«Ich hätte mir gewünscht, dass meine Tätigkeit anders beendet wird»

Regierungsrat Carlo Conti tritt nach 14 Jahren zurück. Er spricht über seine Versäumnisse, Konsequenzen und über die letzten kommenden Monate im Amt.

«Ich habe mich nicht sorgfältig genug darum gekümmert», sagt Carlo Conti.

«Ich habe mich nicht sorgfältig genug darum gekümmert», sagt Carlo Conti.

(Bild: Kostas Maros)

Wie schwer ist Ihnen der Rücktrittsentscheid gefallen?
Sehr schwer. Ich hätte mir gewünscht, dass meine Tätigkeit in der Basler Regierung unter anderen Vorzeichen beendet wird. Doch nachdem ich über die Festtage einen Überblick über die buchhalterischen Fehler, Versäumnisse und Ungenauigkeiten gewonnen habe und nach reiflicher Überlegung, bin ich für mich persönlich zum Schluss gekommen, dass es richtig ist, als Regierungsrat im Sommer aufzuhören.

Was gab letztlich den Ausschlag?
Ich habe diese Fehler gemacht und ich will und muss dazu stehen. Ich entschuldige mich bei der Basler Bevölkerung ausdrücklich dafür.

Sie gelten als Familienmensch. Haben Sie Ihren Rücktritt auch in der Familie diskutiert?
Selbstverständlich. Auch hier war die Meinung einhellig: Wer einen Fehler macht, steht dazu und versucht, ihn zu bereinigen.

Die Bereinigung hat mit der Rückzahlung der Gelder aber eigentlich stattgefunden. Trotzdem sind Sie nun noch einen Schritt weitergegangen und erklären Ihren Rücktritt. Weshalb?
Das ist meine ganz persönliche Konsequenz, die ich aus diesen Fehlern ziehe, die ich auch alleine zu verantworten habe.

Sie sehen die Fehler also allein bei sich. Hätten nicht auch andere Stellen in Ihrem Departement merken müssen, dass bei der Verbuchung der Gelder etwas falsch läuft?
Ich habe mich nicht richtig um diese Dinge gekümmert und war zu wenig sorgfältig. So kam es zu Missverständnissen und unkorrekten Buchungen. Dafür trage einzig und allein ich die Verantwortung. Mitarbeiter können nichts dafür, denn ich hätte ihnen die entsprechenden Instruktionen geben müssen.

Hat die Honorar-Affäre in Baselland dazu geführt, dass Sie Ihre eigenen Bezüge wieder überprüft haben?
Das war sicher ein Anstoss. Und ich habe mich dann sehr darüber geärgert, dass ich das nicht schon viel früher gemacht habe.

Sie waren auch noch nach 14 Jahren ein sehr engagierter Regierungsrat. Amtsmüdigkeit hat also den Rücktrittsentscheid nicht verstärkt?
Ich bin seit 14 Jahren Regierungsrat und dies sehr gerne. Natürlich hätte ich mich auch einmal zurückgezogen. Aber nicht zu diesem Zeitpunkt und nicht unter diesen Umständen. Trotzdem ist der Schritt für mich richtig.

Wie hat Ihre Partei, die CVP, auf den Rücktritt reagiert?
Ich habe den Parteipräsidenten Lukas Engelberger frühzeitig informiert und ihn über alle meine Schritte auf dem Laufenden gehalten.

Werden Sie bei der Nachfolgeregelung mitreden?
Nein, das ist nicht meine Aufgabe. Die Partei muss jetzt die entsprechenden Entscheide fällen und bestimmen, wie es weitergeht.

Glauben Sie, dass die CVP ihren Sitz in der Regierung halten kann?
Selbstverständlich wünsche ich mir, dass die CVP auch künftig in der Basler Regierung vertreten ist.

Sie sind von sich aus tätig geworden und haben Ihre Bezüge kontrolliert. Denken Sie, dass auch andere Regierungsmitglieder damit möglicherweise Probleme haben?
Es ist eigentlich klar, wie das ablaufen muss. Ich habe mich nicht sorgfältig genug darum gekümmert und meine Einkünfte nicht korrekt gemeldet. Ich gehe aber davon aus, dass ich der Einzige in der Basler Regierung bin, der solche Fehler gemacht hat.

Wie werden Sie die verbleibenden Monate im Amt gestalten? Haben Sie noch bestimmte Ziele?
Ich werde meine Arbeit einfach weiter machen. Es gibt einige Dossiers, die ich vorantreiben werde. Es kann nicht die Meinung sein, dass die Arbeit im Departement in den nächsten Monaten nicht richtig weiter gemacht wird. Nein, ich will meine Aufgabe mit dem notwendigen Einsatz bis zum letzten Tag erfüllen.

Basler Zeitung

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