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Kampf um zwei Stunden

Der Basler Detailhandel wirbt für ein Ja zu längerer Öffnungszeit an Samstagen. Die Gewerkschaften arbeite mit falschen Argumenten dagegen, sagt der Verein.

Die Basler Läden, hier die Freie Strasse, sollen auch samstags bis 20 Uhr offen bleiben.
Die Basler Läden, hier die Freie Strasse, sollen auch samstags bis 20 Uhr offen bleiben.
mümo

Um 18 Uhr müssen die Basler Ladengeschäfte am Samstag ihre Tore schliessen. Bis zu viermal fordert der Globus um diese Zeit via Lautsprecher die Kunden auf, den Laden zu verlassen, wie Geschäftsführerin Roswitha Ledergerber gestern vor den Medien sagte. «Mir blutet jeweils das Herz.» Sie stehe oft am Ausgang und müsse sich Schimpfwörter wie «Schisslade» anhören.

Das Lädele am Samstag ist laut Ledergerber heute eine Freizeitbeschäftigung, ein Event. Eine längere Öffnungszeit am Samstag würde die Stadt beleben und den Umsatz der Geschäfte erhöhen. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Leute den Franken wieder hier ausgeben», sagte die Globus-Geschäftsführerin. In den letzten zwei Jahren habe das Unternehmen zehn Prozent der Stellen abbauen müssen. Dies sei über Fluktuationen und Pensionierungen erfolgt.

Nachteil gegenüber dem Umland

Eine längere Ladenöffnungszeit bis 20 Uhr an Samstagen hat der Grosse Rat im Juni 2012 beschlossen. Dagegen ergriffen Gewerkschaften das Referendum, weshalb das Basler Stimmvolk am 3. März darüber befinden muss.

Die im Verein Basler Detailhandel zusammengeschlossenen Befürworter einer längeren Öffnungszeit sagten gestern bei der Lancierung ihrer Kampagne, bei dieser Abstimmung gehe es auch um die Sicherung von Umsatz und somit von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Die in Basel-Stadt geltenden Rahmenbedingungen seien grosse Standortnachteile gegenüber dem Umland, sagte Vereinspräsident Stefano Patrignani. In Baden-Württemberg können die Läden am Samstag bis Mitternacht offen bleiben, in den Kantonen Baselland und Aargau bis 22 Uhr und im Elsass bis 21 Uhr.

Arbeitszeit bleibt gleich

Der Euro-Wechselkurs lockt die Konsumenten ins Ausland, weshalb die Umsätze in Basel zurückgegangen sind. «Den Wechselkurs können wir nicht beeinflussen, aber die Rahmenbedingungen», sagte Patrignani. Die Ladengeschäfte sollen in einem vorgegebenen Rahmen selber bestimmen können, wann sie die Kundschaft bedienen wollten. Längere Öffnungszeiten würden einem Kundenbedürfnis entsprechen. Das Argument der Gewerkschaften, wonach das Verkaufspersonal bei längeren Öffnungszeiten mehr arbeiten müsse, sei falsch. Die wöchentliche Arbeitszeit bleibe gleich hoch.

CVP-Grossrat und Nationalrat Markus Lehmann wies darauf hin, dass der Beschluss des Grossen Rates eine Kompromisslösung sei. Anstelle von vier verkaufsoffenen Sonntagen habe sich das Parlament für zwei im Dezember sowie längere Öffnungszeiten an Samstagen entschieden. Der Basler Detailhandel stehe in Konkurrenz mit dem Umland sowie mit den Tankstellenshops und den Läden an den Bahnhöfen. «Die Ladenöffnungszeiten sind der einzige Standortfaktor für den Basler Detailhandel, den die Politik kurzfristig verbessern kann», sagte Lehmann.

10'000 Arbeitsplätze stelle der Basler Detailhandel zur Verfügung. Er biete vielen jungen Menschen mit eher schwachen schulischen Leistungen Ausbildungsmöglichkeiten und spätere Aufstiegschancen. Den Gewerkschaften und linken Parteien warf Lehmann Obstruktion vor.

100'000 Franken Budget

Laut Nadine Bloch, Vizepräsidentin des Vereins Basler Detailhandel, erlaubt das schweizerische Arbeitsgesetz für den Detailhandel bis zu 50 Wochenarbeitsstunden. In Basel liege die Arbeitszeit bei 41 oder 42 Stundenpro Woche. Diese Arbeitszeiten seien in Einzel- oder Gesamtarbeitsverträgen (GAV) festgehalten. In Basel habe es bis 2009 einen GAV gegeben. Den neuen Vertrag hätten die Gewerkschaften nicht unterzeichnet. Trotzdem gelte für mehr als die Hälfte der Angestellten ein Gesamtarbeitsvertrag, den die einzelnen Geschäfte anböten. Ausserdem hätten verschiedene Arbeitgeber Hausverträge erarbeitet. Gemäss Bloch sind weniger als zehn Prozent der Angestellten im Detailhandel gewerkschaftlich organisiert.

Für die Abstimmungskampagne haben sich die Befürworter in einem Komitee zusammengeschlossen. Sie werden mit Plakaten für ihr Anliegen werben. Dazu steht dem Komitee ein Budget von 100'000 Franken zur Verfügung.

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