Guy Morin auf dem Weg nach Bern

Die Geschäftsleitung der Grünen will den alt Regierungspräsidenten als Nationalrat aufstellen.

Politisches Comeback. Alt Regierungsratspräsident Guy Morin (GB) wagt nach 28 Jahren einen zweiten Versuch für die grosse Kammer.

Politisches Comeback. Alt Regierungsratspräsident Guy Morin (GB) wagt nach 28 Jahren einen zweiten Versuch für die grosse Kammer.

(Bild: Keystone)

Serkan Abrecht

Nachdem Guy Morin (Grüne) seiner Nachfolgerin und Parteikollegin Elisabeth Ackermann den Schlüssel zum Rathaus übergeben hatte, verabschiedete er sich aus der Politik und kehrte nach zwölf Jahren Regierungstätigkeit in seinen angestammten Beruf zurück. An der Grenzacherstrasse führt der studierte Mediziner mit ein paar Kollegen eine Praxis für Allgemeinmedizin.

Doch Guy Morin vermisst das Leben im Rampenlicht, er vermisst die Politik. Das erzählen viele, die sich seit seinem Abschied aus der Politik mit dem 61-Jährigen getroffen haben. Der Lebenswandel fällt ihm schwerer, als er es sich eigentlich vorgestellt hat. In einem Interview mit der Schweiz am Wochenende beklagte sich Guy Morin darüber, dass er mit seiner jetzigen Arbeit nicht richtig ausgelastet sei, es eine Flaute in seiner Praxis gäbe und er allgemein zu wenig zu tun habe. Guy Morin: «Ich sags einmal so: Mein neues Leben ist nicht ganz einfach.»

Parteiintern war es bisher ein offenes Geheimnis, dass Morin im Hintergrund rege bei den politischen Geschäften der Grünen weiter mitmischt. Nun zieht es den alt Regierungspräsidenten zurück ins Scheinwerferlicht der Basler Politik. Wie die BaZ aus dem Umfeld der Grünen erfahren hat, schlug Grünen-Urgestein und Grossrat Jürg Stöcklin der Parteileitung vor, dass man Guy Morin als Spitzenkandidaten für die Nationalratswahlen im Herbst 2019 aufstellen solle. Unterstützt wurde er von den Mitgliedern Harald Friedl und Oliver Thommen. Auch Regierungspräsidentin Ackermann wurde miteinbezogen und soll Morins Nomination wohlwollend gegenüberstehen.

Guy Morin als Versicherung

Jürg Stöcklin äussert sich noch vorsichtig: Zurzeit sei alles offen. Man werde eine Findungskommission einsetzen, die mögliche Kandidatinnen und Kandidaten evaluiert. Die Nomination wird dann eine Mitgliederversammlung vornehmen. «Guy Morin hat uns sein Interesse für eine Nationalratskandidatur bestätigt und auch mit Nationalrätin Sibel Arslan darüber gesprochen.» Arslan (GB) habe sich positiv geäussert, dass Morins Kandidatur eine gute Strategie sei, um den Sitz des Grünen Bündnisses gegen die Bürgerlichen zu verteidigen, sagt Stöcklin.

Die CVP und FDP wollen den verlorenen Sitz im Bundesparlament zurückerobern. Bei der FDP wurde bereits der ehemalige Stadtentwickler Thomas Kessler als möglicher Kandidat genannt. Bei der CVP dürfte ihr Präsident Balz Herter ins Rennen steigen.

Es scheint jedoch klar, dass es dem Grünen Bündnis nicht primär darum geht, dass Sibel Arslan selbst weiter in Bern bleiben kann, sondern dass ihr Sitz hauptsächlich in den Händen des Bündnisses bleibt. Eva Strub, ebenfalls Mitglied der Geschäftsleitung, weiss von Morins Bern-Ambitionen und würde die Nomination unterstützen. «Als alt Regierungspräsident kann Morin sicher viele Stimmen holen, um unseren Sitz in Bern zu sichern. Sollte neben ihm als Spitzenkandidat eine junge und ambitionierte Frau für die Grünen antreten, wäre er eine interessante Kandidatur.»

«Wir müssen den Sitz verteidigen»

Sibel Arslan bestätigt auf Anfrage der BaZ, dass sie sich mit Morin über seine mögliche Kandidatur unterhalten habe. «Ich würde mich freuen, mit ihm zusammen im nächsten Jahr in den Wahlkampf zu gehen. Seine Kandidatur wäre ein guter Garant, um unseren Sitz in Bern zu halten», sagt Arslan.

Das Risiko wäre jedoch hoch, dass sie selbst nicht wiedergewählt wird. Arslans Wahl zur Nationalrätin im Herbst 2015 war ein knapper Entscheid. Das Grüne Bündnis konnte den Sitz in einem Fotofinish mit 640 Stimmen Unterschied vor der SP sichern. Des Risikos einer Abwahl ist sie sich bewusst: «Ein Wahlkampf ist auch immer ein Wettbewerb. Aber es geht primär darum, den Sitz für das Bündnis zu sichern.»

Letzte Kandidatur war 1991

Obwohl seine Parteikollegen und Nationalrätin Arslan offen über die geplante Nomination von Guy Morin sprechen, spielt dieser noch mit verdeckten Karten. Auf Anfrage sagt er lediglich: «Es bleibt alles offen.» Guy Morin, der bereits 1991 einmal erfolglos für den Nationalrat kandidierte, soll 28 Jahre später die Wunderwaffe der Grünen im Nationalratswahlkampf sein.

Von der Nachricht über Guy Morins Nomination als Spitzenkandidat ist ausgerechnet der Bündnispartner BastA! überrumpelt. «Im Grunde handhaben wir es jeweils so, dass unsere Parteien frei entscheiden dürfen, wen sie als ihre Kandidaten aufstellen», sagt Co-Präsidentin und alt Grossrätin Heidi Mück. «Ich finde es jedoch schon ein wenig irritierend, dass wir nun aus der Presse erfahren müssen, dass die Geschäftsleitung der Grünen Guy Morin aufstellen möchte. Das hätte man uns vorgängig mitteilen müssen.»

Basler Zeitung

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