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Klybeck-Areal: Begehrlichkeiten und Unsicherheit

Linke ärgern sich, dass der Kanton das Novartis-Gelände nicht gekauft hat. Doch Umweltschützer warnen vor Gefahren.

Wie weiter? Das Klybeck-Areal sorgt für Diskussionen.
Wie weiter? Das Klybeck-Areal sorgt für Diskussionen.
Dominik Plüss

Gut möglich, dass der Kanton Basel-­Stadt in weiser Voraussicht gehandelt hat, als er das Klybeck-Areal nicht gekauft hat. Immerhin hat die Investorengruppe Central Real Estate eine Wundertüte erstanden, die sich als explosiv erweisen könnte. Denn die Altlastensanierung könnte happig ausfallen. Auf jeden Fall hat Martin Forter, Kämpfer gegen Verschmutzung, für diesen Donnerstag schon mal zu einer Pressekonferenz geladen. Der Geschäftsführer von Ärztinnen und Ärzte für Umwelt (AefU) wird ein Gutachten vorstellen, welches die Altlastensituation auf den ­Chemiearealen von BASF und Novartis aufzeigt. Und wie man Martin Forter kennt, wird dieses verheerend ausfallen.

Grossräte aus dem linken Lager waren gar nicht begeistert gewesen, dass die Regierung der Central Real Estate den Vortritt gelassen hatte. Oliver Bolliger (Basta) und Sarah Wyss (SP) hatten in scharfem Ton gefragt, weshalb sie nicht zugeschlagen habe, als der Pharmakonzern Novartis sein 160000Quadratmeter grosses Areal im Klybeck zum Verkauf stellte. Der Kanton hätte sich ihrer Meinung nach das Land nicht entgehen lassen sollen. Ein Kauf hätte das Budget gesprengt, beschied Baudirektor Hans-Peter Wessels darauf den Interpellanten.

Allerdings dürfte der Grund auch noch ein anderer gewesen sein. Das Klybeck-Quartier ist mehr oder weniger auf Chemieabfällen gebaut. Fast flächendeckend muss man daher mit giftigen Abfällen im Untergrund rechnen. «Wenn man irgendwo im Klybeck-Quartier eine Schaufel ansetzt, besteht durchaus die Möglichkeit, dass man auf Chemieschlamm stösst», sagte Paul Svoboda, Leiter Gewässerschutz beim Amt für Umwelt und ­Energie, schon vor einigen ­Monaten der BaZ. Da die meisten Abfälle seit über einem Jahrhundert im Boden liegen, belasten sie zwar das Grundwasser nicht mehr. Doch beim Bauen können je nach Belastung hohe Unkosten entstehen.

Kostet beispielsweise die Entsorgung einer normalen Tonne Bauaushub 34 Franken, können es bei einem kontaminierten Aushub schnell 140 Franken pro Tonne werden. Ist der Aushub so toxisch, dass er «thermisch» entsorgt werden muss, können gemäss Svoboda Kosten von 500 Franken pro Tonne entstehen. Dies, weil man den Schutt mit dem Schiff in eine spezielle Verbrennungsanlage in die Niederlande transportieren muss.

Wie Baudirektor Hans-Peter Wessels auf die zwei Interpellationen im Grossen Rat antwortete, gilt beim Bezahlmodus folgende Regel: «Solange nicht gebaut wird und das belastete Material im Boden bleibt, muss nicht saniert werden. Erst wenn der heutige Zustand gestört wird – beispielsweise durch Baumassnahmen –, muss der belastete Untergrund beim baubedingten Aushub fachgerecht entsorgt werden. Für diese baubedingten Sanierungen ist der künftige Bauherr verantwortlich. Er trägt auch die erhöhten Entsorgungskosten.»

Novartis sieht kein Problem

Allerdings behauptet Novartis, es brauche keine teure Sanierung, bevor auf dem Klybeck-Areal ein neues Quartier entstehen kann. Stellenweise sei das Areal zwar tatsächlich belastet, sagte Novartis-Schweiz-Chef Matthias Leuenberger gegenüber SRF. Gemäss Fachleuten des Amtes für Umwelt müssten diese Gebiete aber nur überwacht und nicht saniert werden. Novartis habe das Areal mehrfach untersucht. Leuenberger geht deshalb nicht davon aus, dass es später doch noch böse Überraschungen geben könnte.

Falls doch, müsste die erst kürzlich gegründete Central Real Estate die Folgekosten tragen. Die Immobilien-Beteiligungsgesellschaft besteht aus Schweizer Pensionskassen, Anlagestiftungen und Versicherungen. Sie ist jedoch noch so jung, dass bislang weder Verwaltungsrat noch Geschäftsleitung haben installiert werden können. Das Klybeck-Areal ist ihr erstes Projekt. Zu wünschen bleibt, dass sie damit nicht gleich auf die Nase fällt.

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