Lädelisterben: Nun hat es das Zauberlädeli erwischt

Jahrzehntelang hat es jüngere und ältere Kunden angelockt – jetzt schliesst das Zauberlädeli beim Spalentor für immer.

Sacha Stöckli fällt die Ladenschliessung nicht leicht.

Sacha Stöckli fällt die Ladenschliessung nicht leicht.

(Bild: Nicole Pont)

Dominik Heitz

Wer jetzt noch einmal im Schatten des Spalentors das leicht ­verwunschene Zauberlädeli besuchen will, hat nicht mehr viel Zeit. Noch vier bis acht Wochen wird diese Basler Institution geöffnet bleiben. Dann ist Schluss. Definitiv. 

«Leider lässt es mir die Rentabilität nicht zu, mich weiterhin um meinen Laden zu kümmern», schreibt Sacha Stöckli auf Facebook. «Deshalb habe ich mich schweren Herzens dazu entschlossen, das Zauberlädeli zu schliessen.» Vor anderthalb Jahren hat Stöckli das Zauberlädeli von Susi Blum übernommen, nachdem er zuvor schon in dem Laden immer mal wieder mitgearbeitet hatte. Doch das Geschäft kennt er schon viel länger – praktisch seit seiner Geburt, denn Susi Blum war Stöcklis Gross­tante. «Ich wurde schon im ­Kinderwagen ins Zauberlädeli geschoben», sagt er zur «Basler Zeitung».

Susi Blum hatte Mitte der 1960er-Jahre an der Spalenvorstadt 43 den Laden ihrer Grossmutter übernommen – Tabakwaren, Zigarren, Tabakpfeifen. Als 1975 ein paar Häuser weiter die Liegenschaft abgerissen wurde, in der das Zauberlädeli ursprünglich beheimatet gewesen war, bot Susi Blum der Zauberlädeli-Besitzerin die Hälfte ihres Ladenbereichs an. Auf der einen Seite standen fortan Zigarren, Magazine und Zeitungen im Angebot, auf der anderen Scherz- und Zauberartikel. Das ist bis heute so geblieben.

Allerdings war früher das Angebot noch grösser als jetzt. «Stinkbomben beispielsweise sind heute verboten», sagte Susi Blum vor vier Jahren, als die «Basler Zeitung» das Geschäft in ihrer Laden-Kolumne vorstellte.

Vor drei Jahren ist Susi Blum im Alter von 76 Jahren gestorben. Sacha Stöckli übernahm das Geschäft. Viel hat sich nicht geändert; der nostalgische Charme ist geblieben. Kleider für Kostümfeste hängen an Stangen, Plastikmasken gucken von Regalen auf die Kunden. Im Schaufenster liegen falsche Augen, Perücken und ein merkwürdiger Hase.

Geschäft rentiert nicht mehr

Am besten laufen noch immer Scherzartikel wie der Furzspray, Juckpulver, abgeschnittene Finger und Narben zum Aufkleben. Auch Kapseln gefüllt mit roter Farbe sind gefragt, die– wenn man draufbeisst– scheinbar Blut aus dem Mund laufen lassen. Doch die Konkurrenz ist ­inzwischen gross geworden. «Warenhäuser und Grossverteiler bieten vor Silvester und Halloween entsprechende Ware an», sagt Stöckli. Offensichtlich ist er nun an einem Punkt angekommen, wo sich das Geschäft nicht mehr lohnt.

Man merkt es ihm an: Die Schliessung des Zauberlädelis fällt ihm nicht leicht. «Ich bedanke mich bei Ihnen für die entgegengebrachte Treue», informiert er alle auf Facebook. «Ab sofort können Kunden von grosszügigen Rabatten profitieren. S het solang s het.»

Selber weiss Sacha Stöckli schon, was er nach dem Zauberlädeli machen will. Er wird in seinen angestammten Beruf des Hauswarts respektive des Fachmanns Betriebsunterhalt zurückkehren.

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