«Herbschtmäss» mitten im August

Das 35. Saisonprogramm des Circus Monti bringt den Jahrmarkt auf die Basler Rosentalanlage und begeistert dabei mit viel Tanz.

Der Circus Monti vermittelt den Jahrmarkt auf sympathische, komische und akrobatische Weise.

Der Circus Monti vermittelt den Jahrmarkt auf sympathische, komische und akrobatische Weise.

Der Regen prasselt auf das grosse Zirkuszelt. Verglichen mit der Aussentemperatur, ist es innen warm. Es herbstet im August. Wie gut das Programm passt, das der Circus Monti heuer auf die Rosentalanlage bringt: der Jahrmarkt oder «Jour de Fête».

Die Dorfgemeinschaft der vierzehn Artisten vermag es von Beginn an, die Achterbahn der Gefühle, die ein Jahrmarkt hervorrufen kann, auf sympathische, komische und akrobatische Weise zu vermitteln. Das Herz schlägt höher beim Anblick des Riesenrads. Man ist ausgelassen und lustig, man verliebt sich auch, man wird übermütig, man muss Abschied nehmen vom Jahrmarkt.

Schier unmögliche Verrenkungen

Gelächter lösen nicht nur die komischen Figuren aus, die gekonnt die Zuneigung des Publikums gewinnen. Auch das Rhönrad, in das sich alle Artisten gleichzeitig hineinpressen, dient auf lustige Weise als Achterbahnwagen. Hier wird eine kollektive Leistung dargeboten. Das Rhönrad dient aber auch einem romantischen Spiel zwischen Frau und Mann und einem rasanten, aber freundschaftlichen Gegenspiel zweier Rivalen, das den Wettstreit von Breakdance imitiert. Das Basler Publikum mag sich belustigt an den Schüttelbecher auf der Kaserne erinnern.

Der Chinesische Mast steht bei ruhigeren Szenen im Mittelpunkt. Die bezaubernde Darbietung des Paars Emilie und Julien Silliau aus Frankreich ist artistisch kraftvoll und präzise. Und diese Zweisamkeit wird passend von Emanuela Kubit am Cello unterstrichen. Auch der Clownin hat es der Chinesische Mast angetan: Eline Guélat beeindruckt mit komischer Beweglichkeit, wenn sie in schier unmöglichen Verrenkungen am Masten klebt und irgendwo zwischen Armen und Beinen ins Publikum schaut. Spielerisch klettert sie hoch und runter, bis sie von ihrem Gefährten davongeschleift wird.

Leichtfüssiger Tanz

Aus der Zweisamkeit entspringt die gemeinschaftliche Heiterkeit, die in Torheit ausartet. Der Zuschauer spürt, wie die Choreografin, Colette Roy-Gfeller, das Zusammenspiel der Artisten perfekt abgestimmt hat, ohne deren Individualität ausser Acht zu lassen. Überhaupt scheint die Vorstellung ein leichtfüssiger Tanz zu sein. Jeder Griff wird musikalisch von der Band um Kapellmeister Piotr Gunia untermalt und in einen emotionalen Rahmen gefasst. Der gesellschaftliche Tanz gipfelt in wilden Sprüngen und Saltos, die erneut die Artistik betonen. Und in einer Schlägerei jeder gegen jeden in Zeitlupe, was augenscheinlich nicht nur dem Publikum Spass bereitet, sondern auch den Akteuren selbst.

Die Präsenz des Bürgermeisters, gespielt von Zirkusdirektor Johannes Muntwyler, vermag das wilde Treiben der Charaktere wieder zu disziplinieren und in eine hoch konzentrierte Gruppenjonglage zu verwandeln. Er ist es auch, der die Romantik des Jahrmarkts mobilisiert und mit dem Zirkuscharme verbindet: In einem Autoscooter erscheint er um die Beine gekürzt, die er zuvor in seiner Nummer der komischen Illusion verloren hatte.

Kreisrundes Ganzes

Die Verbindung der Darbietungen mit Gruppennummern, die Abstimmung mit der musikalischen Begleitung und der Einbezug der visuellen Mittel wie das halbe Riesenrad ergeben ein kreisrundes Ganzes, zu dem auch der Zuschauerraum gehört.

Die Zuschauer honorieren die Leistung mit stehenden Ovationen. Und manche mögen beim Austreten in die frische Augustnacht unbewusst nach den«Butschauteli» gesucht haben.

Der Circus Monti gastiert noch bis Sonntag, 25. August 2019, auf der Rosentalanlage. www.circus-monti.ch

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