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EuroAirport will Fluglärm reduzieren

Bis Ende 2019 will der EuroAirport in der Stunde vor Mitternacht die Zahl der Starts halbieren und jene aller Flugbewegungen «stabilisieren».

Der EAP attestiert sich selbst eine «im internationalen Vergleich progressive und aktive Lärmschutzpolitik».
Der EAP attestiert sich selbst eine «im internationalen Vergleich progressive und aktive Lärmschutzpolitik».
Roland Schmid

Der Flughafen Basel-Mülhausen will bis Ende 2019 in der umstrittensten Nachtstunde zwischen 23 und 24 Uhr die Zahl der Starts halbieren und jene aller Flugbewegungen «stabilisieren». Er anerkennt «einen Handlungsbedarf in Bezug auf die Lärmsituation».

Am Montagnachmittag präsentierten Verantwortliche des EuroAirport (EAP) vor den Medien einen «Aktionsplan» als «Kernelement seiner nachhaltigen Entwicklungsstrategie». Ein Ziel sei, die Lärmsituation in betroffenen Gemeinden «markant zu entschärfen». In Allschwil war 2016 erstmals der Immissionsgrenzwert von 50 Dezibel zwischen 23 und 24 Uhr überschritten worden.

Die Bestrebungen dürften jedoch die «wichtige volkswirtschaftliche Funktion des Flughafens für die Region» nicht gefährden. Von den 6400 EAP-Angestellten wohnen 19 Prozent in der Schweiz und 75 Prozent im Elsass; direkt und indirekt seien 25'000 Arbeitsplätze mit dem Flughafen verbunden, sagte Direktor Matthias Suhr.

Druck via Portemonnaie

Der Aktionsplan hat gestaffelte Zeitachsen. Laut EAP werden schon im Sommerflugplan 2018 Flüge zwecks Lärmschutz' vorverlegt. So starte das bisher einzige nächtliche Expressfrachtflugzeug am Wochenende nicht mehr um 23.10 Uhr, sondern um 20.40 Uhr. Indes macht die Expressfracht nur die Hälfte der Bewegungen von 23 bis 24 Uhr aus.

Mit den Airlines strebe man mehr Pünktlichkeit und grössere Zeitpolster an. Auch die Pistenbenutzung und technische Hilfsmittel für die Routen würden überprüft. Zudem setze der EAP auf finanzielle Anreize etwa für leisere Maschinen. Der EAP gehe das Thema Lärmschutz partnerschaftlich mit seinen Firmen an.

Laut Suhr bezahlt zum Beispiel ein 186-plätziger Airbus A320 tagsüber und bis 22 Uhr 273 Franken Landegebühr, in der Stunde vor Mitternacht aber 953 Franken werktags. Das entspricht einer Differenz von rund vier Franken pro Sitzplatz.

23 Uhr als weiche Deadline

Dass mit zunehmendem Verkehr auch Fluglärm und Widerstände rundum wachsen, ist dem EAP nicht entgangen. Suhr unterstrich daher die kurz-, mittel- und langfristigen Bemühungen und Ziele des EAP. «Wenn's irgendwie geht, möchte der Flughafen keine Flüge nach 23 Uhr», sagte er.

Allerdings will er nicht die formelle Nachtflugsperre auf 23 bis 06 Uhr ausdehnen, ähnlich wie sie am Flughafen Zürich gilt: Dies würde das Aus für die Expressfracht am EAP bedeuten und auch Easyjet als grössten Player am Rheinknie dazu bewegen, ihre «Basis deutlich herunterzufahren», weil deren Jets so weniger Rotationen fliegen könnten.

Der EAP attestiert sich selber im Communiqué eine seit 30 Jahren «im internationalen Vergleich progressive und aktive Lärmschutzpolitik». Weil sich die Südstarts in der Stunde vor Mitternacht aber dennoch seit 2014 verdoppelt haben, seien «wirksame kurz- und langfristige Aktionen zur Entspannung der Fluglärmsituation» nun «unabdingbar».

Ausbau nur mit Nachtruhe-Regeln

Laut EAP nahmen die Südstarts in Richtung Basel-Allschwil primär wegen verspäteten Landungen von Passagiermaschinen von Norden her zu: Diese würden Starts über den weniger dicht besiedelten Norden verhindern. 2017 betrafen 37 Prozent der Bewegungen von 23 bis 24 Uhr Verspätungen.

Langfristig stellt sich der Flughafen vor, dass die französischen und die Schweizer Behörden gemeinsam eine «begrenzende Lärmkurve» einführen. Diese solle 2020 gelten und unabhängig von der Zahl der Flugbewegungen den Fluglärm limitieren. Suhr erwartet dabei «Engagement» seitens der Airlines.

Dahinter steht ein Plan: Der EAP rechnet mit anhaltendem Wachstum beim Passagier-, Luftfracht- und Expressfracht-Geschäft, weshalb auch Gebäude erweitert werden müssten. Bis 2030 könnten die Passagierzahlen von 8,4 Millionen im 2017 auf 11 bis 13 Millionen ansteigen; die Luftfracht könnte sich gar fast verdoppeln.

Zu bewältigen ist das Wachstum nur mit einem kostspieligen Ausbau der Infrastruktur; unter anderem sind 30 Prozent mehr Fläche im Hauptgebäude bis 2025 vorgesehen - auch der Bahnanschluss ist noch pendent. Ohne die staatlich definierte «Fluglärmkurve» hält Suhr einen Ausbau jedoch für politisch «schwer durchsetzbar».

(SDA)

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