Fümoar-Beizer sind noch entspannt

Wird das Urteil weitergezogen, kann in den Fümoar-Beizen noch eine Weile weitergeraucht werden. Zahlreiche Wirte fürchten bei einem Rauchverbot erhebliche finanzielle Einbussen.

Viele Wirte sind froh, wenn Fümoar-Anwalt und Vereinsgründer Thierry Julliard ein Rauchverbot mit dem Gang vors Bundesgericht noch etwas herauszögert.

Viele Wirte sind froh, wenn Fümoar-Anwalt und Vereinsgründer Thierry Julliard ein Rauchverbot mit dem Gang vors Bundesgericht noch etwas herauszögert.

(Bild: Roland Schmid)

Eigentlich ist alles sonnenklar. Oder besser so klar wie künftig die rauchfreie Luft in den Basler Restaurants. Am Montag hat das Appellationsgericht entschieden, dass das Vereinsmodell Fümoar unzulässig ist. Dieses Urteil beeindruckt Fümoar-Anwalt und Vereinsgründer Thierry Julliard jedoch nicht besonders: Er will den Entscheid wohl vor das Bundesgericht weiterziehen. Dass er sich weiterhin kämpferisch gibt, stösst bei vielen der rund 180 Mitglieder des Vereins auf Zustimmung.

«In einer Bar muss man rauchen können, sonst ist es keine richtige Bar», sagt etwa Cécile Grieder vom «Schiff». In einem Restaurant sei das etwas anderes. «Wenn im ‹Schiff› nicht mehr geraucht werden kann, bleiben viele Gäste daheim», fügt Grieder an. Was dies für die Betreiber bedeuten würde, ist klar: Umsatzeinbussen, eventuell sogar die Schliessung des Lokals. Einer der dies bitter erfahren musste, ist Felix Bigliel, Besitzer der Rio Bar. «Ich habe ein Jahr lang versucht, ohne Fümoar zu wirtschaften und bin kläglich abgeschifft», sagt er. Dank Fümoar geht es heute besser. Ein Rauchverbot bedeute für eine Bar wie die «Rio» Einbussen von 20 bis 30 Prozent. «Kann nicht mehr geraucht werden, muss ich mindestens drei von meinen Angestellten kündigen, so leid es mir tut», sagt Bigliel.

Froh über das Hinauszögern

Für Alain Heiniger von der «Balz Bar» ist der Hauptgrund, warum er dem Verein Fümoar beigetreten ist, die Lärmemission. «Wenn bei uns Rauchverbot herrschen würde, müssten wir Leute zum Rauchen vor die Türe schicken. Das wäre für die Anwohner sehr störend», sagt er. Eine, die kurz Mitglied beim Verein Fümoar war, dann aber wieder abgesprungen ist, ist Lotti Weber vom Restaurant Torstübli. «Ich habe mich damals bei der Regierung erkundigt, wie legal das Ganze ist», sagt Weber. Sie habe schnell eingesehen, dass das Modell nicht funktioniert. Kurz nach ihrem Ausstieg beim Verein Fümoar wurde Weber selber aktiv. Im Parterre ihres Restaurants hat sie das Vereinslokal «Zem Lotti wott i» gegründet. Mitglieder dürfen dort rauchen. Doch für Weber ist klar: Geht es dem Verein Fümoar an den Kragen, wird auch ihr eigener nicht mehr lange bestehen können. Die rechtlichen Grundlagen fehlen. «Ich bin froh, wenn Thierry Julliard die Sache mit einem nächsten Schritt noch etwas herauszögert, das hilft auch mir, ein neues Konzept zu erarbeiten.»

Basler Zeitung

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