«Ich werde um den letzten Ball kämpfen»

Hans Furer, Initiator der Roger-Federer-Arena, über den Tennis-Star, die Schweizer Eigenschaften und die Basler.

So könnte die St. Jakobshalle nach einer Umbenennung dereinst aussehen.

So könnte die St. Jakobshalle nach einer Umbenennung dereinst aussehen.

Alessandra Paone

BaZ: Hans Furer, sind Sie ein Roger-Federer-Fan?
Hans Furer: Während der ersten zehn Jahre seiner aktiven Tenniskarriere konnte ich kein Spiel schauen, ohne fast einen Herzinfarkt zu bekommen. Ich dachte immer, er würde verlieren. Doch er siegte immer. Mit der Zeit wurde ich ruhiger, weil ich wusste, dass er es kann. Dass er das Spiel noch im letzten Moment wenden kann. Das ist eine besondere Eigenschaft. Als Schweizer bin ich mit der Erfahrung aufgewachsen, dass die Fussball-Nati immer 1:0 verliert. Sie spielte immer gut, siegte aber nie. Dann kam plötzlich dieser Federer und siegte immer. Das hat in vielen etwas ausgelöst. Die Erkenntnis, dass man auch als Schweizer ein Winnertyp sein kann. Das hat mich unglaublich fasziniert.

Und auch stolz gemacht?
Ich freue mich, wenn andere Erfolg haben. Aber ich definiere mich nicht über andere. Auch nicht über Roger Federer.

Seit 2012 setzen Sie sich dafür ein, dass die St. Jakobshalle nach Roger Federer benannt wird. Warum liegt Ihnen so viel daran?
2017 erteilte die Universität Roger Federer den Ehrendoktor der Medizin. Dies war ein hilfloser Versuch der Stadt Basel, ihn für seine Leistungen zu ehren. Eine völlig falsche Ehrung, die dann auch kritisiert wurde. Richtig wäre, die St. Jakobshalle in Roger-Federer-Arena umzubenennen. Das ist im Übrigen auch nichts Aussergewöhnliches. In Melbourne trägt die Arena den Namen des berühmten australischen Tennisspielers Rod Laver. Vorher hiess sie Flinders Park. In New York gibt es das Arthur-Ashe-Stadion, in Sidney das Ken-Rosewall-Stadion. Wir haben Thomas Kastl, den Geschäftsführer der St. Jakobshalle, gefragt, ob eine Umbenennung Nachteile bringen würde. Er meinte, die Namensänderung habe keinen Einfluss, er könne die Halle genau gleich weiterbetreiben.

Schon 2012 sagten sowohl der Baselbieter Landrat als auch der Basler Grosse Rat deutlich, dass sie keine Roger-Federer-Arena wollen. Sie versuchen es aber trotzdem noch einmal.
Der Grosse Rat hat sich schon ein paar Mal geirrt, zuletzt bei den Ruhestandsregelungen der Regierungsräte; da hat das Volk dann anders entschieden. Und auch in dieser Frage liegt das Parlament daneben. Ich spüre im Volk einen anderen Impuls.

Schweizer pflegen aber keinen Personenkult.
Es gibt in der Schweiz immer Stänkerer, die sagen, Roger Federer zahle hier keine Steuern und habe einen zu grossen Lebenswandel. Man kann immer etwas kritisieren. Es ist eine schweizerische Eigenschaft, dass jemand, der einen Kopf grösser ist als alle anderen, wieder auf die Einheitshöhe gestutzt wird. In Basel ticken wir zum Glück ein bisschen anders. Wir haben Erfolg, weil wir über den Tellerrand hinausschauen. Die Art Basel hätte sonst nie entstehen können.

Dass die Roger-Federer-Arena in der Verfassung festgeschrieben werden soll, könnte aber einigen zu weit gehen.
Eine Gesetzesinitiative hätte im schlimmsten Fall für ungültig erklärt werden können. Das wäre peinlich gewesen, weil wir als Initianten als unprofessionell dastehen würden. Und auch der Kanton hätte sich lächerlich gemacht. Die Fans würden nicht verstehen, weshalb man das Anliegen rechtlich abwürgt. Das wollten wir verhindern. Eine Verfassungsinitiative kann der Grosse Rat hingegen nicht als juristisch ungültig erklären. Er hat aber die Möglichkeit, das Anliegen in einen obligatorischen, referendumsfähigen Beschluss zu fassen und ihn dem Volk zu unterbreiten.

Nun muss aber erst einmal die Initiative zustande kommen. Wie wollen Sie vorgehen?
Wir haben zwei Konzepte: Einerseits benötigen wir 3000 Unterschriften. Dazu werden wir ein paar FCB-Spiele besuchen und dort sammeln. Andererseits lancieren wir eine Petition, die weltweit unterschrieben werden kann.

Die Petition hat vor allem symbolischen Charakter.
Ich war im Landrat Präsident der Petitionskommission. Eine Petition, die von mehreren Tausend Personen unterschrieben wird, beeindruckt das Parlament. Und nicht nur. Ich erhoffe mir, dass am Ende Regierungsrat Conradin Cramer von sich aus die Halle umbenennt.

Hatten Sie deswegen schon Kontakt mit Regierungsrat Cramer?
Ich habe ihn einmal auf dem Marktplatz getroffen und mit ihm darüber gesprochen. Er meinte, das Anliegen müssen von unten her kommen. Ein Regierungsbeschluss würde die Leute vor den Kopf stossen. Dafür habe ich Verständnis.

Was sagt Roger Federer zu den Plänen?
Er wurde selbstverständlich informiert und hat nichts dagegen, möchte sich aber nicht dazu äussern. Er stellt auch keine finanziellen Forderungen – das habe ich schriftlich verlangt, von seinem Anwalt unterschrieben.

Welche Ausstrahlung hätte eine Roger-Federer-Arena?
Als Roger Brennwald würde ich jubeln. Die Swiss Indoors wären auch ohne Roger Federer für die nächsten 20 Jahre gesichert – mindestens von der Nomenklatur her.

Ist Roger Brennwald involviert?
Wir haben Herr Brennwald kontaktiert, er möchte sich aber neutral verhalten.

Was sagen Sie denjenigen, die Sie für einen Spinner halten?
Einer muss in dieser Stadt ein Spinner sein. Das Volk hat ein Recht dazu, darüber abzustimmen, ob die Halle nach Roger Federer benannt werden soll. Ich werde jeden Entscheid akzeptieren. 2012 hat mein Engagement begonnen, und wie Roger Federer werde ich auch kurz vor dem Aus um den letzten Ball kämpfen.

Basler Zeitung

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