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Handelskammer setzt auf Kontinuität

Neuer Direktor Martin Dätwyler will mehr Mitwirkung in regionalen Parlamenten und in Bern.

Christian Keller
Er kennt «die grösste Wirtschaftskammer der Schweiz» (Zitat Schneider-Schneiter) in- und auswendig.
Er kennt «die grösste Wirtschaftskammer der Schweiz» (Zitat Schneider-Schneiter) in- und auswendig.
Nicole Pont

Diese Wahl ist wahrlich keine Überraschung: Mit dem Entscheid des Vorstands, Martin Dätwyler zum neuen Direktor der Handelskammer beider Basel (HKBB) zu ernennen, setzt der Wirtschaftsverband unter Präsidentin und CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter auf die Fortsetzung des bisherigen Kurses. Dätwyler arbeitet seit 2002 bei der HKBB, seit 2011 in der Funktion als stellvertretender Direktor und Abteilungsleiter Standortpolitik. Er kennt «die grösste Wirtschaftskammer der Schweiz» (Zitat Schneider-Schneiter) in- und auswendig.

Wie die HKBB-Präsidentin an einem Pressegespräch erklärte, sei beim Selektionsverfahren zwar eine Shortlist mit sechs valablen Kandidaten zusammengestellt worden. Man sei allerdings zur Erkenntnis gelangt, dass der neue Direktor fast eine «eierlegende Wollmilchsau» sein müsse, wenn er all die verlangten Qualifikationen erfüllen wolle. Aufgrund von Dätwylers «breiter Erfahrung und langjähriger Mitarbeit im Verband» sowie seiner «Offenheit für Neues» eigne er sich bestens für die Führungsaufgabe, verfüge er doch exakt über das gewünschte Profil.

Schneider-Schneiter sieht eine Reihe von Herausforderungen, die sie zusammen mit dem neuen operativen Chef anpacken will. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Handelskammer noch mehr an Stärke zulegt, um die Interessen des Werkplatzes Schweiz zu verteidigen. Ich denke hierbei aktuell vor allem an die eidgenössische Steuervorlage 17, die für unsere Mitglieder von fundamentalem Interesse ist.»

Der Druck auf die Unternehmen nehme diesbezüglich ständig zu, zeigte sich Dätwyler besorgt. Die privilegierte Besteuerung von Holdings und Konzernen, zu denen beispielsweise auch Roche und Novartis zählen, werde international schon lange nicht mehr akzeptiert. In der Schweiz müsse nun endlich eine politische Lösung gefunden werden. Dafür wolle er sich einsetzen.

Dätwyler sieht die HKBB grundsätzlich gut aufgestellt, weshalb es bezüglich personeller Besetzung und Ausrichtung kaum zu fundamentalen Änderungen kommen dürfte. Der 48-jährige studierte Geograf und Biologe sieht sich in erster Linie in der Rolle als «Interessenvertreter und Impulsgeber». Es gehe darum, in der Region und immer mehr auch auf Bundesebene gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die HKBB-Mitglieder zu schaffen.

Politische Ambitionen unklar

Auf die Frage, ob er wie sein Vorgänger Franz Saladin Ambitionen für ein Mandat in Bern hege, gab sich Dätwyler zurückhaltend. «Für mich steht die Arbeit im Verband im Vordergrund.» Es scheint indes unwahrscheinlich, dass das in Laufen wohnhafte FDP-Mitglied ernsthaft eine Kandidatur für die Nationalratswahlen 2019 ins Auge fasst – auch wenn der verheiratete Vater einer Tochter dies derzeit öffentlich nicht ausschliesst. Das mögliche Worst-Case-Szenario wird die Handelskammer kaum riskieren wollen: So könnte es 2019 theoretisch dazu kommen, dass Schneider-Schneiter ihr CVP-Mandat verliert, während Dätwyler den Sprung als FDP-Mann in den Nationalrat schafft. In diesem Fall wäre der Direktor schuld an der Abwahl der Präsidentin. Eine wenig erbauliche Vorstellung.

Als klare Ansage des neuen HKBB-Duos Schneider-Schneiter und Dätwyler ist der Anspruch zu verstehen, in den regionalen Parlamenten mehr Einfluss und bessere Kontakte zu gewinnen. Für diesen Zweck sollen sich Mitarbeiter und dem Verband nahestehende Personen für politische Ämter zur Verfügung stellen. Ob Dätwyler sich vorstellen kann, dereinst als Landratskandidat anzutreten, bleibt allerdings offen.

In diesem Zusammenhang aufs Baselbiet angesprochen, hielt Schneider-Schneiter am vor einiger Zeit ausgesprochenen Ziel fest, im Landkanton mehr Mitglieder zu gewinnen. «Die Kurve zeigt beständig nach oben, was sehr erfreulich ist.» Ob hierfür auch die schwere Krise der Baselbieter Wirtschaftskammer verantwortlich ist, wollte die HKBB-Spitze nicht kommentieren. Dätwyler strich hervor, dass in der Handelskammer nicht nur die ganz grossen Firmen, sondern auch viele Gewerbebetriebe beheimatet seien. «Das hat seinen Grund: Die KMU-Politik ist zentral für die HKBB», sagte Schneider-Schneiter.

Spannend wird zu verfolgen sein, ob sich Dätwyler bei den grossen Themen wie der Stadtentwicklung pointierter positionieren wird als sein Vorgänger. In manchen Dossiers – etwa beim Streit um das Lysbüchel-Areal – wirkt die Haltung der HKBB diffus. So will man das Lysbüchel zwar als Wirtschaftsfläche erhalten, befürwortet aber trotzdem eine teilweise Wohnnutzung. Dätwyler hielt gestern fest: «Auf keinen Fall darf es zu einer Blockierung dieser so wichtigen Wirtschaftsfläche kommen. Darum sind wir kompromissbereit.»

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