Ins Eck versenkt

Stadtjäger

Gutes muss nicht gleich auf den ersten Blick zu sehen sein. Der Basiliskbrunnen ist hinter der Wettsteinbrücke ziemlich gut versteckt, jedoch steckt hinter dem Wasserspucker eine eindrückliche Geschichte.

In der Ecke, wo die Alemannengasse zur Wettsteinbrücke führt, ist die Brunnenanlage von Louis Weber hinter einer Abschlussmauer gut versteckt.

In der Ecke, wo die Alemannengasse zur Wettsteinbrücke führt, ist die Brunnenanlage von Louis Weber hinter einer Abschlussmauer gut versteckt.

(Bild: Dominik Heitz)

Dominik Heitz

Die Ecke wäre ideal für einen Mistkübel oder einen Busch. Doch 1936 hatten ein paar Leute die Idee, in dieses Loch bei der Wettsteinanlage einen Brunnen zu stellen. Als die Wettsteinbrücke noch in ihrer originalen Breite bestanden hatte, befand sich an dieser Ecke, wo die Alemannengasse zur Brücke führt, ein offen stehender Basiliskenbrunnen. Doch mit der Verbreiterung der Wettsteinbrücke musste dieser Brunnen weg. Man legte eine Abschlussmauer ins Eck und versenkte darin den Brunnen.

Entweder war es den Entscheidungsträgern egal gewesen, dass hier der Beachtungswert gleich null ist, oder sie wählten ihn bewusst mit dem Argument, Gutes muss nicht gleich auf den ersten Blick zu sehen sein, sondern darf ruhig etwas Entdeckerarbeit kosten. Jedenfalls ist der Brunnen gut versteckt.

Ich habe ihn ganz zufällig entdeckt, aber nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren.

Ich habe ihn ganz zufällig entdeckt, aber nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren. Es war ein Plätschern zu hören. Da schaute ich über das Mäuerchen und sah es: ein niedriges halbrundes Becken, an dessen Rückwand sich ein Frauenkopf aus Bronze befindet, der unablässig Wasser in einem feinen Strahl ins Bassin speit.

Die Bronzemaske stammt von Bildhauer Louis Léon Weber (1891–1972). Er hatte sie für den im Jahr 1930 erneuerten Brunnen an der Nauenstrasse geschaffen. Schon drei Jahre später aber musste dieser Brunnen der Korrektion der Nauenstrasse wegen weichen. Der Trog wurde an einen Pri­vaten verkauft, und die Bronzemaske fand 1936 ihren Weg an die Wettsteinanlage. Ob es sich bei diesem Frauenkopf um eine Nymphe handelt? Die Blume auf der hohen Stirn und die beiden stilisierten Blätter­zweige, welche die Haarpracht umfassen, könnten es nahelegen. Es wäre nicht Webers einzige. Im Park des Universitätsspitals Basel steht eine Bronzestatue von ihm, welche die griechische Bergnymphe und Priesterin Daphne darstellt.

Louis Léon Weber hat in Basel mehrere Brunnenanlagen geschaffen.

Louis Léon Weber hat in Basel mehrere Brunnenanlagen geschaffen. Von ihm, dem im elsässischen Bourgfelden Geborenen, in Reigoldswil Heimatberechtigten und in Basel Verstorbenen, stammen unter anderem der Jubiläumsbrunnen auf dem Kirchplatz von Kleinhüningen, der Brunnen des Neubadschulhauses oder der Seelöwenbrunnen im Schützenmattpark.

Seine Ausbildung erhielt Weber in einer Möbelfabrik: als Holzschnitzer. Dann schlug er sich ein Jahr lang in Paris als Gelegenheitsarbeiter durch, unter anderem als Modell an der Ecole des Beaux Arts. Später besuchte er Zeichen- und Modellierkurse an der Gewerbeschule und bildete sich autodidaktisch in der Steinbildhauerei weiter. Als Mitarbeiter von Carl Burckhardt half er diesem, die Reliefs am Kunsthaus Zürich auszuhauen. Und: Er zählte zu den Gründungsmitgliedern der Basler Künstlervereinigung Gruppe 33.

Basler Zeitung

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