«Im Vordergrund steht der Nutzen»

Die wirtschaftliche Bedeutung, der Fluglärm und der Bahnanschluss sorgenfür Fragen und Antworten an einem trinationalen Podiumsgespräch über den Flughafen.

Sie debattieren über die Zukunft des Euro-Airports (von links): Kathrin Amacker, Matthias Suhr, Marion Dammann, Peter Schenk, Christoph Brutschin, Rahel Bänziger, Gilbert Stimpflin.

Sie debattieren über die Zukunft des Euro-Airports (von links): Kathrin Amacker, Matthias Suhr, Marion Dammann, Peter Schenk, Christoph Brutschin, Rahel Bänziger, Gilbert Stimpflin.

(Bild: Nicole Pont)

Thomas Dähler

«Die Arbeit über die Grenzen hinweg ist für uns eine grosse Chance»: So formuliert es Gilbert Stimpflin, Präsident der Handelskammer Grand Est, an der Podiumsdiskussion über die ­Zukunft des Flughafens Basel-Mulhouse. «Wir müssen die Diskussion auf ein anderes Niveau heben, denn im Vordergrund steht der Nutzen», formuliert es der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin. Drei Organisationen haben am Mittwochabend zur trinationalen Debatte über die Herausforderungen für den Euro-Airport eingeladen, moderiert von Peter Schenk, Journalist bei der bz.

Es ist nicht alltäglich, dass die Handelskammer Frankreich - Schweiz, die Vereinigung für eine starke Region Basel-Nordwestschweiz und die Regio Basiliensis eine gemeinsame Veranstaltung organisieren. Die aktuellen Auseinandersetzungen um das Arbeitsrecht, den Fluglärm und die Pläne für den Bahnanschluss haben die überregionalen Or­ganisationen herausgefordert. Etwas neidisch blickten die Podiumsteilnehmer auf Genf, wo die Öffnungszeiten des Flughafens weniger unter Druck stehen, der Bahnanschluss längst realisiert ist und die Ceva als grenzüberschreitende S-Bahn den ­Betrieb dieses Jahr aufnimmt.

Exportorientierte Wirtschaft

Stimpflin verweist im randvollen Salon des Aviateurs am Euro-Airport auf die Bedeutung des Flughafens Basel-Mulhouse: Er ist der fünftgrösste Regionalflughafen Frankreichs, der drittgrösste der Schweiz und im Elsass der zweitwichtigste Arbeitgeber hinter Peugeot. «Wir brauchen den Flughafen für unsere exportorientierte Wirtschaft.» Das sehen Regio-Präsidentin Kathrin Amacker und die Lörracher Landrätin Marion Dammann auch so. Amacker sagt, der Flughafen sei ein Leuchtturm-Modell für die trinationale Zusammenarbeit. Dammann betont die Bedeutung des Flughafens für den Tourismus in Südbaden.

Für weniger moderate Töne sorgen an dem Podiumsgespräch die Baselbieter Parlamentarierin Rahel Bänziger, Vizepräsidentin des Schutzverbands, und Flughafendirektor Matthias Suhr. «Es geht nicht nur um Mobilität, sondern auch um Ruhe», sagt Bänziger. Keine einzige Massnahme gegen den Fluglärm sei bisher erfolgreich. Es brauche dringend ein Nachtflugverbot von 23 bis 6 Uhr. Suhr betonte: «Die Rahmenbedingungen eines Flughafens müssen stimmen.» Flug­gesellschaften wie der Haupt­carrier Easyjet würden in Basel bleiben, weil die Rahmenbedingungen stimmten und sie hier Geld verdienen könnten. «In Hamburg, Rom und Madrid ist der Betrieb eingeschränkt worden, und Easyjet hat seine Maschinen abgezogen.»

Dass der Lärm aber bekämpft werden muss, sind sich die Podiumsteilnehmer einig. Regierungsrat Brutschin sagt, dies sei der Akzeptanz des Flughafens geschuldet. Doch von heute auf morgen gehe dies nicht. Suhr weist darauf hin, dass der Flughafen bei den Massnahmen nicht frei sei. Der Vorschlag, auf Starts nach 23 Uhr zu verzichten, liege bei der französischen Luftfahrtbehörde zur Prüfung. «Wir haben gute Gründe vorgebracht, aber das Ergebnis ist offen.» Brutschin erklärt, die Schweizer Vertreter im Verwaltungsrat hätten die Kollegen aus Frankreich davon überzeugt. Doch man müsse wissen, dass in ganz Frankreich heute nur gerade ­Paris-Orly und Basel-Mulhouse überhaupt ein Nachtflugverbot kennen würden. Und in der Schweiz gelte in Genf die gleiche Regelung wie heute am Euro-Airport.

In Frankreich nicht üblich

Stimpflin erklärt, in Frankreich würden die Flughäfen noch mit vielen anderen Problemen kämpfen. Der Euro-Airport habe gegenüber anderen Flughäfen einen Vorteil, weil er einen internationalen Status habe. Brutschin ist froh, dass die Steuer­frage gelöst wurde. Der politische Vertrag sei ein grosser Erfolg. Es sei jedoch zu überlegen, ob auch ein Vertrag zum Arbeitsrecht möglich sei. Zurzeit gibt es Streitigkeiten um das Arbeitsrecht, weil Angestellte Entschädigungen nach französischem Recht einfordern.

Noch kein grünes Licht gibt es für den Bahnanschluss. Die Schweiz sei bereit und ihre Finanzierungsanteile mit dem Bahnausbauschritt 2030/35 ­gesichert, sagt Amacker. Frankreichs Entscheid steht aber noch aus. «Wir haben in Paris klargemacht, dass es für die wirtschaftliche Entwicklung alle Verkehrsträger braucht, auch die Bahn», sagt Stimpflin.

Doch auch hier stört Fluglärmkritikerin Bänziger den Gottesdienst: «Wir Grünen sind für den ÖV, wo es ihn braucht, hier braucht es ihn nicht», sagt sie. Die Bahn bringe mehr Passagiere und mehr Lärm. «Über den Bahnanschluss lässt sich mit uns nur diskutieren, wenn der Fluglärm zurückgeht.»

Kein Verständnis

Brutschin erklärt, es sei nicht der Euro-Airport, der auf den Bahnanschluss angewiesen sei; dieser könne schliesslich auch ein weiteres Parkhaus bauen. Der Bahnanschluss sei jedoch Bestandteil der künftigen Regio-S-Bahn. Die Direktverbindungen von Liestal, Laufen und Strassburg zum Euro-Airport seien Teile eines Gesamtkonzepts, die es für dessen Funktionieren brauche. Für die Passagiere und die Angestellten sei die Anfahrt mit der Bahn sinnvoll. Verständnis dafür, dass die Grünen dies anders sehen, hat Brutschin nicht.

Auch niemand sonst. Die ­Lörracher Landrätin Dammann wäre froh, wenn der Euro-Airport besser erreichbar würde. Sie hat dazu auch noch eine Neuigkeit auf Lager: Als Zwischen­lösung bis zur Realisierung des Bahnanschlusses plant Lörrach einen Probebetrieb für einen Bus von Lörrach über Haltingen und Saint-Louis zum Flughafen.

Basler Zeitung

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