lange auf sich warten.

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) gab dem Druck nach und intervenierte bei der Direktion des Museums, und den Frauen wurde eine zweite Chance angeboten. Diese wollen sie jedoch nicht annehmen. Das geht aus einer Mail von Direktor Josef Helfenstein an die Donatoren des Museums und der Kunstkommission hervor, die der BaZ vorliegt. Zwar kommunizierte das Kunstmuseum zuvor, dass man die Rücknahme der Kündigung «in Absprache mit Elisabeth Ackermann» tätigte, was nach einem beidseitigen Entschluss klingt. In seiner Mail rechtfertigt Helfenstein jedoch die Entlassungen: «Mir ist wichtig, Folgendes klarzustellen: Die beiden Frauen wurden nicht entlassen, weil sie am Frauenstreik teilnahmen. Das Kunstmuseum Basel hatte nichts dagegen, dass seine Mitarbeiterinnen sich an der Demonstration beteiligten, was in allen anderen Fällen auch kein Problem verursachte.»

Hätten die betroffenen Damen sich spätestens am Vormittag ­gemeldet, dann hätte die Leitung des Besucherdienstes ihr Möglichstes getan, um einen Ersatz zu finden, schreibt Helfenstein. Was die beiden Frauen jedoch nicht taten. Helfenstein weiter: «Wie Sie wissen, gehört der Bestand der Öffentlichen Kunstsammlung Basel nicht uns, sondern der Bevölkerung von Basel sowie auch privaten Leihgebern. An diesem Freitag während der Art Basel hatten wir über 3000 Besucher in unseren verschiedenen Häusern. Wenn in einer solchen Situation unser Sicherheitsdispositiv Löcher erhält, haben wir ein grosses Problem, nicht zuletzt, was unser Renommee betrifft.» Man hätte damit Sicherheitsbestimmungen verletzt, die man wie jedes professionell geführte Museum der Welt wahrzunehmen habe. «Wir hatten Glück, dass nichts passiert ist», so Helfenstein weiter.

Trotzdem habe man zuerst sorgfältig abgewogen, ob man die Mitarbeiterinnen tatsächlich entlassen soll oder ob man eine «spezielle Ausnahme» mache. «Wir entschieden uns dagegen und für den Regelfall, der leider ‹Auflösung des Arbeitsverhältnisses› während der Probezeit lautete. Ein Grund dafür war auch unsere Glaubwürdigkeit gegenüber den anderen Mitarbeitern im Besucherdienst, die gerade an diesen hektischen ­Tagen grossen Einsatz gezeigt hatten», schreibt Helfenstein.

An die Regeln gehalten

Tatsächlich hat der Museums­direktor nicht nur personalrechtlich richtig gehandelt, sondern auch die ihm auferlegten Regeln von Elisabeth Ackermann befolgt. So beschloss der Regierungsrat im April, dass den Mitarbeiterinnen des Kantons eine Teilnahme an der Demonstration «Frauenstreik 2019» nur ermöglicht wird, wenn dies im «Rahmen der ­betrieblichen Möglichkeiten» ­geschehe. Zudem müsse die Teilnahme am «Frauenstreik 2019» in der Freizeit erfolgen.

Ackermann hat also beim Kunstmuseum interveniert, obwohl sich dieses an die von ihr vorgegeben Regeln gehalten und diese durchgesetzt hat. Für Helfen­stein ist klar: «Auch nachträglich sind wir der Meinung, dass der Entscheid zur Kündigung seine ­Berechtigung hatte.» Aber die beiden Frauen wollen gar nicht mehr zurück ins Kunstmuseum, wie der Museumsdirektor schreibt. Weshalb, ist nicht ­bekannt. Schuld an der Posse ­seien die Medien.

Helfenstein schreibt: «Nachdem eine der beiden Frauen mit einer nach unseren Abklärungen unzutreffenden Version der Geschichte ans ‹Regionaljournal› des SRF gelangte, brach über uns ein ‹Shitstorm› herein, bestehend aus unzähligen, teilweise un­flätigen E-Mails und Kommentaren auf diversen Medien- und Social-Media-Kanälen.» Stereotype wie «das Kunstmuseum sei ein frauenfeindlicher, verstaubter Betrieb» seien verbreitet worden, und bei einer Demonstration gegen die ausgesprochenen Kündigungen sei es beinahe zu einer Beschädigung einer Aussenskulptur gekommen. Zudem habe man die Köpfe der Museumsleitung gefordert. «Eine sachliche Diskussion war unmöglich, einer ­Argumentation von unserer Seite wurde keine Chance gegeben.»

Kein Kommentar

Weiter sieht Josef Helfenstein die Sorgfaltspflicht der Medien verletzt: «Fest steht, dass Sach­verhalte bei heiklen Inhalten, die Sensationspotenzial haben, viele Vertreter der klassischen ­Medien nicht interessieren. Im populistischen Mainstream ist differenzierte Berichterstattung nicht gefragt, und Verantwortung für fehlende Sorgfalt und Verzerrung wird nicht übernommen. Die Wahrheit kommt auf diese Weise schnell unter die ­Räder, und gerade öffentlichen Institutionen wird so beträchtlicher Schaden zugefügt. Ich finde diese Tendenz beunruhigend.»

Die BaZ hat Josef Helfenstein angeboten, sich detailliert zum gesamten Sachverhalt zu äussern. Sein Mediensprecher Christian Selz hat aber ausgerichtet, dass man das Angebot nicht annehmen werde.

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, die massgeblich zu dieser misslichen Lage beigetragen hat, schreibt auf ­Anfrage: «Ich kann die betrieblichen Überlegungen von Herrn Helfenstein nachvollziehen, mit der Einräumung einer zweiten Chance hat das Kunstmuseum aber der speziellen Situation Rechnung getragen.» Dass die Mitarbeiterinnen ihre «zweite Chance» gar nicht wollen, will Ackermann nicht kommentieren.

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