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Hier zieht das Sinfonieorchester Basel ein

Mit dreijähriger Verspätung wird nächsten April ein neues Probelokal am Basler Picassoplatz eröffnet. Die umgenutzte Kirche ist ein architektonisches Bijou, wie ein Rundgang auf der Baustelle zeigt.

Blick ins neue Probezentrum: Die Orgel im Hintergrund soll revidiert und wieder spielbar gemacht werden.
Blick ins neue Probezentrum: Die Orgel im Hintergrund soll revidiert und wieder spielbar gemacht werden.

Seit Jahren herrscht ein Mangel an Orchester-Proberäumen in der Region, der sich durch die bau­bedingte Stadtcasino-Schliessung nochmals verschärft hat. Doch die Erlösung naht: 2020 wird nicht nur Basels grösster Konzertsaal wiedereröffnet, sondern mit der Umnutzung von zwei leer stehenden Kirchen – der Don-Bosco-Kirche sowie der «Ersten Kirche Christi, Wissenschafter» am ­Picassoplatz – erhalten Musiker zusätzlich Luft.

In beiden Fällen geht es um millionenschwere Umbauprojekte mit mindestens einem grossen Proberaum. Daneben gibt es Platz für Notenarchive, Instrumentendepots, Büros für die ­Orchesteradministration sowie Infrastruktur, um kleine Konzerte durchzuführen. Während das Don-Bosco-Projekt privat finanziert wird, fungiert am Picassoplatz der Kanton Basel-Stadt als Bauherr. Als Hauptmieter ist dort das Sinfonieorchester Basel (SOB) vorgesehen.

Lichtdurchfluteter Saal

Ein Baustellenrundgang in der Ersten Kirche Christi zeigt: Das Orchester erhält mit dem zweistöckigen Kirchenbau nicht einfach ein neues Zuhause, sondern tritt zudem ein architektonisches Erbe an. Entworfen hat die Kirche der Schweizer Otto Rudolf Salvisberg (1882–1940), der in den 30er-Jahren auch als Hausarchitekt von Roche wirkte. Für den Pharmariesen entwarf er modern-schlichte, technisch avancierte Bürohäuser und Anlagen, die in Basel formbildend wirkten.

Schlicht, jedoch alles andere als unterkühlt wirkt Salvisbergs Kirche. Dank seitlichen Fensterfronten wird der Hauptsaal von Licht durchflutet. Längsbalken an der Holzdecke und die rhythmisierten Fensterfronten betonen die Raumtiefe des Saals. Das Spiel mit Proportionen und Licht verleiht dem Gebäude zudem eine gewisse Leichtigkeit.

Im oberen Stock wartet ein nicht minder lichter Raum. Hier veranstaltete die Freikirche früher ihre Sonntagsschule. Ursprünglich sollte daraus ein zweiter Proberaum werden. Dieser hätte jedoch besondere Massnahmen erfordert, um ihn vom unteren Hauptsaal akustisch zu isolieren. Mit einem solchen Eingriff war der Denkmalschutz nicht einverstanden. Stattdessen zieht nun das Orchesterbüro mit seinen 18 Mitarbeitern dort ein. Nicht zuletzt wegen solcher Komplikationen verzögerte sich der Kirchenumbau um drei Jahre. Bezüglich der Kosten für die Kirchenrenovierung, die der Kanton veranlasst hat, herrscht Intransparenz (siehe Box).

Ab April 2020 will das Sinfonieorchester sein neues Zuhause für Proben nutzen, aber es auch für Aussenstehende – andere Instrumentalensembles, Chöre – öffnen. Um die Auslastung der verschiedenen Säle der Region zu ­optimieren, wurde mit den Don-Bosco-Verantwortlichen eine gemeinsame Anmelde­plattform im Internet lanciert.

Spendenaktion gestartet

Neben Proben sind im Saal auch kleinere Workshopkonzerte vorgesehen. Man sei überzeugt, dass die neue Lokalität sinnstiftend wirke nach innen wie nach aussen, sagt Marketingleiter Andreas Lucco. «Die zentrale Lage ist ein weiterer Vorteil», sagt er. Das Publikum könne das Orchester fortan mit einem Ort in Verbindung bringen, es werde greifbarer.

Das Gebäude wird derzeit umfassend renoviert. Bauliche Veränderungen sind aus denkmalpflegerischen Gründen nicht möglich, gemäss Orchesterdirektor Franziskus Theurillat aber auch nicht nötig. Das SOB habe auch schon in dem Saal gespielt, und dieser sei von drei verschiedenen Akustikern vermessen worden. «Der Raum hat ein recht gutes natürliches Akustikverhalten», sagt er. Akustische Massnahmen erstreckten sich vor allem auf das Hängen von speziellen Akustikvorhängen sowie einigen Panels. Damit sich die Musiker optimal im Raum aufstellen können, wurde ein abgestuftes Podium eingebaut.

Die Einrichtung des Zentrums muss das SOB selber berappen. Um die Notenständer, Musikerstühle, einen Konzertflügel und weitere Objekte zu finanzieren, wurde eine Spendenaktion gestartet. Als Ziel wurden 750000 Franken angegeben (sinfonieorchesterbasel.ch/fundraising).

Dass derzeit auch die Casino-Gesellschaft auf der Suche nach Spendern für das renovierte Stadtcasino ist, weiss man beim SOB. Man habe mit dem eigenen Spendenaufruf zugewartet, um das andere Projekt nicht zu konkurrenzieren, sagt Lucco. «Wir pflegen ein sehr gutes Verhältnis zur Casino-Gesellschaft.» Man möchte das gute Verhältnis auch weiterhin pflegen, denn das Orchester beabsichtigt, in Zukunft die ganz grossen Orchesterwerke im neuen Casino zu proben, da das Raumvolumen im Probezentrum Picassoplatz dafür eher knapp bemessen ist.

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