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Grippeimpfung in Apotheke - Kritik zurückgewiesen

Die Basler Apotheken bieten wieder die Möglichkeit, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Immer mehr Personen machen davon Gebrauch. Die Einwände von Impfgegnern hält François Bocherens, Co-Präsident des Apotheker-Verbands, für nicht stichhaltig.

Jeden Herbst kommt sie wieder, die Grippeschutzimpfung. Für besonders gefährdete Menschen wird sie im Allgemeinen empfohlen - für ältere Menschen, Erwachsene und Kinder mit chronischen Krankheiten von Lunge oder Herz und Kreislauf sowie bei Immunschwäche. Weil jedoch nur die Hälfte der Betroffenen sich tatsächlich impfen lasse, wollen die Basler Apotheken einen Beitrag leisten und die Hemmschwelle senken. Seit sechs Jahren können sich dort Personen ab 16 Jahren im Oktober und November von einem Arzt gegen die voraussichtlich grassierenden Grippe-Erreger impfen lassen.

"Wir möchten damit erreichen, dass die Grundimmunisierung der Bevölkerung erhöht wird", erklärte François Bocherens, Co-Präsident des Baselstädtischen Apotheker-Verbands und Inhaber der Victoria-Apotheke, gegenüber baz.online. Je höher die Immunisierung sei, umso geringer falle das Risiko für eine mögliche verheerende Grippe-Pandemie aus.

Fast zweitausend Personen

Insbesondere arbeitstätige Menschen zwischen 16 und 65 Jahren sollen mit der Aktion angesprochen werden. Laut des Apothekerverbands melden sich vermehrt Klein- und Mittelbetriebe an, um ihrem Personal die Spritze setzen zu lassen. Die Schutzimpfaktion hat am Mittwoch begonnen und dauert bis am 29 November - 24 von 69 Apotheken machen mit.

Voraussetzung ist ein separater Raum, in dem die Impfung durchgeführt werden kann, wie François Bocherens zu baz.online sagte. Es gibt eine Spritze in den Oberarm. "Mehrheitlich sind es Leute, die die Impfung sonst nicht gemacht hätten", erklärte Bocherens. Ihre Zahl steige von Jahr zu Jahr - letzten Herbst waren es 1936 Personen. Ausser in Basel gibt es eine solche Aktion laut Bocherens nur in Luzern.

Bocherens: Sehr wenige Nebenwirkungen

Einwände von Impfgegnern weist Bocherens entschieden zurück: Es gebe nur sehr wenige mögliche Nebenwirkungen - so bei einer Allergie gegen Hühnereiweiss, die jedoch sehr selten sei. Und die Kosten erachtet Bocherens im Verhältnis zur Wirksamkeit als tief. 29 Franken kostet die Impfung in der Apotheke. Dies sei einiges weniger, als die Behandlung einer Grippe koste.

Impfgegner erheben hingegen den Vorwurf, die Wirksamkeit werde von Behörden und Ärzten deutlich überschätzt. Auf der Website der Ärztegesellschaft Baselland beispielsweise wird versprochen: "Der Impfschutz beginnt zwei Wochen nach der Impfung und bietet bei über zwei Drittel der Geimpften vollständigen Schutz." Anita Petek-Dimmer, Mitbegründerin der impfkritischen Organisation AEGIS Schweiz, hält solche Aussagen für absolut übertrieben. Sie verweist auf den Immunologen Tom Jefferson, der Studien über die Wirksamkeit samt und sonders als nicht zuverlässig kritisiert, sowie auf eine neue Studie in der britischen medizinischen Zeitschrift Lancet.

"Es ist einfach ein grosses Geschäft"

Der US-amerikanische Wissenschaftler Michael Jackson und seine Mitarbeiter vom Center for Health Studies aus Seattle verglichen demnach ältere Personen, die im Zeitraum von drei Jahren eine Lungenentzündung erlitten hatten, mit solchen, die nicht erkrankten. Laut der Studie waren Geimpfte während der Grippewelle zu acht Prozent weniger als Nichtgeimpfte von einer Lungenentzündung betroffen. Für Petek-Dimmer ist die Vielzahl der Grippeviren mit einer Impfung gar nicht abdeckbar. "Es ist einfach ein grosses Geschäft", sagte sie zu baz.online.

Neben der Impfung gibt es auch noch andere Möglichkeiten zu versuchen, sich vor einer Gruppe zu schützen. François Bocherens empfiehlt Präparate, welche die Immunabwehr stärken. Und bei Kontakt mit Grippeerkrankten soll man die Hände desinfizieren und die Räume gut lüften. Anita Petek-Dimmer denkt mehr an Bewegung, gesundes Essen, Sonne und frische Luft, welche insbesondere bei älteren Menschen die Abwehrkräfte gegen eine Grippe stärken sollen.

Nicht mit einer Erkältung zu verwechseln

Die wirkliche Grippe ist dabei nicht mit einer gewöhnlichen Erkältung zu verwechseln. Für jemanden, der schon einmal eine Influenza erlitten hat, ist der Unterschied laut Apothekerverband offensichtlich: "Bleibenden Eindruck hinterlassen vor allem eine schwere Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen und plötzliches hohes Fieber. Oft zeigt das Thermometer Temperaturen über 39 Grad Celsius. Und der Erkrankte wird von Schüttelfrost geplagt.

Dazu kommt ein quälender, trockener Husten - ganz im Unterschied zu einer herkömmlichen Erkältung, bei der eher eine triefende Nase und vermehrte Schleimbildung mit Husten im Vordergrund steht. Meist zieht sich die Grippe länger als zwei Wochen hin. Und nicht selten haben sich die Betroffenen erst nach sechs Wochen wieder vollständig erholt."

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