Zum Hauptinhalt springen

Künstliche Rotlicht-Staus sollen kommen

Obwohl das Pilotprojekt wenig erfolgreich war, will das Basler Bau- und Verkehrsdepartement nun mit sieben neuen Dosieranlagen weitere Staus provozieren.

Der motorisierten Individualverkehr soll mit längeren Rotphasen an den Ampeln auf den verkehrsorientierten Strassen kanalisiert werden.
Der motorisierten Individualverkehr soll mit längeren Rotphasen an den Ampeln auf den verkehrsorientierten Strassen kanalisiert werden.
Pino Covino

Die Bilanz der Testphase war durchzogen bis schlecht: Mit längeren Rotlichtphasen an der Dreirosenbrücke/Klybeckstrasse sowie an der Grenze zu St-Louis/Elsässerstrasse versuchten die Planer aus dem Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) von Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP), Fahrzeuge zurückzuhalten und ausgewählte Bereiche als Stauräume zu nutzen. Doch die sogenannten Dosieranlagen verbesserten den Verkehr nur leicht, die erhoffte Wirkung eines flüssigeren Verkehrsflusses blieb aus, weil die Autofahrer sich neue Wege durch die Stadt suchten und dabei oft Quartierschleichwege benutzten (die BaZ berichtete). Trotzdem will der Regierungsrat die Strategie der verlängerten Rotlichtphasen an Verkehrsknoten nun vorantreiben und in den kommenden fünf Jahren weitere «Stauräume» anlegen, in denen Autos und Rollers länger aufgehalten werden.

«Der Autoverkehr soll konsequenter auf den Hauptverkehrsachsen unterwegs sein und hier zügiger vorankommen», teilt der Regierungsrat Basel-Stadt am Mittwoch mit. «Dies entlastet die Wohnquartiere vom Durchgangsverkehr und erhöht die Lebensqualität.» Das städtische Verkehrslenkungskonzept sehe nebst sieben Dosieranlagen auch eine bessere Wegweisung sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden vor, heisst es. Betroffen sind zumindest in der ersten Phase vor allem Saint-Louis im Elsass und Allschwil sowie Muttenz.

Besserung für Veloverkehr und Fussgänger

Zwar muss der Grosse Rat das Vorhaben sowie einen Kredit von 1,22 Millionen Franken noch gutheissen. Aber das dürfte aufgrund der politischen Kräfteverhältnisse reine Formsache sein. Durch die Massnahmen erhoffen sich die Behörden, die Autos und Motorräder künftig den motorisierten Individualverkehr mehr auf den Autobahnen und den verkehrsorientierten Strassen kanalisiert werden.

Hier soll der Verkehr weggestaut werden.
Hier soll der Verkehr weggestaut werden.

Künftig werden während den Hauptverkehrszeiten Rotphasen an den entsprechenden Lichtsignalanlagen verlängert und so abgestimmt, dass der Verkehr innerhalb der Stadt flüssiger wird. Gleichzeitig werden für Autofahrer, die in die Stadt hinein wollen, längere Fahrzeiten und mehr Geduld einberechnen müssen. Dafür werde sich die Situation für den Fuss- und Veloverkehr verbessern, verspricht der Regierungsrat. «Die Dosieranlagen werden so eingestellt, dass weder der Verkehrsablauf an benachbarten Knoten noch der öffentliche Verkehr behindert werden.»

Dosieranlage bald auch im Baselbiet?

Die längeren Rotlichtphasen kamen 2017 erstmals auf die politische Agenda und sorgten schon damals für Kopfschütteln und Kritik. Christophe Haller, FDP-Politiker und Verwaltungsratspräsident des TCS beider Basel, sagte, es würde so nur ein Ausweichen in die Quartiere und weniger stark befahrenen Routen provoziert. Die Kritik ging auch dahin, dass die Regierung daran arbeite, den Autoverkehr möglichst von der Stadt fernzuhalten, was dann auch das Gewerbe und die Dienstleister mit ihren Lieferungen betreffe. Auch Jean-Luc Johaneck, Präsident der südelsässischen Grenzgängervereinigung Comité de Défense de Travailleurs Frontaliers du Haut-Rhin kritisierte den Entscheid, weil dadurch Pendler, die aus Frankreich kommen und aufs Auto angewiesen sind, unverhältnismässig hart getroffen werden.

Hans-Peter Wessels unterbindet den Ausweichverkehr, indem er gleichzeitig mehrere Dosieranlagen installieren lassen möchte. Im Raum Grossbasel West sieht der Regierungsrat ein erweitertes Projekt vor: Hier soll der Kanton gemeinsam mit den Nachbargemeinden und dem Kanton Basel-Landschaft weitere Verkehrslenkungsmassnahmen entwickeln, da eine rein städtische Strategie, die an der Kantonsgrenze Halt macht, keine optimale Wirkung erzielen kann.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch