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Im Gerichtssaal mit «Zürichs Kranker Horde»

Vor dem Basler Strafgericht flüchteten sich die angeklagten Hooligans in Erinnerungslücken und Ausreden.

Die Videoaufnahmen von Überwachungskameras zeigten, wie mehrere Männer in der Nähe des St. Jakob-Parks aufeinander losgehen und dabei nicht davor zurückschrecken, auch auf reglos am Boden liegende Verletzte einzuhauen oder einzutreten. Mitgemacht bei dieser Hooligan-Schlacht haben unter anderem Leute, die sagten, sie seien früher mit der militanten Fangruppierung «Zürichs Kranke Horde» in Verbindung gestanden. Heute aber wollen die meisten von ihnen jeden Kontakt zu diesen Ultras abgebrochen haben. Aber auch Anhänger des FC Basels sitzen unter den insgesamt 12 Beschuldigten, die sich wegen den gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Nacht vom 19. auf den 20. Mai vor dem Strafgericht Basel-Stadt verantworten müssen, dazu zwei Deutsche (baz.ch berichtete).

Wer hoffte, grosse Details über die Hintergründe des Konfliktes zu hören oder gar einen Einblick in die abgeschottete Hooligan-Szene zu erhalten, wurde am ersten Prozesstag enttäuscht. Die vor allem aus Zürich kommenden Beschuldigten gaben zwar zu, sich bei der Konfrontation beteiligt zu haben und einige bereuten auch, dabei gewesen zu sein. Aber mit Tritten gegen den Kopf der am Boden liegenden Opfer wollten sie ebensowenig zu tun haben. Auch erinnern konnten sie sich nicht, warum sie überhaupt nach Basel gefahren sind. Man wusste nur, dass es zu einer Konfrontation kommen würde. Zu welcher, sei nie klar gewesen. Aber «in der Szene» wisse man um solche Aufeinandertreffen.

Eintreffen der Angeklagten mit ihren Anwälten. Video: Mischa hauswirth

Ob auch diese Schlacht verabredet war wie bei den sogenannten Feld-Wald-Wiesen-Kämpfen unter verfeindeten Hooligan-Lagern, ist nicht klar. «Ich habe auf jeden Fall übertrieben, aber ich wollte sicher nicht, dass jemand bei dieser Auseinandersetzung stirbt», sagte ein 25-Jähriger aus Zürich, der wegen versuchter schwerer Körperverletzung angeklagt ist.

«Nicht mit so heftiger Konfrontation gerechnet»

Auch Basler stehen vor Gericht, da die Basler-Anhänger ihr «Territorium» gegen die Zürcher behaupteten und diese nach einem ersten Angriff zurückschlugen und dann durchs Lehenmattquartier jagten, wo es mehrmals brutal zur Sache ging. Ein Beschuldigter FCB-Anhänger sagte: «Aus dem Nichts heraus kam eine weissen Wand auf uns zugerannt, und wir wollten uns verteidigen.» Weiss deshalb, weil die Zürcher Angreifer verstärkt durch Fans vom Karlsruher Sportklub und dem Grasshoppersklub weisse T-Shirts trugen, um sich im Kampfgewühl besser erkennen zu können. Dass es zu einer solch heftigen Konfrontation kommen würde, damit habe er nicht gerechnet, sagte ein angeklagter 24-Jähriger aus Deutschland. Den Zahnschutz und die von Schlägern bekannten Quarzsandhandschuhe will er nur zum Eigenschutz mitgenommen haben, so wie auch andere Beschuldigte.

Mehrere der Angeklagten wollten zu den Vorfällen nichts sagen und auch niemanden belasten oder «verraten». Stattdessen verwiesen sie auf ihre Aussagen bei der Ersteinvernahme auf der Staatsanwaltschaft und auf ihren Lebenswandel seit dem Vorfall. Vor Gericht machten sie ihre Jobs, ihre Ausbildungen, ihre neuen Stellen oder ihre Abwendung von der Fanszene geltend, um eine möglichst milde Strafe zu erhalten. Als die Gerichtsvorsitzende Marcia Stucki (SVP) einen Beschuldigten fragte, ob er es sei, der auf dem Video zu sehen sei, so war sich dieser nicht sicher.

Fast alle der Beschuldigten sind bereits bei früheren gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen schon einmal oder mehrfach wegen Landfriedensbruch, einfacher oder versuchter schwerer Körperverletzung, Raufhandel, Gewalt und Drohung gegen Beamte oder einem Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz vorbestraft. Letzterer Gesetzesartikel kommt beim Abrennen von Pyrofakeln zur Anwendung. Ein 30-jähriger Baselbieter hat bereits einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe und Busse von 10’300 Franken erhalten, gegen die er aber rekurriert hat. Der Prozess dauert mehrere Tage. Das Urteil ist auf den 9. März angesetzt.

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