Es braucht ein Hirn- und kein Herzstück

Die Basler Planer scheinen sich beim Bahnausbau nicht sicher zu sein, was sie wollen. Sie wissen nur, dass sie wollen.

Sabine Pegoraro und Hans-Peter Wessels planen das Basler Herzstück.

Sabine Pegoraro und Hans-Peter Wessels planen das Basler Herzstück.

(Bild: Christian Merz)

Markus Wüest

«Die Schweiz hat uns nicht gern.» «Man zieht Zürich ständig Basel vor.» «Unser Geld nehmen die in Bern schon, aber sonst scheren sie sich keinen Deut um unsere Anliegen.»

So oder so ähnlich lautete jüngst das Lamento, als sich herausstellte, dass der Bundesrat keine 120 Millionen Franken für einen Projektkredit lockermachen will, mit dem das sogenannte Herzstück in Basel ernsthaft vorbereitet werden könnte, sodass es auch nur halbwegs realistisch wäre, dieses Riesenprojekt innert nützlicher Frist in Betrieb zu nehmen.

Diese Klagen sind einer Stadt wie Basel schlicht unwürdig. Sie kommen aus dem Bauch heraus, oder vielleicht sprechen sie ja einigen ganz tief aus dem Herzen. Dabei wäre es höchste Zeit, das Hirn zu verwenden. Wenn jetzt Unterschriften gesammelt werden, um eine Petition in den eidgenössischen Räten zu platzieren, man möge doch mindestens dort endlich ein Einsehen haben und den Fehler des Bundesrates korrigieren, so ist es nicht das, was ich meine.

Neue Linienführungen alle drei Jahre

Es fehlt an analytischem Geist, wohingegen das Potenzial zum Beleidigtsein schier unendlich scheint. Doch weshalb sollen die lieben Miteidgenossen gegen drei Milliarden Franken in die Nordwestschweiz verschieben, wenn der Nutzen dieses Bahnausbaus für sie nahezu gleich null ist? Weshalb sollen immense Geldmengen locker gemacht werden, wenn die Basler Planer im Abstand von etwa drei Jahren immer neue Linienführungen präsentieren, sich anscheinend also nicht einmal ganz sicher sind, was sie wollen, nur dass sie wollen? Was bringt dieses Beharren auf die Station Mitte, die einmal irgendwo im Untergrund beim Marktplatz zu liegen kommen soll, dann wieder eher näher bei der Schifflände und wenn man die jüngst mit einer Modelleisenbahn dargestellte Linienführung anschaut (BaZ vom 8.11.), neuerdings gar irgendwo im Bereich Voltaplatz?

Die Chancen für ein grosses, cleveres Basler Bahnprojekt würden rapid steigen, wenn
a) ganz klar ein übergeordneter, gesamtschweizerischer Nutzen ausgewiesen werden könnte, was
b) bedingt, dass es nicht nur dem Regional-, sondern auch dem internationalen Verkehr dienlich wäre und
c) es nicht mit irgendwelchen kühnen Ingenieurträumen verknüpft ist.

Neue Konzepte sind gefragt

Meines Erachtens heisst das: keine Haltestelle Mitte, sondern S-Bahn-Haltestellen in der Nähe der Novartis, der Roche und im Raum Neubad. Ein durchgehender, wendungsfreier Nord-Süd-Verkehr unter Anbindung des EAP. Das heisst, die Aufgabe des Badischen Bahnhofs als Halt internationaler Schnellzüge, aber gleichzeitig eine leistungsfähige Anbindung der Pendlerströme aus dem Wiesental an die Hauptachse. Im Idealfall eine komplette Trennung von Güter- und Personenverkehr auf der Elsässerbahn.

Dafür bräuchte es einen vollkommenen Neustart. Also: Sofort weg mit all den Furzideen von einem Herzstück tief unter Innenstadt und Rhein. Mit neuen Köpfen voll neuer Gedanken eine raschestmöglich umsetzbare Lösung, die allen dient und die den öffentlichen Verkehr in der Region Basel tatsächlich stärkt. Weshalb endlos Zeit und Geld investiert werden soll, um etwas durchzustieren, an das kaum jemand mehr glaubt, statt mit Frankreich endlich auszuhandeln, dass die bestehenden S-Bahn-Linien wieder grenzüberschreitend verkehren, soll zum Beispiel mal einer verstehen. Es muss nicht zwingend 2,8 Milliarden Franken kosten, was uns Baslern wirklich etwas bringt.

Basler Zeitung

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