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Gesucht: Cheops-Grab und Labyrinth

Es heisst «Cheops-Projekt» und wirkt sehr esoterisch. Trotzdem hat sein Grabungsprojekt in Ägypten den Segen der höchsten staatlichen Stellen erhalten. 700 Leute werden Mitte Oktober in Basel zu einem Kongress im Stadtcasino erwartet.

Projekt zur Rettung der Erde» nennt es sich. Man könnte getrost zur Tagesordnung übergehen – wenn hier nicht ein interessantes archäologisches Projekt Gestalt annähme. Der Hintergrund scheint auch seriöse Wissenschafter nicht abzuschrecken. Falls sie denn überhaupt Bescheid wissen.

Medium

Im Zentrum der ganzen Cheops-Geschichte steht ein Medium, also eine Person, die übernatürliche Botschaften empfangen kann: eine Polin namens Lucyna Lobos. Schon 2001 «erfuhr» das Medium recht präzis, wo in Ägypten das Grab des Pharao Cheops und das vom griechischen Geschichtsschreiber Herodot beschriebene Grosse Labyrinth verborgen sind. Das kann man glauben oder nicht. Nur: Lobos hat auch «erfahren», wie im schlesischen Berg Sleza keltische und andere Schätze zu finden sind, nach denen bisher vergebens gefahndet wurde. Ihre Angaben erwiesen sich als zutreffend; die Grabungsarbeiten unter Leitung der Universität Breslau sind im Gang.

So weit, so interessant. Dass ein Medium der Archäologie Impulse verleiht, ist auch für rational gesteuerte Menschen denkbar. Kopfschütteln erregt anderes: Wenn es nicht gelinge, Grab und Labyrinth zu finden, gehe anno 2012 die Welt unter, sagen die Cheops-Leute. Der herannahende «Planet X» würde uns vernichten. Das Auffinden des Grabes aber würde die Cheops-Pyramide derart mit Schutzenergie aufladen, dass der Planet abgelenkt wird. Doch selbst die Gläubigen beweisen Pragmatismus: Sollte die Cheops-Theorie nicht wahr sein, «dann gibt es wenigstens wunderschöne archäologische Entdeckungen und ein Drehbuch für den nächsten Hollywood-Film», heisst es treuherzig in einer offiziellen Verlautbarung.

Probelauf.

Wie kommt denn ein Weltuntergangs-Verein zu einer Grabungserlaubnis? Hinweise eines Mediums genügen nicht, das war allen klar. Es musste ein Beweis für die Glaubwürdigkeit des Mediums her. Also ging man 2004 daran, die präzise Äusserung zum geheimnisvollen Berg Sleza, einst keltische Kultstätte, zu verifizieren. Seither wurde beharrlich auf die Genehmigungen in Ägypten hingearbeitet.

Tatsächlich gab der «Höchste Rat der Antike» im März grünes Licht. Dieses Gremium des Kultusministeriums ist zuständig für archäologische Ausgrabungen, die Konservierung von Funden und den Schutz archäologischer Stätten in Ägypten. Die Genehmigung gilt für Untersuchungen und Ausgrabungen bei der Nekropole von Hawara (Fayoum), etwa 90 km südlich der Pyramiden von Gizeh. Im April 2008 wurden Verträge unterzeichnet über die Zusammenarbeit der Universitäten Breslau und Kairo. Hauptunterzeichner waren der Dekan der archäologischen Fakultät der Universität Kairo und der Konrektor der Universität Breslau. Dann nahmen ägyptische Wissenschafter unter Leitung des Geologen Adam Szynkiewic von der Universität Breslau in Hawara Georadar-Messungen vor.

«Die Ergebnisse erwiesen sich als sensationell, weil sie sehr grosse Anomalien in der Tiefe von 3 bis 20 Metern östlich und nördlich der Pyramide in Hawara zeigten», sagt die Cheops-Sprecherin Janina Gritsch in Tübingen. «Anomalien» bedeuten, dass da etwas sein könnte. Und zwar just dort, wo Lucyna Lobos den Eingang zum Grossen Labyrith sieht; die meisten Ägyptologen vermuten das Labyrinth, so es denn existiert, offenbar eher südlich und westlich der sogenannten Schlammpyramide. Schon im Juli begann man zu graben. «Es gibt bereits erste Funde, viel mehr, als man sich für diese Phase erhofft hat», schwärmt Gritsch. Auch darüber soll in Basel berichtet werden: «Die Leute werden direkt aus Kairo kommen.»

Viel Geld.

Finanziert wird das Ganze durch eine Stiftung namens «Dar Swiatowida». Hauptsponsor ist gemäss Präsident Andrzej Wojcikiewicz (Kanada) «ein polnischer Geschäftsmann, der anonym zu bleiben wünscht». Zudem gebe es viele kleine Spenden von Menschen in Polen und anderswo. Allein für die Hawara-Arbeiten bis Ende Jahr stellt die Stiftung 350 000 US-Dollar zur Verfügung; «nächstes Jahr könnten es auch mehr sein». In Basel werden neben dem Medium der polnische Georadar-Leiter Adam Szynkiewic anwesend sein.

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