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Laientheater im Rathaus

Offensichtlich traut niemand mehr Elisabeth Ackermann ernsthaft zu, die Schuttberge abzutragen, die der unglückliche Parteifreund Guy Morin aufgehäuft hat.

Elisabeth Ackermanns Kredit scheint bereits weitgehend aufgebraucht.
Elisabeth Ackermanns Kredit scheint bereits weitgehend aufgebraucht.
Nicole Pont

Der Vorsteherin des Basler Präsidialdepartements, Elisabeth Ackermann, weht eine steife Brise ins Gesicht. Die unerbittliche Diagnose der Medien: «Schockstarre», «Krise» und «Chaos». Ein Festschmaus für Heckenschützen und gleichzeitig ein Trauerspiel für die Anhänger einer ehrlichen politischen Auseinandersetzung.

Ein tiefer Krater klafft zwischen der Vier-Augen-Gesellschaft, in der man sich stöhnend die Wahrheit beichtet, und der «öffentlichen» Gesellschaft, in der Kleisterphrasen und Beschönigungen verkündet werden. Ackermanns Grüne und ihre linken Partner aus der SP sind vergleichbar mit einer griesgrämigen, übellaunigen Erbtante, der man bestimmte Dinge nicht sagen darf, weil man sonst enterbt wird.

Übrig bleiben dann nur noch sehr unerfreuliche Varianten: Schweigen, aus dem Hinterhalt anonym mit Dreck schmeissen oder die desolaten Zustände mit Harmonie-Sauce übergiessen. Und selbstverständlich noch die bewährte Totschlag-Keule: Schuld an der Misere sind – wie immer – die bösen Journalisten.

Aus der feigen Truppe der Stänkerer steht natürlich niemand offen zu seiner Meinung. Wir erfahren nur, dass der Rückhalt bröckele, dass innerhalb der Verwaltung manche Beamte ihre Unzufriedenheit mit ihrer Chefin kaum verhehlen würden und dass eine Reihe von Grünen ihr die Unterstützung gekündigt hätten. Diese Einschätzungen, in verschiedenen Zeitungen ausgebreitet, stammen angeblich aus dem näheren «Umfeld» der Regierungspräsidentin. «Mehrere Quellen berichten» heisst es dann, ohne Namen und Funktionen. Auch «Insider» kommen zu Wort.

Unterdessen sind auch meine Schuldgefühle gewachsen.

Das Resumee der Kommentare («Nachrufe») ist aber so eindeutig wie deprimierend: Elisabeth Ackermanns Kredit scheint bereits weitgehend aufgebraucht. Nicht einmal das unstrittige Faktum, dass die allermeisten Baustellen aus der traurigen Hinterlassenschaft ihres Vorgängers stammen, wird ihrem Konto gut geschrieben. Offensichtlich traut ihr niemand mehr ernsthaft zu, die Schuttberge abzutragen, die der unglückliche Parteifreund Guy Morin aufgehäuft hat.

Unterdessen sind auch meine Schuldgefühle gewachsen. Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa. Vielleicht war es ein Fehler, gegen offenbar doch gut begründete Argumente das Amt des Regierungspräsidiums in der Kantonsverfassung zu verankern. Kaum eine Hoffnung in die neue Stelle ist in Erfüllung gegangen.

Der Regierungspräsident sollte die Arbeit des Regierungsrates leiten, planen und koordinieren und somit gewährleisten, dass die Regierungsmitglieder zum Wohl von Kanton und Stadt am gleichen Strick ziehen. Die Chance jedoch, in der Verwaltung Vereinfachungen und Neuerungen zu wagen und verkrustete Strukturen aufzuweichen, wurde leichtfertig vermasselt. Die Kräfte der Beharrung waren und sind stärker.

Entscheidend für den Misserfolg ist aber in erster Linie die Tatsache, dass sich für das neue Amt nie wirklich Spitzenkräfte interessiert haben. Weder die bürgerlichen Parteien noch die SP wollten oder konnten wählbare Bewerber präsentieren. Bestimmt wurden jeweils Verlegenheitskandidaten, die weder über ausreichende politische Erfahrung noch über die nötige Unterstützung einer starken Partei verfügten.

Kleinkarierte parteipolitische Mätzchen und persönliche Befindlichkeiten waren immer wichtiger als die Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen. Nun haben wir den Schlamassel.

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