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IWB wollen mit Kohle im Boden das Klima retten

Landwirtschaftsexperte Lukas Kilcher sieht das Vorhaben skeptisch. Er will dem Versuch aber dennoch eine Chance geben.

Eine Pyrolyse-Anlage soll ab 2020 Wärme ins Fernwärmenetz einspeisen und gleichzeitig Pflanzenkohle produzieren.
Eine Pyrolyse-Anlage soll ab 2020 Wärme ins Fernwärmenetz einspeisen und gleichzeitig Pflanzenkohle produzieren.

Mit einer Pyrolyseanlage wollen die Industriellen Werke Basel (IWB) etwas fürs Klima tun. Das Basler Monopol-Energieunternehmen hat am Montag angekündigt, durch eine thermo­chemische Spaltung Grün- und Schnittabfälle in Kohle umzuwandeln. Dieses Verfahren reduziert den Ausstoss von Kohlendioxid, der bei der Zersetzung von Holz, Blättern oder Ästen auf natürliche Weise freigesetzt wird.

Konkret soll durch diese Kohleherstellung klimarelevantes Gas gebunden und später «im Boden gespeichert werden», wie die IWB sagen. Gleichzeitig nutzt die neue Anlage die beim Umwandlungsprozess entstehenden Gase, um damit die Heizungen im IWB-Wärmeverbundnetz zu speisen. «Mit dieser zukunftsweisenden Anlage gelingt es uns, nicht nur klimaneutrale, sondern sogar klimapositive Wärme zu produzieren», erklärt IWB-­Sprecher Reto Müller.

Nebst 2,7 Gigawattstunden Wärme produziert die Anlage rund 570 Tonnen Pflanzenkohle pro Jahr.
Nebst 2,7 Gigawattstunden Wärme produziert die Anlage rund 570 Tonnen Pflanzenkohle pro Jahr.

Gemäss dem Energieunternehmen soll der Kreislauf so aussehen: Gase werden der Biomasse entzogen, CO2 wird in der Kohle gebunden, Landwirte bringen die karbonisierten Pflanzenreste auf ihre Felder. «Bezüglich der Verwendung der Kohle stehen wir mit Abnehmern in der Landwirtschaft im Austausch», sagt Müller. «Auch Gärtnereien zeigen Interesse. Wir sind überzeugt, dass eine Pyrolyseanlage für Landwirtschaftsböden eine Aufwertung darstellt.» Ab dem Winter 2020/2021 soll die Anlage 570 Tonnen solcher Kohle pro Jahr produzieren und Wärme für 300Haushalte liefern.

Belastetes Pflanzenmaterial

So wohlfeil das Vorhaben klingen mag, ganz so unproblematisch ist das Einbringen von Kohle auf die Felder nicht. Aus den Schrebergärten ist bekannt, dass von Gärtnern verwendete Pestizide oder andere chemische Mittel sich in der Biomasse ansammeln und dann die Erde belasten können. Aus diesem Grund hatte die Stadtgärtnerei zusammen mit den Familiengartenvereinen vor wenigen Jahren eine Sensibilisierungskampagne durchgeführt und vor der Ausbringung von Kohle aus Pflanzenresten in den Garten gewarnt. In Proben fanden sich in der Asche und den Kohleresten nicht selten Schadstoffe und Schwermetalle welche die Gemüseproduktion beeinträchtigten (die BaZ berichtete).

Die IWB versprechen, in diesem Bereich vorsorgen zu wollen: «Wir sind daran interessiert, dass die Kohlequalität hoch ist– wir planen, nach Standard European Biochar Certificate (EBC) zu produzieren. Dies beinhaltet die laufende Rückstellung von Proben. Somit können wir jederzeit und lückenlos die Qualität unserer Pflanzenkohle belegen.»

Lukas Kilcher, Leiter des Ebenrain-Zentrums für Landwirtschaft, Natur und Ernährung, kennt den Einsatz von Kohle in Böden aus seiner früheren Tätigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit in Lateinamerika. Dort werde Kohle, so Kilcher, als Verbesserung der oft sehr nährstoffarmen Böden mit niedriger Speicherfähigkeit eingesetzt.

Nicht jedes Jahr einsetzen

«Bei uns zeigt sich die Situation etwas anders», erklärt Kilcher. «Die Böden, zum Beispiel im ­Baselbiet, weisen eine deutlich höhere Speicherfähigkeit von Nährstoffen auf als im Ama­zonasgebiet, wo durch Brand­rodung Kohle in die Böden gebracht wird. Auch in Kuba gelang eine Verbesserung der Speicherfähigkeit durch die Ausbringung von Kohlestaub.»

Grundsätzlich sollte ein Kohle­eintrag in die Böden nicht direkt, sondern über Kompost erfolgen, sagt Kilcher. Doch auch bei diesem Vorgehen brauche es bei den heimischen Böden eine vorsichtige und zurückhaltende Vorgehensweise. «Das Ausbringen von Kohle bedeutet einen Eingriff in die natürliche Struktur», so Kilcher. «Das ist sicher nicht etwas, das sich jedes Jahr anbietet. Dennoch plädiere ich dafür, dass wir offen sind für diese Techniken. Wir müssen für das Klima Verantwortung übernehmen und alle Ansätze prüfen.»

Die Landwirtschaft tut heute bereits einiges, um die Speicherfähigkeit der Böden zu verbessern. Zum Beispiel durch Gründüngung, das Ausbringen von Kompost, eine geeignete Fruchtfolge und schonende Boden­bearbeitung. «Wenn die Landwirtschaft diese Techniken gut abgestimmt anwendet, lässt sich nicht nur die Speicherfähigkeit verbessern, sondern auch Kohlenstoff im Boden binden», sagt Kilcher.

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