Kriminalität in Basel geht zurück

Im langjährigen Verlauf bleiben die Straftaten stabil auf dem Niveau des Vorjahres, Anzeigen sinken hingegen leicht. Nur in einzelnen Delikten verzeichnen die Strafverfolgungsbehörden einen Anstieg.

Die Präsenz der Polizei in den Strassen zeigt Wirkung – Einbrüche und schwere Gewalt im öffentlichen Raum gehen (leicht) zurück.

Die Präsenz der Polizei in den Strassen zeigt Wirkung – Einbrüche und schwere Gewalt im öffentlichen Raum gehen (leicht) zurück.

(Bild: Keystone)

Mischa Hauswirth

Basel ist zwar immer noch ganz oben im Ranking der gefährlichsten Städte der Schweiz. Aber es gibt eine Entspannung. «Im langjährigen Verlauf bleiben die Anzeigen, welche das Strafgesetzbuch betreffen, recht stabil», sagt Hans Ammann, Leiter der Kriminalpolizei Basel-Stadt an der jährlichen Präsentation der kantonalen Kriminalstatistik am Dienstagmorgen. «Die Anzeigen gehen um sechs Prozent zurück.» Werde berücksichtigt, dass Basels Bevölkerung wachse, werde diese sinkende Zahl noch akzentuiert.

In den vergangenen Jahren waren die Einbruchsdelikte und die Gewalt in der Strasse wie Raub oder Körperverletzungen gestiegen, 2018 kam es zu einer Abnahme von vier Prozent, während die Gesamtschweiz bei den Gewaltstraftaten eine Zunahme verzeichnet. Dass es bei den Körperverletzungen ebenfalls zu einer Abnahme kommt, führt Ammann nicht zuletzt auf die Präsenz der Polizei an den Hotspots zurück. Die minderschweren Gewalttaten allerdings, die sogenannten «Gläbberdelikte» oder Ohrfeigentätlichkeiten, nehmen zu. Bei Raufhandel und Angriff sind die Delikte auf gleichem Niveau geblieben wie vergangenes Jahr.

Erneut Deliktanstieg im Internet

Auch bei den Einbrüchen gehen die Zahlen zurück. Kripo-Chef Ammann führt das auf eine ausgedehntere Strafverfolgung zurück, aber auch auf die Polizeipräsenz in den Strassen und die Prävention durch die Kantonspolizei. Wenn Haus- und Liegenschaftsbesitzer ihre Häuser und Wohnungen besser schützen, zum Beispiel durch stärkere Fenster und Türen und Alarmvorrichtungen, wirkt das abschreckend auf Einbrecher. Auch Überwachungskamera sind immer häufiger vorhanden und helfen, Einbrüche zu verhindern sowie aufzuklären. Ebenfalls ein Faktor ist die Aufmerksamkeit unter Nachbarn, die Auffälligkeiten der Polizei melden.

Während schweizweit die Betrugdelikte 2018 mit 23 Prozent eine deutliche Zunahme erfahren haben, verzeichnet Basel-Stadt einen leichten Rückgang (-5 Prozent). Bei Erpressungen hingegen sind die Fälle fast doppelt so hoch. «Möglicherweise hängt das mit den Internetaktivitäten im Zusammenhang», sagt Ammann. Denn das Internet öffne für Menschen mit kriminellen Absichten neue Möglichkeiten. Ebenfalls eine Folge der zunehmenden Digitalisierung sind die gestiegeneen Ehrverletzungsdelikte – hier verzeichnen die kantonalen Strafverfolgungsbehörden eine Zunahme von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Leute beschimpfen und verunglimpfen sich im Internet, was zu mehr Anzeigen und Verurteilungen führt, weil digitale Spuren die Strafverfolgung einfacher machen als früher.

Crystal Meth als neue Droge in Basel angekommen

Eine Zunahme gibt es auch bei den Fahrzeugdiebstählen, besonders bei den E-Bikes. Hier sind vor allem Gruppierungen aktiv, die sich vorübergehend im Elsass installieren, um von Frankreich aus in Basel und dem süddeutschen Raum auf Beutezug zu gehen. Die Raubdelikte verzeichnen eine leichte Zunahme, der langjährige Schnitt zeigt aber nach unten; ebenso bei den Entreiss- und Taschendiebstählen.

Bei den Drogendelikten beschäftigen sich die Drogenfahnder seit Jahren mit den gleichen Phänomenen: Cannabisprodukte sind bei Konsum und Schmuggel die häufigst aufgegriffenen Substanzen, gefolgt von Kokain und anderen Amphetaminen. Etwas, das sich noch nicht in der Statistik niedergeschlagen hat, ist ein Fund, den die Drogenfahnder aufhorchen lässt. «Wir haben 1,5 Kilogramm Crystal Meth in Basel gefunden», sagt Thomas Homberger, Chef des Betäubungsmitteldezernates Basel-Stadt. «Wir konnten türkischstämmige Händler verantwortlich machen, die im Millieu mit Thais aktiv sind. Woher die Drogen genau stammen, können wir zurzeit noch nicht sagen. Möglicherweise aus Osteuropa.» Dass die Droge aber hier sei, macht den Drogenfahndern Sorgen. Denn Crystal Meth gilt als extrem süchtig machende Substanz, welche rasch massive Auswirkungen auf die Gesundheit der Konsumenten hat.

Tätlichkeiten unter Jugendlichen nehmen leicht zu

Bei den Jugenddelikten bewegen sich die Zahlen im Rahmen der früheren Jahre, wie Verena Schmid Lüpke sagt, Leitende Jugendanwältin Basel-Stadt. Die Gewalt gegen Personen im öffentlichen Dienst wie Polizisten verharre «insgesamt auf hohem Niveau». Am meisten kommen die Jugendlichen wegen Betäubungsmittel mit dem Gesetz in Konflikt und wegen Vermögensdelikten wie Diebstahl. Auch wegen Delikten gegen Leib und Leben sprich Gewalt werden die Jugendlichen strafrechtlich verfolgt. «Tätlichkeiten nehmen zu um 31 Prozent, obwohl insgesamt eine Abnahme von 6 Prozent zu verzeichnen ist», sagt Schmid Lüpke. «Bei den Verletzugen sind die meisten leichte Körperverletzungen.»

Basler Zeitung

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