Maria Vetter-Baumann: Eine Frau der Tat

Das Pflegezentrum Adullam blickt auf eine hundertjährige Geschichte zurück.

Eine Schwester betreut im Jahr 1964 die Bewohner im Adullam.

Eine Schwester betreut im Jahr 1964 die Bewohner im Adullam.

Dieser Tage gibt es in den ­Adullam-Pflegezentren Basel und ­Riehen etwas zu feiern. Vor hundert Jahren wurde mit der Gründung der Stiftung der Grundstein zur mittlerweile grössten privaten Pflegeeinrichtung im Kanton Basel-Stadt gelegt. Am 4. April 1919 rief Maria Vetter-Baumann die Adullam-Stiftung ins Leben. Ihr Anliegen war es, ein «Haus für Arme» zu schaffen. Der 1995 revidierte Zweckartikel beschreibt die Aufgabe des Pflegezentrums mit den Worten, den «bedürftigen, betagten, kranken oder pflegebedürftigen Menschen zu dienen».

Von allem Anfang an stand also die Absicht, Gutes zu tun. Dies aus einer tiefen Religiosität heraus. Der Name der Stiftung bezieht sich auf eine Bibelstelle. Da wird von einer Höhle mit dem Namen «Adullam» berichtet, in deren Schutz sich der spätere ­König David mit seinen Getreuen zurückgezogen haben soll. Mit der Bibelstelle fand die Stifterin eine Metapher, die den Stiftungsgedanken passend spiegelt. Auf christlichen Grundwerten baut die Stiftung bis heute auf.

Initiant des Vorhabens, Armen und Pflegebedürftigen zu helfen, war jedoch nicht Maria Vetter-Baumann, sondern deren Gatte Jakob Vetter, der, wie in der eben publizierten Stiftungsbroschüre nachzulesen ist, als Prediger und Gründer der «Schweizerischen evangelischen Zeltmission» ein Heim für alleinstehende, mittellose Gläubige errichten wollte. Hierfür sammelte er Geld auf seinen Reisen, wurde jedoch 1818 von der Spanischen Grippe im ­Alter von 46 Jahren, wie rund 800 weitere Baslerinnen und Basler, dahingerafft.

Erstes Armenhaus in 1928

Seine Frau war es schliesslich, die seine Idee mit dem gesammelten Geld in die Tat umsetzte. In der Stiftungsurkunde heisst es: «Unter dem Namen Adullam ­besteht eine Stiftung mit dem Zwecke, den von Herrn Evangelist Jakob Vetter-Baumann sel. aus ihm zugegangenen Liebesgaben geäufneten Fonds für die Erstellung und den Betrieb eines Heimes für Arme zu verwalten und seiner Bestimmung gemäss zu verwenden.»

In den ersten Jahren leitete Maria Vetter-Baumann die Stiftung selbst, unterstützt durch eine kleine Kommission. Es war jedoch schwierig, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, die Idee der Stiftung unmittelbar umzusetzen. Und zeitweise spielte die Stiftungsgründerin angesichts der schwierigen Situation mit dem Gedanken, die Stiftung wieder aufzulösen. Doch Maria ­Vetter-Baumann hielt durch. Und so wurde das erste Armenhaus mit 16 Betten neun Jahre nach der Gründung der Stiftung, im Jahre 1928, an der Missions­strasse 20 eröffnet. Heute befindet sich die Leitung in rein männlicher Hand: Im sechs­köpfigen Stiftungsrat findet sich keine einzige Frau.

In den hundert Jahren seit der Gründung haben sich die ge­sellschaftlichen und sozialen Verhältnisse stark verändert. Die materielle Not trat dank prosperierender Wirtschaft und mit dem Entstehen von Sozialversicherun­gen in den Hintergrund. Parallel dazu zeigten sich aber grösser werdende Lücken in der medizinischen Behandlung, Pflege und Betreuung einer stetig zunehmenden Anzahl Betagter.

Dank frühem und kontinuierlichem Engagement haben Mitarbeitende der Adullam-Stiftung wichtige Beiträge zur Entwicklung der Geriatrie geleistet. Dabei kommt der interdisziplinären Zusammenarbeit von Medizin, Pflege und Therapien auf Augenhöhe grosse Bedeutung zu.

Stetige Entwicklung

Heute nimmt die Adullam-­Stiftung an den Standorten ­Basel und, seit 2015, Riehen mit ins­gesamt 110 Betten altersmedi­zinische Leistungsaufträge der Kantone Basel-Stadt und Baselland wahr und bietet rund 300 pflegebedürftigen Betagten ein beschütztes Zuhause. Insgesamt sind rund 700 Mitarbeitende in den Betrieben der Adullam-­Stiftung tätig.

Damit die soziale Stiftungsidee auch nach hundert Jahren Wirkung entfalten kann, musste sie immer wieder neu und ­zeitgemäss interpretiert werden. Trotz einem zunehmend technisierten und von ökonomischen Faktoren geprägten Gesundheitswesen setzt sich die Adullam-Stiftung dafür ein, der Menschlichkeit den ihr gebührenden Stellenwert zu erhalten.

Aus Anlass des 100-Jahr-­Jubiläums bietet die Adullam-Stiftung heute (Samstag, 15. Juni) von 10 bis 16 Uhr Gelegenheit, ihre Angebote am Standort Basel – einer Oase inmitten der Stadt – kennen zu ­lernen. Die ­Zugänge befinden sich an der Missionsstrasse 20 und an der Mittleren Strasse 15. Sowohl im Spital als auch im Pflegezentrum stehen dabei Mitarbeitende aller Disziplinen – Medizin, Therapien und Pflege – den Besucherinnen und Besuchern des Anlasses Rede und Antwort.

Basler Zeitung

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