Hängende Gärten im Klybeck-Areal

Das Klybeck plant schon eifrig die Transformation des riesigen Areals im Kleinbasel.

Rund 40 Fussballfelder. 30 Hektaren gross ist das Transformationsareal Klybeck, das vom Rhein bis zur Wiese reicht.

Rund 40 Fussballfelder. 30 Hektaren gross ist das Transformationsareal Klybeck, das vom Rhein bis zur Wiese reicht.

Die Zukunft des Klybeck-Areals – ein grosses Thema, besetzt momentan vor allem von der kreativen, alternativen Szene. Das 30 Hektaren grosse Areal wird von den Chemie-Firmen BASF und Novartis freigegeben und dürfte in wenigen Jahren zur Überbauung zur Verfügung stehen. «Vom Chemie-Labor zum Stadt-Labor», kalauerte denn auch Moderator Roger Ehret, bevor er an einem Podium im Unternehmen Mitte am Freitagabend dem neuen Stadtentwickler Lukas Ott das Wort übergab. «Glücklich eine Stadt, die über relevante Flächen verfügt, wo sie sich weiterentwickeln kann», sagte dieser. Doch eines sei klar: «Man kann Stadtentwicklung nur mit den Einwohnern zusammen machen.»

Dafür sorgt denn auch der einladende Verein Zukunft.Klybeck seit längerer Zeit. Die tragende Figur ist Christoph Moerikofer, ein 53-jähriger Zweimeter-Mann, von Beruf Schauspieler und Erwachsenenbildner. Ihm liegt am Herzen, Menschen verschiedenster Ausrichtungen in den Klybeck-Entstehungsprozess einzubinden.

Diversifikation, dieser Ausdruck fiel auf dem Podium mehrfach. Die Soziologin Aline Schoch, die in Kopenhagen gelebt hat, betonte, im Klybeck müsse spontan Gewachsenes wie geordnet Aufgebautes Platz haben. «Verschiedenheit ist für Basel erstrebenswert.»

In dieser Runde fehlte auch Architektin Barbara Buser nicht. Ihre Domäne ist die Belebung von Industriebrachen, und sie plädierte stark dafür, in einem solchen neuen Stadtteil auch Neues zuzulassen. Sie sprach von «einem Schmelztiegel der Ideen.»

Als Vertreterin der Bürgerlichen war CVP-Grossrätin Andrea Knellwolf vor Ort. Sie betonte, dass auf dem Areal kein Ghetto entstehen dürfe, sondern es durchlässig sein solle. «Ich bin skeptisch, wenn ich Labor höre», sagte sie. Sie versteht sich als Vertreterin des Gewerbes, das sich bislang in Sachen Klybeck-Areal noch nicht geäussert hat. Knellwolf sagte: «Das Gewerbe kommt bei visionären Prozessen nicht mit.» Und sie befürchtet, dass dieses schlussendlich am kürzeren Hebel sitzt.

Platz für 10'000 neue Einwohner

Die Stadt habe Planungsvereinbarungen mit der BASF und der Novartis, sodass sie sich auf Augenhöhe einbringen könne, sagte Ott. Sie habe auch einen Vorkaufsvertrag über eine Fläche von rund 50'000 Quadratmetern abgeschlossen. Man rechne damit, dass im Klybeck Raum für zehn- bis zwölftausend Einwohner entstehen wird und neun- bis elftausend neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten, so Ott.

Die Erwartungen sind so gross wie die Pläne kühn: Man wolle ein Quartier schaffen, über das auf der ganzen Welt gesprochen werde, sagte Buser und relativierte: «Wir sollten nicht schon alles verplanen.» Buser sprach von Zusammenrücken, während Ott den dringenden Handlungsbedarf zur Erstellung von Wohnraum betonte. «Wir haben in den vergangenen zehn Jahren 20'000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Doch die Wohnraumentwicklung hinkt hinterher. Wir können uns nicht leisten, Angst zu haben», erklärte Ott.

Die besorgten Stimmen aus dem Publikum blieben nicht aus. Wie man auf Augenhöhe mit Novartis und BASF verhandeln könne, wenn diese Besitzer seien, lautete beispielsweise eine Frage. Es sei doch klar, dass diese gewinnbringend verkaufen wollten. Und: «Wer trägt für die Sanierung und Überwachung des Geländes Sorge?»

Ein Teil des Geländes ist belastet und muss saniert werden. Diese Kosten würden auf die Investoren überwälzt. Wie soll es da möglich sein, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

Die Fragen blieben unbeantwortet, doch es gibt Zuversicht. Kantonsbaumeister Beat Aeberhard, der im Publikum sass, glaubt, dass schon in etwa fünf Jahren mit der ersten Etappe begonnen werden kann. Die stadteigene Webseite liefert Antworten auf die offenen Fragen.

Basler Zeitung

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