Jetzt nehmen BVB ihren Vizedirektor ins Visier

Nach den Missständen und Abgängen in der Führung haben die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) eine disziplinarische Untersuchung im Falle ihres Vizedirektors Franz Brunner eingeleitet.

Damals ging es noch um das Radioverbot für BVB-Chauffeure: Vizedirektor Franz Brunner nimmt im Februar 2013 Unterschriften von der Personalkommission entgegen. Jetzt hat er schwerwiegendere Probleme.

Damals ging es noch um das Radioverbot für BVB-Chauffeure: Vizedirektor Franz Brunner nimmt im Februar 2013 Unterschriften von der Personalkommission entgegen. Jetzt hat er schwerwiegendere Probleme.

(Bild: Aissa Tripodi)

Bis vor wenigen Tagen stärkte der designierte Verwaltungsratspräsident der Basler Verkehrsbetriebe (BVB), Paul Blumenthal, dem Vizedirektor Franz Brunner noch demonstrativ den Rücken und sagte, dass er an Brunner festhalten wolle. Jetzt vollziehen die BVB eine Kehrtwende und leiten eine disziplinarische Untersuchung gegen ihren Vizedirektor ein, wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt.

Blumenthal will nun auch die Hand für Brunner nicht mehr ins Feuer legen: «Es würde mich nicht über­raschen, wenn im Nachgang zur Untersuchung der ­Finanzkontrolle noch mehr kritische Fragen ans Licht kommen.»

Anweisung zur Lüge

Brunner war mit der Veröffent­lichung des Berichts der Finanzkontrolle (Fiko) ins Zwielicht geraten: So soll Brunner Aufträge in Millionenhöhe über Jahre an IT-Firmen für SAP-Dienstleistungen ohne Ausschreibung ver­geben haben. Einzelne dieser Firmen sponserten auch ein Sportlager des TV Breitenbach, das Franz Brunner organisierte. Zudem stiftete Brunner die Mediensprecherin der BVB zu einer Lüge an, als die BaZ Nachforschungen zum neuen Geschäftsauto von Direktor Jürg Baumgartner anstellte. Gemäss dem Bericht der Finanzkontrolle wies Brunner die Mediensprecherin an, die Existenz eines Dienstwagens zu leugnen.

Wie die BVB weiter mitteilen, hat der Verwaltungsrat ein unabhängiges «Sounding Board» eingesetzt, das den Verwaltungsrat bei der Behebung der vergangenen Fehler begleiten und unterstützen wird. So soll das Sounding Board im ersten Halbjahr des nächsten Jahres alle gegebenenfalls rechtlich fragwürdigen und personalrechtlich ­relevanten Vorgänge der letzten Jahre innerhalb der BVB minutiös unter die Lupe nehmen, wie die BVB schreiben.

«In Zukunft aufräumen»

Das Sounding Board wird sich gemäss den BVB aus drei bis vier von den BVB unabhängigen Personen zusammensetzen, die aus den Fachbereichen Submission, Personalrecht, Governance und Führungskultur kommen werden. «Ich will im Verwaltungsrat alle – auch die noch so unangenehmen – Fakten auf dem Tisch haben», sagt Paul Blumenthal. Nur so könne man mit Blick in die Zukunft aufräumen und die Führungskultur in den BVB auf eine gesunde Basis stellen.

Gestützt auf die Erkenntnisse des Sounding Boards will der BVB-Verwaltungsrat Massnahmen beschliessen und, sofern personalrechtlich angezeigt, über weitere personelle Massnahmen beschliessen. Paul Blumenthal: «Ich nehme auch die öffentlich debattierten Anschuldigungen gegen einzelne Mitglieder der Geschäftsleitung sehr ernst.» Im Gegensatz zur vergangenen Ära wolle er die Entscheide im neu ­zusammengesetzten Verwaltungsrat «fundiert und in Kenntnis der Sachlage» fällen, erklärt Blumenthal weiter.

Betriebsleiterin entmachtet

Einen weiteren personellen Entscheid hat Blumenthal indes bereits ­getroffen: Die Leiterin Betrieb der BVB, Béatrice Thomet, die vom zürcherischen Transportunternehmen VBZ zu den BVB stiess, erhält mit René Messmer, Leiter Unternehmensentwicklung eine Co-Leitung. Damit wird Thomet, die betriebsintern wegen ihrer Kontrolltätigkeit beim Fahrdienst auf wenig Gegenliebe stiess, faktisch entmachtet. Die Geschäftsleitung, unter der Führung des interimistischen Direktors Michael Bont, will mit diesem Schritt, gemäss den BVB, die Voraussetzungen schaffen, den laufenden Veränderungsprozess enger mit dem betroffenen Personal abstimmen und weiterführen zu können.

Nachdem in der vergangenen Woche häppchenweise Informationen über die Medien an die Öffentlichkeit geraten sind, wagen jetzt die BVB die Transparenzoffensive. So werden gemäss der Medienmitteilung künftig alle Medien­anfragen nicht nur gegenüber den jeweiligen Journalisten beantwortet, sondern nach Publikation der Artikel auch ver­öffentlicht. Hierzu werden die BVB nach der Publikation der Artikel die Fragen sowie die vollumfänglichen Antworten der Medienstelle unter dem Motto: «Machen Sie sich selber ein Bild» im Internet unter www.bvb.ch publizieren.

Basler Zeitung

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