Gegen längere Ladenöffnungszeiten

Gewerkschaften eröffnen Abstimmungskampf und wollen das Personal schützen.

Länger einkaufen? Darüber stimmen am 25. November die Baslerinnen und Basler an der Urne ab.

Länger einkaufen? Darüber stimmen am 25. November die Baslerinnen und Basler an der Urne ab.

(Bild: Nicole Pont)

Martin Regenass

Von einer «Zwängerei», einer «leidigen Geschichte» oder einem «Dauerthema» sprachen gestern eine Grossrätin, eine Gewerkschafterin und ein Gewerkschafter im Gewerkschaftshaus am Claraplatz. Die Vertreter der Arbeitnehmer lancierten mit einer Pressekonferenz den Abstimmungskampf für den Sonntag, 25. November. Dannzumal ist die Basler Stimmbevölkerung dazu eingeladen, über verlängerte Ladenöffnungszeiten abzustimmen. Es ist dies nach 2013 bereits die zweite Abstimmung zu dem Thema innerhalb von fünf Jahren. Damals hat die Stimmbevölkerung dem Anliegen eine klare Absage erteilt.

Der Grosse Rat hat nun Anfang Juni einer Verlängerung der Ladenöffnungszeiten zugestimmt, die auf einem Vorstoss von SVP-Grossrat Joël Thüring fusst. Demnach sollen die Geschäfte in Basel an Samstagen und an Vortagen eines Feiertages die Kundschaft bis um 20 Uhr anstatt wie bis heute um 18 Uhr bedienen können. Zusätzlich sollen die Läden an Heiligabend spätestens um 17 Uhr und am Gründonnerstag um 18 Uhr schliessen müssen. Die Gewerkschaften sowie das rot-grüne Bündnis haben auf diesen Grossratsentscheid erfolgreich mit einem Referendum reagiert.

«Das Verdikt 2013 war eindeutig. Die Baslerinnen und Basler haben klar gesagt, dass sie am Samstag nach 18 Uhr nicht mehr einkaufen wollen», sagte Toya Krummenacher, Präsidentin des Basler Gewerkschaftsbunds. Die Bevölkerung habe verstanden, dass die zwei Stunden länger arbeiten am Samstag voll auf Kosten der Angestellten gingen. Krummenacher nannte Thüring indirekt einen Phantasten. «Er argumentierte in seiner Motion, dass die Frankenstärke dem Detailhandel zusetze und deshalb Massnahmen erforderlich seien.» Man könne zwar nicht bestreiten, dass der Einkaufstourismus existiere. Dass man diesen mit längeren Öffnungszeiten allerdings verhindern könne, erfordere laut Krummenacher «doch etwas Fantasie».

Die Gewerkschafterin stellte in Abrede, dass die Geschäftsführer wegen der längeren Öffnungszeiten mehr Personal einstellen würden. «Im Gegenteil wird das Stammpersonal eingesetzt und ihm längere Pausen oder zerrissene Schichten verordnet. Dies ist mit dem Familienleben nur schwer vereinbar», sagte Krummenacher. Ein Grossteil der Betroffenen seien Frauen, die am Samstagabend nicht die Möglichkeit hätten, ihre Kinder betreuen zu lassen. «Kommt hinzu, dass sie dann noch den Laden schliessen und die Kasse machen müssen. Da wird es neun Uhr, bis sie zu Hause sind.»

Kleinen Läden droht Schliessung

Für die SP wehrte sich Grossrätin Lisa Mathys gegen die Ausweitung. «Wir haben vor der Grossratsdebatte auch mit Inhaberinnen und Inhabern der kleineren, typischen Innenstadt-Läden über verlängerte Ladenöffnungszeiten gesprochen. Sie winkten ab mit der Begründung, dass sie keinen Bedarf sähen, kein Personal hätten und sich das vor allem nicht lohnen würde.»

Mathys zitierte eine Studie aus dem Staatssekretariat für Wirtschaft, die zum Schluss gekommen sei, dass kleineren Geschäften im Gegensatz zu grossen bei längeren Ladenöffnungszeiten die Schliessung drohe, anstatt dass es zu einer Belebung der Innenstadt käme, wie die Befürworter das «herbeifabulierten».

Thomas Leuzinger, Politikverantwortlicher bei der Unia Aargau-Nordwestschweiz ging schliesslich auf die Arbeitsbedingungen des Verkaufspersonals ein. Zwar liege der Mindestlohn in Basel-Stadt bei 3500 Franken pro Monat – ohne einen 13. Monatslohn, womit sich der Lebensunterhalt aber nicht bestreiten lasse. Zudem gebe es im Verkauf auch keine Zuschläge für Abend- oder Samstagsarbeit. «Dazu sind den Detailhändlern ihre Renditen zu wichtig», sagte Leuzinger.

Manche Unternehmen wie der Modeverkäufer H&M würden zudem ihr Personal nur mit kleinen Pensen anstellen. «Die Verkäuferinnen und Verkäufer werden spontan und kurzzeitig aufgeboten, wenn der Laden voll ist.» Schon heute sei es für das Verkaufspersonal schwierig, unter der Woche Feizeitaktivitäten zu planen. Ob Theater, Kino, Ausgang oder ein Heimspiel des FCB: «Die meisten Veranstaltungen beginnen nicht erst um halb neun.»

Basler Zeitung

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