Ja zum Zolli – Ja zum Ozeanium

Aquarien mit faszinierenden Lebenswelten machen das Ozeanium Basel zu einem Besuchermagneten, der weit über die Schweizer Landesgrenzen hinaus ausstrahlen wird.

Das Ozeanium wird die Besucher für Meeres- und Umweltthemen begeistern und leistet damit einen wichtigen Beitrag dazu, das Bewusstsein für die Gefährdung der Natur zu schärfen.

Das Ozeanium wird die Besucher für Meeres- und Umweltthemen begeistern und leistet damit einen wichtigen Beitrag dazu, das Bewusstsein für die Gefährdung der Natur zu schärfen.

(Bild: Visualisierung)

Zurzeit befassen sich gleich drei Grossratskommissionen mit dem geplanten Ozeanium des Basler Zollis: die Bildungs- und Kulturkommission (BKK), die Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) und, federführend, die Bau- und Raumplanungskommission (BRK). Angesichts der grossen Anzahl beteiligter Grossrätinnen und Grossräte ist es nicht verwunderlich, dass bereits vor der Verabschiedung der Kommissionsberichte, unter Missachtung der Geschäftsordnung des Parlaments und landesüblicher Anstandsregeln, Details aus den internen Beratungen an die Öffentlichkeit durchsickern.

Vergleich Basel–Zürich

Offenbar machen sich mehrere Kommissionsmitglieder Sorgen wegen der langfristigen wirtschaftlichen Tragfähigkeit und der allfälligen Folgekosten des Projekts. Bereits werden (allerdings unzulässige) Vergleiche gezogen mit der chaotischen Finanzplanung der Betriebskosten beim Kunstmuseum. Die vorhandene Skepsis lässt sich jedoch mit Fakten ausräumen. Der Businessplan ist, wie im Folgenden dargelegt werden soll, entgegen allen wahrheitswidrigen Behauptungen seriös berechnet.

Noch eine nicht unwichtige Vorbemerkung: Der Zoo wird vom Kanton Basel-Stadt nur mit bescheidenen finanziellen Mitteln unterstützt. Zurzeit 1,45 Millionen Franken jährlich, in der Subventionsperiode 2017 bis 2020 also 5,8 Millionen. Franken. Die Stadt Zürich und der Kanton Zürich (aus dem Lotteriefonds!) dagegen zahlen jährlich Betriebssubventionen in der Höhe von 6,687 Millionen Franken. Zusätzlich übernimmt die öffentliche Hand teilweise auch einen bedeutenden Anteil der enormen Kosten für Investitionen, vor allem für neue Bauten und Gehege.

Die laufenden Betriebskosten für das Ozeanium belaufen sich auf rund 9 bis 9,5 Millionen. Franken. Davon entfallen rund 50 Prozent auf den Personalaufwand, während Unterhalts- sowie Betriebsaufwand je rund 15 bis 20 Prozent ausmachen. Die Unterhaltskosten für das Ozeanium sind grosszügig bemessen, sodass es, vergleichbar mit dem seit 1972 betriebenen Vivarium, umfassend und kontinuierlich gepflegt und unterhalten werden kann. Dadurch ist der Betrieb auf lange Zeit hinaus und ohne grössere Erneuerungsinvestitionen gesichert.

Kaum Konkurrenz

Da der Bau vollständig durch Spenden finanziert wird, müssen die Baukosten nicht amortisiert und verzinst werden. Bei kommerziell geführten Aquarien sind die Amortisation und die Fremdkapitalverzinsung oft die grössten Kostenblöcke. Bei einem geplanten Durchschnittseintrittspreis von rund 18 Franken werden für den Break-even rund eine halbe Million Besucher benötigt. Die Einnahmen setzen sich hauptsächlich aus den Ticketeinnahmen sowie Erträgen aus Gastronomie und Shop zusammen. Der Zoo Basel ist optimistisch, dass die notwendigen Besucherzahlen erreicht werden können. Im Umkreis von 500 Kilometern rund um Basel befindet sich kein vergleichbares Grossaquarium, bereits rund zwei Auto- beziehungsweise Zugstunden respektive 200 Kilometer entfernt leben mehr als zwanzig Millionen Menschen.

In Lausanne existiert seit letztem Jahr das Aquatis, ein Süsswasseraquarium, welches ganz andere Themengebiete als das Ozeanium abdeckt, nur etwa halb so gross ist und kommerzielle Ziele verfolgt (es gehört der privaten französischen Boas-Gruppe). Das Sealife in Konstanz als kommerzielles Aquarium besitzt im Vergleich zum Ozeanium nicht denselben wissenschaftlichen und bildungsvermittelnden Qualitätsanspruch und ist auch deutlich kleiner. So werden diese beiden Aquarien auf einschlägigen Bewertungsportalen auch eher kritisch beurteilt. Das nächste Grossaquarium, das mit dem Ozeanium vergleichbar ist, ist deshalb das Aquarium in Genua, das rund 500 Kilometer entfernt ist.

Besucherzahlen: Vergleichswerte

Andere Grossaquarien – beispielsweise in Genua (1 100 000), Lissabon (950 000) oder Stralsund (600 000) haben auch Jahre nach ihrer Eröffnung noch klar mehr Besucher als die 480 000, die das Ozeanium für eine ausgeglichene Erfolgsrechnung benötigt. Mit den rund 18 Franken Eintritt (Durchschnittspreis) ist das Ozeanium zudem deutlich preiswerter als die genannten Aquarien, die kaufkraftbereinigte Preise von ungefähr 29 bis 42 Franken verlangen. Auch das Aquatis mit einem Eintrittspreis von 29 Franken für Erwachsene respektive 19 Franken für Kinder ist deutlich teurer.

Auch ist das Ozeanium im Zentrum von Basel wenige Minuten vom Hauptbahnhof gut erreichbar, während die meisten Grossaquarien Europas ausserhalb des Stadtzentrums situiert und schlechter erreichbar sind. Das macht das Ozeanium attraktiver für Spontanbesuche. Gleichzeitig wird mit abwechselnden Sonderausstellungen ein Anreiz für erneute Besuche geschaffen. Aufgrund dieser Überlegungen ist der Zolli überzeugt, dass 480 000 Besucher nach einer anfänglichen Boomphase mittel- und langfristig ein realistisches Ziel sind.

Um die Zahl von 480 000 Besuchen richtig einzuordnen, ist zudem wichtig zu wissen, dass der Zolli 2017 rund 1,02 Millionen Besucher zu verzeichnen hatte. Weiterhin ist zu beachten, dass das Ozeanium nicht saison- und wetterabhängig ist wie der Zolli. Basel ist mit verschiedenen weltweit renommierten Messen, der Fondation Beyeler, dem Tinguely-Museum und weiteren Sehenswürdigkeiten eine beliebte Tourismusdestination. So haben sich die Logiernächte in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt, auf rund 1,3 Millionen. im Jahr 2017. Das Ozeanium wird zum einen von Basels Attraktivität profitieren, zum anderen wird mit dem Ozeanium ein weiteres Highlight geschaffen, von dem Basel als Tourismusdestination profitieren kann.

Fazit: ein Gewinn für Basel

Das Ozeanium ist ein Projekt des Zoos Basel, der eine private, nicht gewinnorientierte Aktiengesellschaft ist. Entsprechend wird das Ozeanium, wie zum Beispiel die neue Elefantenanlage auch, aus privaten Spenden und Gönnerbeiträgen finanziert. Für das Ozeanium werden keine öffentlichen Gelder verwendet bzw. benötigt. Bereits heute (Stand Juni 2018) ist über die Hälfte der Erstellungskosten gesichert. Dank der Finanzierung durch Spenden, wie dies bei allen Projekten für Tieranlagen und Gebäude des Zoos Basel (im Gegensatz zum Zürcher Zoo) der Fall war, entfallen für das Ozeanium im Vergleich zu diesen Grossaquarien zwei grosse Kostenblöcke, die Abschreibungen sowie Darlehenszinsen.

Der Betrieb wie auch der Unterhalt des Ozeaniums werden selbsttragend sein. Erfahrungen anderer, meist privat finanzierter Grossaquarien in Europa zeigen, dass diese längerfristig nicht nur kostendeckend, sondern durchaus auch profitabel betrieben werden können. Mit rund 480 000 Besuchenden pro Jahr kann das Ozeanium kostendeckend betrieben werden. Die Erfahrung mit dem Zolli sowie der Vergleich mit anderen Grossaquarien zeigen, dass diese Besucherzahlen sehr realistisch sind.

Aquarien mit faszinierenden Lebenswelten machen das Ozeanium Basel zu einem Besuchermagneten, der weit über die Schweizer Landesgrenzen hinaus ausstrahlen wird. Das Ozeanium schafft neue Arbeitsplätze in der Region Basel und soll darüber hinaus das wichtigste Zentrum für Bildung und Forschung im Bereich Meeresbiologie werden. Es wird die Besucherinnen und Besucher für Meeres- und Umweltthemen begeistern und leistet damit einen wichtigen Beitrag dazu, das Bewusstsein für die Gefährdung der Natur zu schärfen.

Roland Stark, Grossratspräsident 2008/2009, ist Mitglied des Patronatskomitees für das Ozeanium Basel.

Basler Zeitung

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