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Erdogans Luxusflieger am EuroAirport

Der Scheich von Katar schenkte der Türkei ein Flugzeug – die Spuren führen nach Basel.

Eine Boeing 747-8, besser bekannt als «Jumbo-Jet».
Eine Boeing 747-8, besser bekannt als «Jumbo-Jet».
Keystone

Wenn sich Oligarchen, Scheichs oder sonstige Superreiche nicht mit einem handelsüblichen Privatflugzeug begnügen wollen, dann gibt es zwei Firmen in Basel, die ihnen die Wünsche von den Lippen ablesen können. Amac Aerospace und Jet Aviation, beide mit Sitz beim EuroAirport, sind darauf spezialisiert, normale Linienflugzeuge von Herstellern wie Airbus oder Boeing in Luxusflieger zu verwandeln. Nichts scheint unmöglich für die Handwerker von Amac Aerospace oder Jet Aviation. Ein Kino im Flugzeugbauch?Ein extravagantes Schlafzimmer mit Marmorboden? Alles machbar.

Einen solchen Luxusjet hat sich auch Scheich Tamim bin Hamad geleistet. Der Führer des Emirats Katar an der Ostküste der arabischen Halbinsel liess sich eine Boeing 747-8, besser bekannt als «Jumbo-Jet», zu einem Privatflugzeug umbauen. Grossräumige Lounges, Speisesaal, Krankenstation und Kingsize-Bett inklusive. Aber offenbar hat der Scheich an seinem Spielzeug keinen Gefallen mehr gefunden und es vor wenigen Wochen verschenkt. An den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Amac widerspricht

Die beiden Länder hatten ihre Beziehungen in letzter Zeit vertieft. Als die türkische Lira aufgrund eines diplomatischen Streits mit den Vereinigten Staaten eingebrochen war, kündigte der Herrscher des erdgasreichen Golfstaats Katar bei einem Besuch an, 15 Milliarden Dollar in der Türkei investieren zu wollen.

Zudem schenkte er der Türkei auch noch seinen Jumbo-Jet. Dessen Wert: rund 340 Millionen Euro. Während der Präsident Luxusgeschenke dankend annimmt, müssen die Türken wegen des Lira-Crashs den Gürtel enger schnallen. Der Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu kritisierte Erdogan für die Annahme des Geschenks: «Wie kann ihm dabei nicht unwohl sein?»

Mittlerweile hat das Geschenk des katarischen Staatschefs zu einem Politskandal in der Türkei geführt. Die Oppositionspartei CHP behauptet, dass Erdogan das Flugzeug gar nicht geschenkt bekommen, sondern mit Steuergeldern bezahlt habe. Die Abgeordnete Gamze Tascier schrieb im Onlinedienst Twitter, ein Vertreter einer Firma aus der Schweiz habe den Verkauf einer Boeing 747-8 bestätigt.

Stimmt das? Gemäss türkischen Medienberichten ist die Boeing 747-8 mit dem Kennzeichen VQ-BSK nach Bekanntwerden der Übergabe vor zwei Wochen vom EuroAirport aus Richtung Istanbul gestartet. Es liegt also auf der Hand, dass für die «Überfahrt» des umstrittenen Geschenks entweder die Jet Aviation oder Amac Aerospace verantwortlich sein müssen. Letztere hat auch Firmensitze in der Türkei.

In Basel bloss gewartet

Auf Anfrage sagt Mediensprecher Stefan Mathys: «Amac Aerospace war beauftragt, einen Käufer für das Flugzeug zu finden. Mit der Schenkung des Flugzeugs durch den Besitzer wurde das Mandat von uns jedoch beendet. Das Flugzeug stand während dieser Zeit in Basel bei Amac Aerospace und wurde dort gewartet, um die internationalen Flugrichtlinien jederzeit zu erfüllen.»

Er widerspricht somit den Aussagen türkischer Medien und Oppositionspolitikern, dass die Schweizer Firma das Flugzeug an die Türkei verkauft habe. «Amac Aerospace bietet grundsätzlich Leistungen für den Innenausbau von Grossraumflugzeugen an – auch von der Grösse einer B 747-8. Das besagte Flugzeug aus Katar wurde aber nicht von uns ausgestattet.»

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