Kalte Fische, schwitzende Patienten

Das Kühlen mit Rheinwasser ist essenziell – aber unverhältnismässig reguliert. Beim Unispital fürchtet man, dadurch bald nicht mehr operieren zu dürfen.

Abkühlung für alle. Basler Institutionen wie das Unispital sind auf Rheinwasser ­angewiesen – nutzen dürfen sie es aber nur bedingt.

Abkühlung für alle. Basler Institutionen wie das Unispital sind auf Rheinwasser ­angewiesen – nutzen dürfen sie es aber nur bedingt.

(Bild: Aissa Tripodi)

Nichts kühlt so schön wie die Fluten des Rheins. Davon profitieren nicht nur Schwimmer, sondern auch Firmen. Aber nur, so lange das Rheinwasser die Temperaturmarke von 25 Grad nicht überschreitet. Denn ab da ist das Kühlen mit Rheinwasser zum Schutz der Fische verboten – für Institutionen wie das Universtitätsspital Basel (USB), das nur dank der Rheinwasserkühlung auch im Sommer lebensrettende Operationen durchführen kann, ein Desaster. Erst recht, weil bei der national festgelegten Temperaturobergrenze die Verhältnismässigkeit fehlt.

«Ohne die Kühlung durch Rheinwasser müssten wir Operationen einstellen oder Intensivstationen leeren», erklärte Richard Birrer, Leiter Infrastruktur am USB, gegenüber dem «Regionaljournal» die prekäre Lage. Weil die Rheintemperatur am 7. Juli die verbotene Marke umspülte und für kurze Zeit exakt 25 Grad betrug, stellt sich einmal mehr die Frage: Welche Alternativen gibt es, damit weder Fische noch Patienten schwitzen müssen?

Grundwasser als Alternative

«Roche hat sich mithilfe von Alternativen praktisch unabhängig gemacht von der Kühlung mit Rheinwasser», sagt Karsten Kleine, Mediensprecher Roche. Sechs Kühltürme und kaltes Grundwasser ersetzen das Rheinwasser. Roche muss sich vor einem Rheinwasser­engpass nicht mehr fürchten. Das Grundwasser darf nämlich bis zu drei Grad über die saisonale Durchschnitts­temperatur erwärmt werden.

Darum bohrt nun auch das Unispital danach: Zwei von drei Bohrungen waren allerdings enttäuschend – der Grundwasserstand war zu gering. Das USB hofft, «mit der dritten Grundwasserbohrung eine grössere Quelle anbohren zu können». Beachtet werden muss, dass der Grundwasserspiegel nicht dauerhaft gesenkt wird und sich die Wassertemperatur nicht mehr als drei Grad über die natürliche saisonale Temperatur erhöht. Dann würden «die mikrobiologischen und physikalisch-chemischen Prozesse, und damit die Gefahr einer Verkeimung zunehmen», sagt Dominik Keller, Stellvertretender Leiter des Amts für Umwelt und Energie (AUE). Problematisch: Ein Grossteil des Grundwassers wird als Trinkwasser genutzt.

Keine Verhältnismässigkeit

Ein grosser Aufwand, der womöglich gar nicht nötig wäre: Die Erwärmung der Rheintemperatur betrage 0,001 Grad, erklärt Martin Jordan, Sprecher des Universitätsspitals, «wenn wir unter Volllast Rheinwasser nutzen». Insgesamt erwärmen alle Firmen, die mit Rheinwasser kühlen, den Fluss um 0,02 Grad. «Die Erwärmung durch die Sonne macht da bedeutend mehr aus», sagt Jordan. Gleichzeitig besteht bei der Temperaturmessung eine Ungenauigkeit von 0,3 Grad.

Dem AUE ist die Unverhältnismässigkeit klar, weshalb es bereits 2003 tolerierte, dass das Unispital mit Rheinwasser kühlte, obwohl dieses während zwei Tagen wärmer als 25 Grad war. «Ein Verbot würde das USB vor unlösbare Probleme stellen», sagt Keller. Eine offizielle Sondergenehmigung ausstellen darf der Kanton aber nicht: Die Obergrenze ist national geregelt, Kantone dürfen offiziell keine Sonderbewilligung ausstellen. «Massnahmen sollten verhältnismässig sein, aber die Verordnung kennt aktuell keinen Spielraum», bemängelt Keller. Darum fordere Basel vom Bundesrat, den Kantonen «die Möglichkeit einzuräumen, die unverzichtbare Entnahme von Kühlwasser kurzfristig zu tolerieren».

Basler Zeitung

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