«Ich möchte, dass die Frau mich bewundert als Sieger»

Bei seinem umstrittenen Nietzsche-Symposium haute der Playboy Peter Buser einige Macho-Sprüche raus. Doch die Expertenrunde beeindruckte er damit kaum.

Zwei Elefanten im Raum: In der Mitte der Playboy Peter Buser, rechts von ihm eine Nietzsche-Büste.

Zwei Elefanten im Raum: In der Mitte der Playboy Peter Buser, rechts von ihm eine Nietzsche-Büste.

Simon Bordier

Die Auflösung der Geschlechterrollen ist für den Solothurner Bankier, Konzertveranstalter, Autor, Playboy und Nietzsche-Liebhaber Peter Buser (82) eine schreckliche Vorstellung. Es gebe nun mal Mann und Frau. «Wir können uns nicht von der Natur lösen», sagte er gegen Ende des von ihm einberufenen Nietzsche-Symposiums, das am Samstag in der Aula des Naturhistorischen Museums stattfand.

Und dann: «Wir brauchen den Krieg.» Mit Kommunikation allein kommt man Buser zufolge nicht weiter. «Schöne Liebe gibt es nur als Krieg», das sei seine Erfahung. Nach einem Streit könne man sich schliesslich wieder vertragen. Versöhnung sei das Schönste überhaupt.

In diesen Szenen wurde deutlich: Buser ist ein Macho, er haut irgendwelche starken Sätze raus und hängt einem überholten Geschlechterbild nach.

Keine Aggressionen

Buser wirkte allerdings nicht aggressiv. Die Sprüche scheinen sich bei ihm festgesetzt zu haben wie die paar Kilo an seinem Bauch, den er gar nicht gross zu verbergen sucht. Buser, der Playboy, liebt den kleinen Schockmoment, den seine Worte auslösen. Er liebt sie so, wie ein Rocker den Kitzel eines E-Gitarren-Akkords liebt. «L'envie d'avoir envie», heisst es bei Johnny Hallyday. Die Lust darauf haben, Lust zu haben.

Muss man Buser ernst nehmen? Einige Politiker und Aktivisten nehmen ihn sehr ernst. Im Vorfeld des Symposiums beklagte die Juso Basel-Stadt: «Peter Buser vertritt ein zutiefst sexistisches und diskriminierendes Weltbild, dem keine Plattform geboten werden darf!» Dem Historischen Museum Basel, das von Buser 400’000 Franken für seine laufende Nietzsche-Jubiläumsausstellung bekommen hat, schien die Kooperation mit dem Playboy zunehmend peinlich zu sein.

Und dann fehlte es nicht an handfesten Protestaktionen: Zu Beginn der Veranstaltung drangen rund 20 junge Aktivisten ins Naturhistorische Museum, um dort zu protestierten. Ein paar Minuten und ein falscher Feueralarm später war der Spuk vorbei.

Ein Playboy unter Experten

Auch die Gäste des Podiums hielten Buser die Stirn. Darunter waren Nietzsche-Experten wie Andreas Urs Sommer und Volker Gerhardt sowie bekannte Intellektuelle wie Thea Dorn und Matthias Politycki, um nur einige zu nennen. Eine illustre Runde, die sachlich, originell, manchmal leidenschaftlich diskutierte: Im ersten Teil ging es um Friedrich Nietzsche und sein umstrittenes, widersprüchliches Frauenbild, im zweiten um Genderfragen im hier und heute.

Buser hatte im akademischen Diskurs nicht viel zu melden, sass oft so stumm da wie die Nietzsche-Büste neben ihm. Im zweiten Teil sah er sich dann zu einer Intervention genötigt: Die Diskussion sei hoch stehend, konstatiere er, doch viele einfache Menschen könnten damit wohl nichts anfangen. Wie zum Beispiel könne man einem syrischen Immigranten begreiflich machen, dass Mann und Frau vor dem Gesetz gleich seien. Er, Buser, wäre froh um ein paar einfache Aussagen von seinen Gästen, mit denen man die Leute erziehen könne.

Die Philosophin Catherine Newmark antwortete ihm, dass Kommunikation und gutes Zuhören kein schlechter Anfang seien. Dies wollte dem Playboy allerdings nicht ganz einleuchten. Letztlich gehe es doch nicht um Kommunikation, sondern um Krieg, befand er (siehe oben).

Der Mann als Sieger

Einmal liess Buser einen Satz fallen, der in seiner Unbedarftheit und Offenheit fast schon rührend war: «Ich möchte, dass die Frau mich bewundert als Sieger.» Die Philosophin Svenja Flasspöhler gab daraufhin zu bedenken, dass Buser mit dieser Aussage im Grunde schon verloren habe: Wenn er sich unbedingt als Sieger fühlen wolle, so mache er sich von der Meinung des Gegenübers, von der Frau, abhängig; er sei ihr ausgeliefert.

Dem Playboy schien dieser Punkt irgendwie einzuleuchten. Er sagte: Er gestehe der Frau zu, dass sie eine Grösse besitze, die ihm als Mann abgehe. Denn die Frau habe es offenbar schlicht nicht nötig zu siegen, sie könne ihm den Vortritt lassen.«Muss ich jetzt an mir arbeiten?», fragte er halb scherzhaft in die elfköpfige Runde.

«Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!»Zitat aus Friedrich Nietzsches «Also sprach Zarathustra»

Buser wollte bemerkt haben, dass bei Nietzsche Hunderte Male von Kriegern, aber nie von einer Kriegerin die Rede sei. Und er sah sich insofern in seinem Bild von Mann und Frau bestätigt. Das liessen ihm die anderen Teilnehmer aber nicht durchgehen. Nietzsche habe sich seiner angebeten Lou Andreas-Salomé oft unterlegen gefühlt, entgegnete jemand. Und was den berühmt-berüchtigten Satz angehe: «Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!», so sei nicht klar, wer letztlich die Peitsche halte – Mann oder Frau.

In Anbetracht des hoch emotionalen Themas – Gender – und der grossen Zahl an Gästen, verlief die Diskussion erstaunlich sachlich. Man hörte zu, liess einander aussprechen, ging in die Tiefe.

Offenbar war Buser und seinen Organisatoren auch die Frauenquote wichtig: Auf der Bühne diskutierten fünf Männer und sechs Frauen. Der zwölfte im Bunde, der Autor Martin Walser, hatte aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Im hinteren Teil des Saals hockte zudem ein Aufpasser, der die Sprechzeit der Diskutantinnen und Diskutanten mass und diese hin und wieder auf ihr verbliebenes Zeitbudget hinwies. Viele Besucher fanden sich allerdings nicht zu der Veranstaltung ein, die im Vorfeld so hohe Wellen geschlagen hatte. Am Schluss waren es vielleicht so gegen 50.

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