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Hässlich hoch hinaus

Der Meret-Oppenheim-Neubau stösst im Gundeli auf Kritik. Das Hochhaus sah im Modell filigran aus. In der Realität wirkt der Bau jedoch alles anders als elegant.

Plötzlich überragt er alles, der düstere Koloss, der derzeit im Gundeldinger-Quartier erstellt wird.
Plötzlich überragt er alles, der düstere Koloss, der derzeit im Gundeldinger-Quartier erstellt wird.
Nicole Pont
Das Modell der Architekten versprach einst ein elegantes Gebäude.
Das Modell der Architekten versprach einst ein elegantes Gebäude.
Visualisierung © Herzog & de Meuron
Von der Frobenstrasse aus gesehen wirkt das Hochhaus im Gundeli wie ein massiver optischer Riegel.
Von der Frobenstrasse aus gesehen wirkt das Hochhaus im Gundeli wie ein massiver optischer Riegel.
Nicole Pont
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Ein architektonisches Monstrum wächst in den Basler Himmel. Wenn man den Blick aus der Distanz darauf richtet, gleicht es einem unbezwingbaren Berg: eine Eigernordwand mitten in der Stadt. Betrachtet man das Monstrum aus der Nähe, verschlägt es einem den Atem. Es spuckt zwar weder Pech noch Schwefel, aber es ist 81 Meter hoch, wirkt düster, klobig und klotzig – fast macht es Angst.

Entsteht beim Meret-Oppenheim-Platz an der Güterstrasse im Gundeldinger-Quartier ein nuklearer Versuchsreaktor? Ein orwellsches Ministerium für Wahrheit? Nein, die SBB lassen hier von den Architekten Herzog & de Meuron ein Gebäude errichten, das laut Eigenwerbung dank seiner «kubischen Grundstruktur» eine «gewisse Leichtigkeit» ausstrahlen soll. Es wird «Traumwohnungen mit einem atemberaubenden Ausblick» bieten, wenn es 2019 bezugsbereit ist.

Atemberaubend sind derzeit aber vor allem die abweisende Silhouette des Baus, der an einen schlecht proportionierten, aus schlammgrauen Containern errichteten Turm erinnert, und die metallenen Vorhänge, welche die dahinter liegenden Fenster verstecken. Die verschiebbaren Gitter sehen aus wie Kugelfänge.

Angesichts dieser brutalen baulichen Realität wirkt das Versprechen, das Meret-Oppenheim-Hochhaus mit seinen 19 Etagen werde nach der Vollendung verspielt und luftig wirken und einen Glanzpunkt setzen im Quartier, wie ein schlechter Witz.

«Gleich wieder sprengen»

Am Dienstagmorgen steht Dieter Brogli, ehemals Mitarbeiter der Roche und heute pensioniert, an der Tramstation nahe der Baustelle. Er schaut ungläubig zu den Arbeitern hinauf, die hoch oben auf einem Gerüst herumturnen. Brogli wohnt gleich vis-à-vis des Neubaus – und hat sein Urteil gefällt. «Diese Architektur ist grausam», sagt er, «sie ist etwas vom Hässlichsten, das ich je gesehen habe.»

Als die ersten Stockwerge hochgezogen wurden, sei er noch optimistisch gewesen: «Es sah nicht mal so schlecht aus.» Jetzt aber müsse er jedes Mal, wenn er seine Wohnung verlasse und den Blick über die Strasse schweifen lasse, den Kopf schütteln. Das «graue Ding» sei derart überdimensioniert, dass es für ihn nur eine Lösung gebe: «Man müsste es gleich wieder sprengen.»

Brogli ist mit seiner Meinung nicht allein. Die Kellnerin vom Restaurant 100 sagt ohne Umschweife: «Eine Katastrophe! Das Hochhaus sieht aus wie ein Gefängnis.» Viele ihrer Kunden kämen zum selben Schluss, sagt sie, dann tischt sie wieder Bier auf.

Eine Passantin bemerkt: «Als der Bau noch eingerüstet war, wirkte er einladender. Aus der Distanz gleicht er einer dunklen Wolke am Horizont.» Caroline Aeschler, Köchin eines Restaurants, findet ein einziges Wort, bevor sie sich wieder ihren Pfannen zuwendet: «Hochsicherheitstrakt».

Stefano und Doris Filippini von der Kaffeerösterei La Columbiana freuen sich zwar darauf, dass in ein paar Monaten Mieter und ein Restaurant einziehen werden: «Das bringt Leben ins Gundeli, nachdem lange tote Hose geherrscht hat.» Von der Architektur seien sie aber enttäuscht: «Wir hätten uns eine spielerischer gestaltete Fassade gewünscht.»

«Ein Schandfleck»

Wer immer sich äussert, übt Kritik: Wie ein «Riegel» sei das Hochhaus, «erschlagend», «zu gross», «plump», «ein Schandfleck». Marlies Stöcklin, Inhaberin des «Nähateliers», meint: «Wenn dann einmal Leute eingezogen und einige Fensterblenden geöffnet sind, könnte die Fassade weniger abweisend wirken.» Ein älterer Herr sagt: «Vielleicht gewöhnen wir uns ja eines Tages daran.»

Der Turmbau zu Basel erregt die Gemüter, die Hoffnung stirbt zuletzt.

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