Hinfort mit Feinstaub und Lärm

In Saint-Louis trafen sich Nachbarn, um das Vorgehen gegen die Flugbelastung durch den EuroAirport abzustimmen.

Anwohner wollen ein Nachtflugverbot erstreiten.

Anwohner wollen ein Nachtflugverbot erstreiten.

(Bild: Dominik Plüss)

Mischa Hauswirth

Die Stimmung war konzentriert und zurückhaltend. Aber in den Leuten brodelte es sichtlich. Die Geduld bezüglich Fluglärmbelastung erreicht bei vielen Anwohnern allmählich ihre Grenzen. Rund 100 Anwohner und Fluglärmgegner trafen sich am Donnerstagabend in Burgfelden. Thema: die Risiken, welchen all jene ausgesetzt sind, die in der Nähe des Flughafens wohnen.

«Es geht nicht nur um den Lärm», sagt Bruno Wollenschneider, Präsident der Anwohnervereinigung Association de Défense des Riverains de l’Aéroport (Adra). «Durch die hohe Zahl von Flügen jährlich steigt die Feinstaubbelastung. Ein Problem, von dem die Öffentlichkeit noch viel zu wenig weiss.»

Flugbeschränkung gefordert

Wollenschneider erzählt von Studien, die belegen würden, dass die chronisch hohe und durch den Flugverkehr bedingte Feinstaubbelastung die Krankheitsfälle in der Region rund um den Flughafen habe ansteigen lassen. Vor allem Herz-Kreislauf-Belastungen würden zunehmen. Das sei nicht nur etwas, das ein paar wenige betreffe; die Öffentlichkeit könne das nicht länger ignorieren. «Es würde Möglichkeiten geben, etwas zu ändern an der Situation, aber weder Behörden noch Flughafenbetreiber bewegen sich wirklich», sagt Wollenschneider.

In einem ersten Schritt fordert die Adra – nicht zum ersten Mal –, keine Nachtflüge nach 23 Uhr mehr zuzulassen. Noch landen jeweils gut 100 Flugzeuge zwischen 23 und 24 Uhr, darunter auch die deutlich grösseren Frachtflugzeuge. Eine Reduktion auf mindestens sieben Nachtstunden ohne Flüge würde für den Flughafen keine zu grossen Einschränkungen bedeuten, aber für die Anwohner viel an Lebensqualität zurückbringen, sagt Wollenschneider. «In Zürich und Frankfurt gibt es nach 23 Uhr auch keine regulären Flüge mehr.»

Der EuroAirport ist anderer Ansicht und hat bereits mehrfach dazu gesagt, dass eine Ausweitung des Nachtflugverbots viele Probleme schaffe, etwa für die Expressfracht oder die verspäteten Anflüge von Easyjet. Solche Flüge müssten dann bis nach Lyon umgeleitet werden, was für die Passagiere enorme Zusatzzeit für die Rückreise und Unannehmlichkeiten bedeuten würde.

Die Adra sieht die Politik am Zug. «Wir erwarten nicht nur von den französischen Behörden, sondern auch von Elisabeth Ackermann von der basel-städtischen Regierung, dass sie etwas tut in der Angelegenheit», sagt Wollenschneider. Die Forderung: die Zahl der Flüge auf 100000 beschränken. Im ver­gangenen Jahr zählte der EuroAirport knapp 100000 Flüge, das bei jährlich wachsenden Pas­sagierzahlen und immer mehr ­Destinationen, die gerade in den Sommermonaten von Basel aus angeflogen werden.

Wo bleibt der Klimaschutz?

Für die Adra hat die Region Basel gar keine andere Wahl, als ­etwas gegen den wachsenden Flugverkehr zu unternehmen. «Vom Feinstaub sind alle betroffen in der Region», sagt Wollenschneider. Und an die Adresse der Politiker ergänzt er: Sich auf der einen Seite für mehr Klimaschutz zu engagieren und auf der anderen Seite keine griffigen Massnahmen beim EuroAiport zu installieren, gehe für ihn ­einfach nicht auf. Neben dem Klimaschutz sei auch der Gesundheitsschutz für die Bevölkerung zentral.

Im Bereich der Feinstaub­belastung will die Adra künftig offensiver die Menschen in der ­Region – im gesamten Dreiland – sensibilisieren.

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