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Kündigungen bei psychischen Krankheiten sind vermeidbar

Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen sich öffnen, damit in Krankheitsfällen die Situation nicht eskaliert.

Gehen Psychiater und Arbeitgeber aufeinander zu, können Kündigungen verhindert werden.
Gehen Psychiater und Arbeitgeber aufeinander zu, können Kündigungen verhindert werden.
Keystone

In den letzten zwanzig Jahren sind deutlich mehr Menschen wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig geworden, als das früher der Fall war. Gründe für diese Zunahme gibt es mehrere, und sie werden heftig diskutiert. Klar ist, dass, obwohl heute etwas offener über psychische Störungen gesprochen wird und viele Arbeitgeber bereit wären, sich stärker zu engagieren, eine psychische Erkrankung nach wie vor häufig zum Verlust des Arbeitsplatzes führt. Entgegen der landläufigen Behauptung hilft aber gerade die Arbeit den psychisch Kranken, schneller gesund zu werden. Es lohnt sich also, herauszufinden, was besser gemacht werden kann, damit es nicht zur Kündigung kommt.

Im Zentrum steht dabei das Zusammenspiel zwischen Arbeitgeber und Psychiater. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die Arbeitgeber psychische Probleme ihrer Mitarbeiter zwar oft früh bemerken, aber nicht wissen, wie sie mit dieser Erkenntnis umgehen sollen. Aus mangelndem Wissen und aus Überforderung ­sprechen sie die Probleme nicht an.

Gleichzeitig tun die erkrankten Mitarbeiter alles, um ihre Schwierigkeiten zu verstecken. Die Vermeidungshaltung von beiden Seiten führt leider schliesslich oft zur Eskalation, sodass die Beendigung des Arbeitsverhältnisses unumgänglich wird. Im Schnitt dauert diese Phase drei Jahre.

Gehen Psychiater und Arbeitgeber aber aufeinander zu, können sie diese Negativentwicklung verhindern. Wenn der Mitarbeiter seinem Psychiater erlaubt, mit dem Arbeitgeber in Kontakt zu treten, können viele Fragen frühzeitig geklärt werden.

Ein Arbeitgeber, der vom Experten erfahren hat, ob Anpassungen am Arbeitsplatz notwendig sind oder welche Anforderungen er an seinen kranken Mitarbeiter noch stellen kann und wie er sich ihm gegenüber verhalten soll, wird viel mehr Verständnis zeigen als einer, dessen unfachmännische Bemühungen keinen Erfolg haben.

Auch die Kollegen des Erkrankten werden mehr Hilfsbereitschaft entwickeln, wenn sie einbezogen und professionell darüber informiert werden, wie sie den Kranken unterstützen können. Bei länger dauernden oder wiederkehrenden Erkrankungen sind diese Effekte besonders bedeutsam.

Wichtig wäre auch, dass psychisch Kranken nicht automatisch eine lange und vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert wird. Vielmehr sollte der Arbeitsplatzerhalt im Zentrum stehen – nicht etwa, um einem Erkrankten die notwendige Erholung zu verwehren, sondern um ihn weiterhin von den stützenden und hilfreichen Effekten der Arbeit und der Zugehörigkeit zu einem Team profitieren zu lassen. Die sogenannte Teilleistungsfähigkeit kann sich dazu anbieten. Dass dabei eine enge Absprache zwischen Arzt und Arbeitgeber notwendig ist und möglicherweise zusätzlich ein Casemanager einer privaten Versicherung beziehungsweise ein Jobcoach der IV beigezogen werden muss, liegt auf der Hand.

Wenn Sie sich für die Thematik des Arbeitsplatzerhalts bei psychisch Kranken interessieren, erfahren Sie mehr dazu am Seminar des Arbeitgeberverbands Basel vom 6. Februar 2020. www.arbeitgeberbasel.ch

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