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Liebe FCB-Fans: Ihr seid «doch liebi Cheibe!»

Eine charmante Regierungsrätin, tolle Fans und muntere Bürgerliche: Gedanken aus dem Lockdown.

Helmut Hubacher
Schöne Solidarität: Die Banner der FCB-Fans.
Schöne Solidarität: Die Banner der FCB-Fans.
Rotblau

Für uns zwei Alte ist der Fall klar. Wir bleiben zu Hause. Befehl vom Chef, Bundesrat Alain Berset, ­Gesundheitsminister.

Jeder hat seinen Tick. Ich kann erst schreiben, wenn ich den Titel weiss. Sonst fällt mir nichts ein. Ich bin dann völlig blockiert. Obschon es mir an Themen nie fehlt. Momentan komme ich nicht um das Virus herum.

Fussball wird nicht gespielt. Ich schaue jede Informationssendung im Fernsehen an. Der Moderator Mario Grossniklaus imponiert mir mit seiner souveränen Ruhe. Der eigentliche Liebling ist schon Daniel Koch. Er sieht aus, als ob sie ihn aus dem Ruhestand reaktiviert hätten und er seine späte Hochform geniesst. Dennoch wäre mir ein FCB-Match lieber.

Dafür melden sich die FCB-Fans. Die bei jedem Heimspiel wie im Theater das Bühnenbild gestalten. Und damit Stimmung schaffen. Was denen stets neu einfällt: grossartig.

Nun haben die FCB-Fans halt ein der Situation angepasstes Spruchband kreiert: «D Helde vo däne Dääg trage Wiss statt Rotblau». Und hängten je eines vor dem Spital Bruderholz, dem Universitätsspital Basel und dem Kantonsspital Liestal auf. Das genau vor einer Woche. Liebe Fans, diese überraschende Geste tut einfach gut. Ihr seid «doch liebi Cheibe». Uf ­Bärndütsch isch das s gröschti ­Komplimänt.

Eine Krise deckt das Gute und das Schlechte im Menschen auf.

Am letzten Donnerstag stellte sich die neue Finanzdirektorin von Basel-Stadt vor. Elegant charmant berichtete Regierungsrätin Tanja Soland über den Rechnungsabschluss 2019: 716 Millionen Franken Überschuss hinterlässt Eva Herzog als ­Abschiedsgeschenk. Das ist, glaube ich, neuer Rekord.

Soland unterstreicht ihre Politik der Transparenz. Keine Million soll als stille Reserve versteckt bleiben. ­Warten wir ab, ob sie an Raffinesse zulegen wird. «Dieser Überschuss ist ein wichtiges Zeichen», meint sie. Sie verspricht Hilfe in diesen schweren Corona-Zeiten.

Sogar Gabriel Barell, Direktor des Basler Gewerbeverbands, wird ­munter. Dieser Brummbär ist ja für Komplimente in Richtung rot-grün völlig untalentiert. Der Mann ist über seinen Schatten gehüpft und hat für Solands Angebot gedankt. Das sie natürlich im Namen der Regierung offeriert hat.

Eine Krise deckt das Gute und das Schlechte im Menschen auf. Einen älteren Herrn, der vor unserer Tür stand, um mit mir über die Corona-Krise zu «pläuderlen», musste ich zurückschicken. Der Anruf von Benjamin Plüss vom VPOD-Sekretariat hingegen war umso schöner: «Wenn du beim Einkaufen Hilfe brauchst, melde dich. Wir besorgen euch das.»

Ich war bei dieser Gewerkschaft zehn Jahre Sekretär (1953–1963). Und ­betreute vor allem das BVB- und das Pflegepersonal der PUK, Psychiatrische Universitätsklinik Basel, damals Friedmatt genannt. 57 Jahre später bekomme ich dieses Angebot. Für das meine Seele so dankbar ist.

Das Tessin ist mit den vielen Grenzgängern aus der Lombardei schweizweit am schlimmsten dran.

Meine Gret hat als verheiratete Frau eines oft abwesenden Politikers die drei Kinder meist allein betreut. Mit allen zählten Rom, Florenz und Venedig zum Pflichtprogramm. Wenn ich jetzt Bilder vom Markusplatz in Venedig betrachte, schwelge ich in Erinnerungen. Restaurants ohne einen Gast allerdings haben wir nie erlebt. Dafür Einheimische, die sich über zu viele Touristen beschwerten. Nun ist es noch schlimmer, wenn keine kommen.

Italien erleidet Schreckliches. Es hat, gemessen an der Einwohnerzahl, am meisten Infizierte und Tote. Das Tessin ist mit den vielen Grenzgängern aus der Lombardei schweizweit am schlimmsten dran.

Alle Staaten kämpfen auf dieselbe Art gegen dieses Virus.

Womit ich bei Franziska Laur mit ihrem Beitrag vom letzten Samstag bin. Sie erinnert an die Grippe, die weitaus mehr Tote fordere, ohne Wirtschaft und Gesellschaft lahmzulegen. Sie hält es mit Roger Köppel. Er ist prinzipiell anderer Meinung. Wegen des Coronavirus werde aus Angst vor dem Sterben die Wirtschaft ruiniert.

Alle Staaten kämpfen auf dieselbe Art gegen dieses Virus. Das nicht erforscht und mit der Grippe nicht vergleichbar ist. Das hat sich auf dieser Welt ­herumgesprochen.

Franziska Laur tituliert die engagierten Wissenschafter als «wohlversorgt». Gemeint ist: «Die können gut reden, es passiert ihnen ja nichts.» «Auch Hyperaktivität und Panikmache können töten», so Laur.

Sie geht zu weit. Wir haben eine schwere Viruskrise. Nicht bloss ­Panikmache.

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