Gnadenhof Papillon gegen Tiere an der Fasnacht

Die Kampagnenführer erhalten Unterstützung von der Tierrechtsaktivistin Nancy Holten.

Hoch zu Ross. Vorreiter einer Fasnachtsclique. Tierschützer wollen die Pferde vom offiziellen Cortège verbannen.

Hoch zu Ross. Vorreiter einer Fasnachtsclique. Tierschützer wollen die Pferde vom offiziellen Cortège verbannen.

(Bild: Nicole Pont)

Gleich nach der diesjährigen Fasnacht lancierte Olivier Bieli vom Gnadenhof Papillon, einer Organisation, die sich um Tiere in Not kümmert, eine Kampagne gegen den Einsatz von Pferden während der Fasnacht. Jetzt hat die Aktion «Für eine Basler Fasnacht ohne Tiere» mit Tierrechtsaktivistin und Kuhglocken-Gegnerin Nancy Holten eine kämpferische Unterstützerin erhalten: Am 1. August hat die gebürtige Holländerin, die kürzlich gegen den Willen ihrer Wohngemeinde Gipf-Oberfrick den Schweizer Pass erhielt, auf der Mittleren Brücke das Anliegen des Gnadenhofs Papillon unterzeichnet.

Pferde seien «bekanntermassen Fluchttiere und sichtlich ungeeignet für einen Einsatz an einem lauten, teils nervösen und mit hoher Teilnehmerzahl besuchten Anlass», schrieb Bieli Ende März in einem offenen Brief an das Fasnachts-Comité. Immer wieder und zahlreicher erlebe er Touristen, anderweitige Besucher und vielmals auch aktive Fasnächtler, die sich über die gestressten Tiere an der Fasnacht empörten. «Höflich bitte ich das Basler Fasnachts-Comité darum – im Sinne der unfreiwillig teilnehmenden Tiere –, die Tradition der eingesetzten Chaisen zu überdenken.»

Um seine Kampagne zu verdeutlichen, hat Bieli während der letzten Fasnacht mehrere Videos gedreht, die nervöse, schäumende und auch hinkende Pferde sowie solche mit eingeklemmter Zunge zeigen, aber auch Rösser, die neben laut aufspielenden Guggenmusiken ausharren mussten, obschon es eigentlich zum Ehrenkodex von Cliquen und Guggenmusiken gehöre, neben Chaisen nicht zu spielen. Bieli hat nichts gegen die Basler Fasnacht. Der Kantonspolizist ist selber aktiver Fasnächtler und liebt «unsere schöne, melancholische und farbenprächtige Fasnacht über alles» – von Kind auf. Aber schon als Junge hatte er mit den Pferden Mitleid gehabt.

Comité denkt nach

In seinem Antwortschreiben hält Christoph Bürgin, Obmann des Basler Fasnachts-Comités, fest: «Ob Pferde an der Fasnacht oder vergleichbaren Veranstaltungen zugelassen werden sollen, ist sowohl im In- als auch im Ausland ein immer wiederkehrendes ernst zu nehmendes Thema, mit dem sich alle Veranstalter auseinandersetzen müssen.» Dabei gelte es immer, verschiedene Interessen gegeneinander abzuwägen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Das Fasnachts-Comité nimmt die gegenwärtige Diskussion zum Anlass, sich wieder einmal vertieft mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. «Wir werden Sie zu gegebener Zeit über die gewonnene Erkenntnis informieren.»

An der letzten Fasnacht waren knapp 20 Chaisen angemeldet – mithin fast 40 Pferde; zudem gibt es wenige Cliquen mit Vorreitern. «Gegner der Pferde an der Fasnacht könnten sich als Kompromiss vorstellen, dass die Chaisen ausserhalb der offiziellen Cortège-Route fahren», sagt Bieli. «Doch mein Fernziel ist, dass Pferde überhaupt nicht mehr eingesetzt werden.»

Die Fasnacht ist nicht das einzige Brauchtum in der Schweiz, das sich mit der Frage «Pferde – ja oder nein?» auseinandersetzen muss. Nancy Holten hat schon gegen das Zürcher Sechseläuten, respektive das Reiten der Zünfte um den Böögg, das Wort ergriffen: «Gesunder Menschenverstand weiss, dass Pferde unter der Belastung der Menschenmassen und Knallkörper leiden.»

Basler Zeitung

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