Katja Christ überlegt sich eine Regierungskandidatur

Die Bürgerlichen stecken tief im Kandidaten-Elend. Vielleicht können die Grünliberalen helfen.

GLP-Politikerin Katja Christ am Rednerpult im Grossen Rat.

GLP-Politikerin Katja Christ am Rednerpult im Grossen Rat.

(Bild: Nicole Pont)

Alessandra Paone

Niemand kann mit der Basler SP mithalten, wenn es um strategische und taktische Züge geht. Wenige Tage nach dem Ja der Schweizer Stimmbürger zu der Steuerreform und AHV-Finanzierung gab Eva Herzog ihren Rücktritt als Finanzdirektorin bekannt. Idealer Zeitpunkt, perfekt inszeniert – niemand hatte knapp ein halbes Jahr vor den nationalen Gesamterneuerungswahlen darauf gehofft. Am wenigsten davon die Bürgerlichen; sie wurden von der roten Eva und ihren Parteifreunden kalt erwischt.

Gestern gab die Regierung zudem bekannt, dass die Ersatzwahl für Herzog am 20. Oktober stattfindet, am selben Tag wie die Nationalrats- und Ständeratswahl. Grosskampftag in Basel.

Horizont erweitern

Wie und wo sollen die Bürgerlichen nun so auf die Schnelle eine Kandidatin oder einen Kandidaten finden? Zwar haben FDP, LDP und CVP in einem gemeinsamen Communiqué angekündigt, eine Gegenkandidatur stellen zu wollen. Doch mit der Absicht allein ist es nicht getan. Es fehlen die Köpfe, auch in der SVP. Bei der SP steht Tanja Soland bereit: 43, Grossrätin, Advokatin, erfahren und geschätzt.

Den Bürgerlichen bleibt nichts anderes übrig, als ihren Horizont zu erweitern, grösser zu denken, über die Grenzen der traditionell bürgerlichen Parteien hinaus. Hin zur Mitte. Dort brennt nämlich jemand darauf, den nächsten politischen Karriereschritt tun zu können: Katja Christ.

Hin zur Mitte

Die Präsidentin und Grossrätin der GLP vertritt in finanzpolitischen Fragen klar bürgerliche Werte, ist wirtschafts- und gesellschaftsliberal und hat ein grünes Herz, was in Zeiten des Klimawandels sicher nicht schadet. Ausser im Kantonsparlament sitzt die 46-jährige Anwältin auch im Einwohnerrat Riehen und ist als Partnerin bei Balex Advokatur & Notariat tätig.

«Ich bin schon mehrfach darauf angesprochen worden», sagt Katja Christ und zeigt der «Basler Zeitung» einen Brief. Darin wird sie ermuntert, «die Gelegenheit beim Schopf zu packen» und bürgerlichen wie auch linken Wählern eine echte Auswahl zu bieten – «so wie es einer Demokratie gebührt». Es sei nicht das einzige Schreiben, das sie in den letzten Tagen erhalten habe, sagt Christ.

«Wir lassen uns von niemandem unter Druck setzen»

Für die Grünliberale ist klar, dass nun alle Parteien rechts von Rot-Grün Verantwortung übernehmen müssen. Deshalb überlegt sie sich eine Kandidatur. Für eine definitive Zusage sei es aber zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh. «Die Ausgangslage ist schwierig. Wir müssen uns gut überlegen, wie wir unsere Kräfte bündeln», sagt sie. Christ kandidiert auf der GLP-Liste für den Nationalrat.

Nächste Woche will die GLP-Präsidentin mit dem Parteivorstand über die Regierungsersatzwahl sprechen. Auch mit anderen Parteien stehen Gespräche an. Bei diesen hält sich die Begeisterung für eine allfällige Kandidatur von Katja Christ allerdings in Grenzen.

Es sei nicht zielführend, jetzt schon Namen zu nennen, sagt FDP-Präsident und Grossrat Luca Urgese. Es hätten noch gar keine Gespräche stattgefunden. «Wir lassen uns von niemandem unter Druck setzen.» Er sieht zudem ein Problem darin, dass jemand gleichzeitig für den Nationalrat und den Regierungsrat kandidiert. «Ich bin gespannt, wie Katja Christ ihre Ambitionen den Stimmbürgern erklärt.»

Unter Frauen

Da ist Katja Christ anderer Meinung. Nationalratswahlen seien Parlamentswahlen, bei den Regierungsratswahlen gehe es hingegen um ein Exekutivamt. «Wir Grünliberalen treten bei den Nationalratswahlen als Team an, mit dem klaren Ziel, die GLP-Fraktion im nationalen Parlament zu stärken», sagt sie. Und betont: «Ich werde das Team auf keinen Fall im Stich lassen.»

Die Frage der Doppelkandidatur ist für Patricia von Falkenstein im Moment nicht zentral. Genauso wenig die Frage, ob eine Kleinstpartei wie die GLP, die mit drei Mitgliedern im Grossen Rat nicht einmal Fraktionsstärke erreicht, überhaupt Anspruch hat auf einen Regierungssitz hat. «Bevor nicht Gespräche mit allen Parteien stattgefunden haben, sollte man gar nichts ausschliessen», sagt die Präsidentin und Grossrätin der LDP.

Ein Mann wäre wohltuend

Auch nicht einen männlichen Regierungskandidaten. «Bei all den Frauen, die an diesem Tag ins Rennen steigen, wäre ein Mann geradezu wohltuend.» Von Falkenstein selber kandidiert gegen Eva Herzog für den Ständerat. Bast A!-Nationalrätin Sibel Arslan überlegt sich ebenfalls eine Kandidatur, und wenn nicht Tanja Soland für die Regierung kandidiert, dann bestimmt eine andere SP-Frau.

Für CVP-Präsident und Grossrat Balz Herter kommt hingegen nur eine Frauenkandidatur infrage. Er wünscht sich eine Kollegin für Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann. Sie wäre nach Herzogs Rücktritt die einzige Frau in der Regierung. Bevor man aber auf Katja Christ ausweicht, will er sich in den eigenen Reihen umschauen. Herter denkt dabei an Verwaltungsrätinnen, Richterinnen oder anderweitig engagierte Frauen.

Die Show beginnt – mit vielen Darstellerinnen.

Basler Zeitung

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