Impfen im Zolli – eine Frage der Präzision

Wie zu impfen ist, wenn die «Patienten» widerspenstig sind, weiss der Zolli: zum Beispiel mit Pfeil und Blasrohr.

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Impfen im Zolli ist keine einfache Aufgabe: «Für exotische Tiere gibt es eigentlich keine Impfpräparate», erklärt Zolli-Tierarzt Christian Wenker. Es gelte die aus der Haustiermedizin gängigen Impfstoffe für Hund, Katze, Pferd und Schwein zu verwenden, oder eigens Stoffe anfertigen zu lassen. Die weitaus grössere Herausforderung sei aber das eigentliche Anbringen der Impfung.

Wildhunde, Geparde, Wölfe und Schneeleoparden haben bereits als Welpen ihren ersten Impftermin. «Dazu müssen die Eltertiere überlistet werden, indem man sie von den Jungen weglockt», erklärt Wenker. Danach dürfe man nicht zimperlich sein, wenn die Jungen alles versuchen, um den Pieks abzuwenden. Es werde gebissen und gekratzt und zwar, trotz des zarten Alters, spürbar.

Auch die jährliche Wiederholungsimpfung mögen die Tiere nicht und im ausgewachsenen Zustand ist mit dem Kratzen und Beissen erst recht nicht mehr zu scherzen. «Der Tierarzt geht auf Distanz, indem er die Spritze per Blasrohr anbringt», sagt Wenker und zeigt sogleich die Technik an einem Papp-Zebra.

Von Menschen und Affen

Das Impf-Blasrohr kommt auch bei den Menschenaffen zum Einsatz – mit gewissem Risiko der Erwiederung. Es sei schon vorgekommen, dass ein Affe den Pfeil aus seinem Pelz zog und zurückschoss.

Dabei sind Menschenaffen auf Grippe anfällig und im Winter trieft auch mal einem Gorilla oder Orang Utan die Nase. Menschenaffen könnten von Menschen durch Tröpfcheninfektion angesteckt werden. «Beim früheren Affenhaus war das gar kein Thema, da die Glasscheibe eine solche Infektion ausschloss», so Wenker. Auch beim neuen Affenhaus könne man das Risiko – trotz fehlender Glasscheibe — weitgehend ausschliessen, gross genug sei der Abstand zwischen Betrachtern und Affen.

Sollte sich dennoch ein Menschenaffe eine Erkältung holen, dann ist die Therapie weitgehend die gleiche wie in der Humanmedizin: «Hustentee, Erholung und vielleicht einmal ein Aspirin» verschreibt Wenker, denn starke Kopfschmerzen äussere ein Affe mitunter durch halten seines Kopfs.

Fortpflanzungswunder im Aquarium 37

Auch die Fische im Aquarium 37 waren angesagt am Presse-Apéro des Zollis. Im Juli siedelten zehn erwachsene Brandungsbarsche aus Vancouver nach Basel über – und täglich wurden es mehr. Insgesamt 55 Jungtiere zählten die Tierpfleger nach wenigen Tagen. Das schnelle Wachstum der Population geht darauf zurück, dass die Fische im Fortpflanzungswesen etwas aus der Reihe tanzen. So gehören sie zu den seltenen lebendgebährenden Arten und die «Jungen» kommen quasi bereits erwachsen zur Welt. «Die Männchen sind bei der Geburt geschlechtsreif und die Weibchen sind es nach wenigen Tagen», so Thomas Jermann, Kurator des Vivariums.

Auch die Geburtspraxis der Fische ist erstaunlich: obschon entgegen der Schuppenrichtung, kommen die Jungen in Steisslage zur Welt, also Flosse voran. Dies nahmen die Tierpfleger überrascht zur Kenntnis, als ein Weibchen plötzlich eine zusätzlich Flosse zu tragen schien. «Da haben wir dran gezogen und ein fertiges Fischlein kam raus», schildert Jermann die Erkenntnis der Lebendgeburt in Steisslage.

baz.ch/Newsnet

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