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Magisches Grün

Die Baustelle am Centralbahnplatz wirbelt das BVB-Netz zur Zeit gehörig durcheinander. Als Chauffeur der BVB, hat man aber auch in einem vollen Bus einen reservierten Platz.

Grün zieht in Basel die Menschen magisch an. Der 50er-Bus ist regelmässig voll mit Leuten, die an den Flughafen wollen.
Grün zieht in Basel die Menschen magisch an. Der 50er-Bus ist regelmässig voll mit Leuten, die an den Flughafen wollen.
Nicole Pont

JÄ GOPPELONI!

Kraftausdrücke wie dieser sind zurzeit am Bahnhof SBB häufig zu vernehmen. Wo sind denn all die Drämmli hin? Da, wo die grünen BVB-Trams stehen sollten, röhren jetzt Baumaschinen.

JÄ GOPPELONI!

Also stürzen sich die Leute auf mich, denn ich trage Kleider in BVB-Grün. Und ich stehe vor meinem grünen 50er-Bus. Und Grün zieht in Basel die Menschen magisch an. «Nein, ich fahre nicht in die Innenstadt. Da müssen Sie zur Markthalle gehen, dort fahren all die grünen Drämmli.» Nachdem ich diese Sätze 15-Mal wiederholt habe, verschlaufe ich mich an eine Kaffeetheke im Bahnhof und bewundere aus der Ferne die Kundenlenkerinnen und Kundenlenker.

BVB-Netz durcheinandergewirbelt

Diese Menschen, die tausendmal den Satz «Sie müssen 300 Meter bis zur Markthalle gehen» mit einem Dauerlächeln aufsagen können, sollten eine Auszeichnung erhalten! Ich mag es ja, wenn wegen Baustellen oder Veranstaltungen das BVB-Netz durcheinandergewirbelt wird. Erstens können wir Fahrdienstmitarbeitenden dann beweisen, dass wir wirklich etwas können. Und zweitens wird uns allen wieder einmal bewusst, wie raffiniert unser ÖV-System im Normalfall funktioniert.

Ich schlürfe also meinen Kaffee und lasse mich dann vom Menschenstrom zu meinem grünen Bus schieben. JÄ GOPPELONI! Diesmal bin ich es, dem dieser Ausruf entwischt: Mein Bus ist bis zum Bersten voll. Voll mit Menschen, die voll auf Grün abfahren! Und auch einen Umweg in Kauf nehmen, Hauptsache, das Fahrzeug ist grün.

«Excusez», sage ich höflich. «Ich sollte auch noch einsteigen.» «Sehen Sie nicht, dass der Bus voll ist?», meint der Herr, der auf der Türschwelle steht. Dann mustert er mich von oben bis unten - und es passiert Magie: Der Herr weist die anderen Passagiere an, sich hinter die Absperrung zu quetschen, um mir Platz zu machen. Das liegt natürlich nicht an meinem Charisma, SONDERN AN MEINER GRÜNEN KLEIDUNG! So mache ich es mir auf meinem luftgefederten Fahrersitz bequem, geniesse die Beinfreiheit und die Aussicht hinter der Windschutzscheibe. BVB-Chauffeur zu sein ist schon toll - MAN HAT IMMER EINEN RESERVIERTEN SITZPLATZ.

Philipp Probst, Autor und BVB-Chauffeur

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